Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Kiews Hunger nach US-Waffen: Den „Westen” vor Russland schützen oder Aufrüsten?

© REUTERS / SERHIY TAKHMAZOVSoldat der ukrainischen Armee an der Frontlinie
Soldat der ukrainischen Armee an der Frontlinie - SNA, 1920, 20.04.2021
Abonnieren
Der Appetit wächst mit jedem Tag – jetzt betteln Kiewer Politiker und Generäle in Washington um Patriot-Raketen mit einer Reichweite bis 100 Kilometer.
Der Westen unterstützt die Ukraine seit Beginn des Donbass-Konflikts zwar mit Waffen, doch früher war Kiew mit solchen Bitten nicht an Washington herangetreten.

„Patriots müssen in der Ukraine sein“

Der ukrainische Präsidialamts-Chef Andrej Jermak forderte de facto von den Amerikanern die Verlegung von Luftabwehrsystemen in die Ukraine. Die Argumente sind wie immer „unbestritten“.
„Die Ukraine verteidigt sich gegen Russland nicht nur für sich selbst, sondern auch für den Westen“, teilte Jermak im Interview für die US-Zeitschrift „Time“ mit. „Und wo stationieren die USA ihre Patriot-Raketen? Am nächstgelegenen in Polen. Sie müssen hier sein“, sagte er.
Es ist nicht der erste Versuch Kiews, bei den USA die Flugabwehrkomplexe zu erbetteln. So sagte der Leiter des ukrainischen Zentrums für Armeestudien, Konversion und Abrüstung, Valentin Badrak, dass eine Raketenabwehrbasis und einige Patriot-Divisionen in der Ukraine den Nato-Beitritt beschleunigen würden.
Dieser Schritt würde die Ukraine mehr schützen als Nato-Mitglieder wie Griechenland und Bulgarien, denn Kiew verfügt auch über „ausreichend eigene Kapazitäten und Kräfte“.
Allerdings kann man derzeit kaum ernsthaft über die Übergabe solch kostspieliger Anlagen an Kiew sprechen. Laut dem Militärexperten Alexej Leonkow finden die Patriot-Raketen in der Ukraine keine Verwendung – die ukrainischen Streitkräfte verfügen über S300- und Buk-Raketen, die nahe Kramatorsk stationiert sind.
Polen sei Nato-Mitglied und habe Patriot-Raketen bekommen, weil hier ein Stellungsgebiet der Raketenabwehr geschaffen wurde und es geschützt werden muss, so der Experte. In der Ukraine sei nicht so etwas vorgesehen. Zudem haben diese Flugabwehrkomplexe einen schlechten Ruf – so konnten sie beispielsweise einen Drohnenangriff gegen Objekte der Ölindustrie in Saudi-Arabien nicht abwehren. Die Amerikaner würden sich kaum noch einmal blamieren wollen, so der Experte. Die Bitten der ukrainischen Politiker könnten mit dem Wunsch verglichen werden, über Dinge wie die 101. Landedivision, einige Marineinfanterie-Einheiten oder den Flugzeugträger USS Harry S. Truman zu verfügen, fügte der Experte ironisch an.

Beutestücke

Wenn man jedoch theoretisch annimmt, dass die Amerikaner Kiew doch mit ihren Flugabwehranlagen bewaffnen würden, sind dennoch sehr viele schwierige Aufgaben zu lösen.
Um die Reichweite von 100 Kilometer zu gewährleisten, sind ein spezieller Kommandostab und Avacs-Systeme erforderlich. Dabei müssen die Amerikaner die Möglichkeiten und Eigenschaften der Patriot-Raketen geheim halten. Was, wenn tatsächlich ein Krieg beginnt, den die Ukraine verliert? Wer bekommt dann all diese Abwehrsysteme? Wohl sicher Russland. Hier gebe es viele Risiken, die die USA kaum eingehen würden, so der Experte.
Der Waldai-Experte Artjom Kurejew schloss limitierte Lieferungen der Flugabwehrkomplexe an die Ukraine nicht aus. „Einige Komplexe zu liefern, um für viel Aufsehen in den Medien zu sorgen – warum nicht?“, meint der Experte.
„Allerdings würde das nicht sehr schnell passieren und sicher nicht in der Menge, um das Gebiet von Tschernigow bis Cherson zu schützen“.
Allerdings würde die ukrainische Armee in der aktuellen Situation kaum Patriot-Raketen brauchen, so Kurejew. „Erstens sind ausgebildete Spezialisten dafür notwendig. Zweitens, wie würden sie der ukrainischen Armee bei einem Truppeneinsatz gegen die Volksrepubliken Donezk und Lugansk helfen? Die Flugabwehrraketen würden die Ukraine nur im Falle einer großangelegten Invasion schützen. Drittens ist eine wirklich schnelle Verlegung der Flugabwehrkomplexe nur aus Polen, zusammen mit Soldaten möglich, doch das bedeutet, dass sich die Nato de facto in den Konflikt einmischt - und Brüssel und Washington wollen das nicht“, sagte Kurejew.
Man sollte mehr Aufmerksamkeit den häufiger werdenden Erklärungen Kiews über „die Verteidigung des gesamten Westens vor Russland“ widmen. Damit deutet die ukrainische Führung auf unzureichende Militärhilfen an und setzt mit Billigung Washingtons andere Nato-Länder unter Druck.

„Die USA werden helfen“

In den vergangenen Jahren bittet Kiew die westlichen Schutzherren immer häufiger um Rüstungen für seine Armee.
Die ukrainischen Behörden geben zu, dass die Probleme bei den Kampflugzeug-Kräften haben. Sie verfügen derzeit nur über alte sowjetische Flugzeuge – rund 80 Kampfjets Su-27 und MiG-29, 14 Su-24-Bomber, 30 Su-25-Erdkampfflugzeuge und rund 50 Hubschrauber. Ein großer Teil der Flugzeugflotte ist wegen schlechter Wartung und fehlender Ersatzteile nicht einsatzfähig. Kiew will sein Luftwaffenarsenal mit Kampfjets nach Nato-Vorbild wiederbeleben – wobei schwedische Gripen- bzw. amerikanische F-15-Kampfjets gekauft werden sollen. Bis 2025 wollen die Ukrainer die erste Lieferung von Flugzeugen bekommen und bis 2030 zwei Einheiten der taktischen Fliegerkräfte umrüsten. Bis 2035 sollen die Luftstreitkräfte vollständig mit neuen Flugzeugen ausgerüstet werden.
Die Führung der ukrainischen Armee schließt auch die Lieferung von F35-Kampfjets nicht aus. Allerdings ist das alles zu teuer und die Ukraine hat kein Geld. Bislang kommt man mit beschränkten Lieferungen gebrauchter Nato-Technik aus, die bereits viele Hunderttausend Kilometer bei Nato-Übungen zurückgelegt hat, und gegen Kredit gekauft wird.
So bekam die ukrainische Armee seit 2014 Dutzende HMMWV-Panzerwagen, die sich bei bewaffneten Konflikten nicht sehr gut bewährt haben – die Fahrzeuge sind sehr sensibel gegen Minen und selbstgebastelten Sprengladungen der Extremisten. Allerdings hatte Kiew nichts Besseres und musste sich mit den Hummern begnügen – sie wurden mehrmals in den Kampfgebieten im Donezbecken gesehen.
Zur weiteren „humanitären Hilfe“ gehören Motorboote für die Seestreitkräfte. Vor einigen Jahren kaufte Kiew bei Dänemark einige ausgemusterte Minenräumboote. Bei den USA wurden 16 Patrouillenboote Mark VI gekauft. Ein weiterer „Super-Deal“: der Kauf von alten Kleinschiffen der Island-Klasse.
Der Westen schickt regelmäßig Schusswaffen, Funkanlagen, Radarstationen und Soldatenuniformen an die Ukraine. Doch wenn es um ernsthafte Waffen geht, wird der Dialog vorsichtig abgebaut.
Sehr anschaulich ist das Beispiel mit der Panzerabwehrlenkwaffe FGM-148 Javelin. Kiew bat lange um diese Waffe bei Washington, weil es damit rechnete, die Situation im Donezbecken mit der neuen Waffe zu ändern, doch alles endete im Nichts. 2018 wurden zwar Panzerabwehrkomplexe und einige hundert Raketen an die Ukraine geschickt, doch die USA verboten, sie an der Kontaktlinie einzusetzen. Wie sich später herausstellte, war die Munition für die Javelin-Komplexe seit langem nicht mehr zu gebrauchen.
US-Kriegsschiff USS Donald Cook in Bosporus (Archivbild) - SNA, 1920, 20.04.2021
Kampfschiffe im Schwarzen Meer: Was will der Westen damit durchsetzen?
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала