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Feinde oder Freunde des Menschen – Was tun Viren, über die wir nur wenig wissen?

© SNA / Andrej SolomonowVirusforschung (Symbolbild)
Virusforschung (Symbolbild) - SNA, 1920, 19.04.2021
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Viren können nicht nur schaden – zahlreiche Viren haben während der Evolution mit den Menschen „zusammengearbeitet”. Darüber, wie sich die Menschheit mit den vielfältigen Mikro-„Räubern“ verträgt, erzählt Matwej Korowin, Dozent am Lehrstuhl für Mikrobiologie und Virologie der Sibirischen medizinischen Universität, im Gespräch mit SNA.
Viren sind streng genommen keine Lebewesen, sondern molekulare Automaten. Sie brauchen stets einen Wirt, um sich fortpflanzen zu können, und verhalten sich deshalb auch wie Parasiten. Sie nutzen den Wirt, um von dessen zellulären Strukturen vermehrt zu werden.
Die Anzahl der Virenarten ist enorm – etwa 400 Billionen Viruspartikeln im Körper eines gesunden Menschen. Das ist etwa zehnmal so viel wie die Anzahl von Bakterien im menschlichen Organismus. Allein im Darm wurden 140.000 Virusarten entdeckt. Laut Korowin sei es problematisch, den Artenbestand von Viren zu erfassen – es fänden sich immer neue Virenformen. Hinzu komme auch, dass nicht pathogene Virus-Arten bis vor kurzem kaum erforscht worden seien.
Dem Forscher zufolge ist nur ein geringer Teil der Viren für den Menschen gefährlich. Da die Viren die stärksten „Fressfeinde“ in der Mikrobenwelt sind, leisten sie damit der Menschheit Hilfe. Die Bakteriophagen (Bakterienfresser) sind der Hauptregulator der Anzahl der Mikroorganismen in allen Ökosystemen der Erde, darunter auch im menschlichen Körper. Zudem erzeugen Viren rund die Hälfte der gesamten Sauerstoffmasse der Erde.
Dosen für Corona-Vakzine von AstraZeneca - SNA, 1920, 14.12.2020
Tote Viren, Vektoren oder mRNA? Impfstoffe im Quervergleich

Viren als Retter

Gerade Bakteriophagen seien es, die die Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika bekämpfen, aber auch einige gefährliche Krankheitserreger bei einem infizierten Menschen zurückschrecken können. So verlangsame sich die Entwicklung von AIDS bei HIV-Infizierten dank des nicht pathogenen GB-Virus des Typs C. Auch hätten Ebola-Infizierte mit dem GB-Virus des Typs C mehr Überlebenschancen.
Einige der „menscheigenen“ Viren sind direkt in Zellen eingebaut, andere bleiben autonom und stimulieren das Immunsystem. Diese natürliche Genmodifizierung erfolgt laut Wissenschaftlern in der Evolution ständig. Einige Virenarten passen sich an völlig andere Organismen an. Diese „Verwandten“, die verschiedene Arten infizieren können, werden als „divergent“ bezeichnet. Gerade dieses Phänomen liegt der Wirkung eines Impfstoffes zugrunde: die an den Menschen nicht angepassten Viren gefährlicher Krankheiten wirken mild auf das Immunsystem und machen es so mit dem jeweiligen Krankenerreger „bekannt“, wobei Antikörper erzeugt werden.
Laut Korowin schaffen das stürmische Wachstum der Erdbevölkerung (7,8 Milliarden im Jahr 2021) und die zunehmende Bewegungsgeschwindigkeit der Menschen nie dagewesene Bedingungen für die Entwicklung von Menschenviren. In Zukunft sollen die Virenvielfalt zunehmen und die Kenntnis darüber wachsen, wie die Viren zu Gunsten von Menschen genutzt werden können.
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