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„Ja, ich war noch nie Kanzlerin und Ministerin, aber...“: Kandidatin Baerbock gefeiert und abgelehnt

© AFP 2021 / ANNEGRET HILSEDie Co-Vorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, hält eine Rede während der Ankündigung ihrer Kanzlerkandidatur, den 19. April 2021
Die Co-Vorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, hält eine Rede während der Ankündigung ihrer Kanzlerkandidatur, den 19. April 2021 - SNA, 1920, 19.04.2021
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Es steht fest: Annalena Baerbock wird Kanzlerkandidatin von den Grünen – und ihre Anhängerschaft bricht im Netz im Jubel aus. Eventuelle Koalitionspartner senden entsprechende Signale. Was bedeutet das für die Zukunft Deutschlands?
In ihrer Rede nach der Nominierung als Kanzlerkandidatin sprach Annalena Baerbock viel über die Politik für „die Breite der Gesellschaft“ – und wusste ihre relativ mangelnde politische Erfahrung als Vorteil darzustellen. „Ja, ich war noch nie Kanzlerin, auch noch nie Ministerin. Ich trete an für Erneuerung. Für den Status quo stehen andere“, so ihre Kernbotschaft.
Ihre Kandidatur sei „ein Angebot, eine Einladung, unser vielfältiges, reiches, starkes Land in eine gute Zukunft zu führen“, wo alles funktioniere: Kitas, Pflege, Demokratie. Klimaschutz sei „die Aufgabe unserer Zeit“ und müsse als „Maßstab für eine neue Regierung“ das Fundament schaffen für künftigen Wohlstand, Freiheit und Sicherheit – nicht zuletzt für die Industrieabeiter, „damit wir alle gut leben können“.
Sie sei auch „zutiefst davon überzeugt, dass dieses Land einen Neuanfang braucht“, sagte Baerbock, deshalb trete sie für eine Politik, die sich etwas Neues traue, menschlich und empathisch bleibe. Dabei wusste sie Deutschland als Innovationsland hervorzuheben. „Wir haben das Auto erfunden und das Fahrrad“. Deutschland habe die Energiewelt revolutioniert und binnen kurzer Zeit einen Impfstoff entwickelt.
Nicht zuletzt zeigte sich Baerbock besorgt über die ausstehende Einigung zwischen Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU). Es sei angesichts der aktuellen Herausforderungen besorgniserregend, wenn eine Regierungspartei „eben in dieses Schwanken kommt“, bemängelte Baerbock mit Blick auf den Machtkampf in der Union. Der Skandal um Vorteilsnahme von Unions-Politikern bei der Beschaffung von Corona-Schutzmasken habe schon ohnehin Vertrauen beschädigt, merkte die Politikerin an. Die Grünen wollten da „einiges anders machen“.

Große Erwartungen von allen Seiten

Auf Twitter wissen die Grünen und Baerbock-Anhänger von der Nachricht zu profitieren.
„Wir haben eine hammerstarke #Kanzlerkandidatin!“, freut sich der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir. Im Gegensatz zur Union wüssten die Grünen schon, wer die Kandidatin sei, stichelte er noch.
Der Grünenabgeordnete im Europaparlament Sven Giegold nannte die 40-Jährige seinerseits als „eine echte Kümmerin“, die besonders nah an der Lebensrealität der Menschen sei.
Auch der FDP-Chef Christian Lindner freue sich auf den politischen Ideenaustausch im Wahlkampf mit Baerbock. „Jetzt fehlt nur noch die Union, damit es endlich um Inhalte geht: Nie gab es mehr zu tun“, schrieb Lindner.
„Herzlichen Glückwunsch, liebe @ABaerbock, und auf einen spannenden Wahlkampf!“, gratulierte seinerseits der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch. „Ja, Demokratie lebt vom Wechsel und Veränderungen sind notwendig. Dazu gehört, dass Schluss sein muss mit gebrochenen Wahlversprechen.“

Es mangelt aber nicht an Kritik

Die Klima-Bewegung „Fridays for Future“ nimmt die Nominierung Baerbocks zum Anlass, um inhaltliche Forderungen an die Grünen zu stellen. Die Bewegung will etwa wissen, warum die Partei keinen 1,5°C-Plan habe. Das Wahlprogramm hat für ihre Begriffe noch große Lücken beim CO2-Preis, bei Gas & im Verkehr.
Dem FDP-Politiker Gerhard Papke sei es „völlig egal“, ob Baerbock oder ihr Co-Vorsitzender Robert Habeck ins Kanzleramt einziehen würde. Die beiden würden in einer ideologischen Blase leben. Papke zeigt sich überzeugt: „Beide missachten elementare Werte, die Deutschland stark gemacht haben: Der Respekt vor Fleiß und Eigentum, wirtschaftliche Vernunft, die Liebe zum eigenen Land.“
Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bundestag, Alexander Gauland, erwartet seinerseits bei einer Regierung unter Führung der Grünen „eine Katastrophe“, die unter anderem zu „einer weiteren Zerstörung von Wohlstand, Innerer Sicherheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt“ führen würde.
Die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck bei einer Aktion von Fridays for Future in Hamburg am 21. Februar 2020.  - SNA, 1920, 15.01.2021
„Verkauft Menschen im Land für dumm“: SPD-Fraktionsvize attestiert Baerbock „grünen Populismus“
Nur die Bundes-SPD hat sich zum Thema noch nicht geäußert. Ihr Fraktionsvize, Sören Bartol, warf im Bundestag im Januar dieser Jahres Baerbock vor, „mit grünem Illusionismus die Menschen im Land für dumm zu verkaufen“. Es sei verantwortungslos, parallel aus Kohle und Atom auszusteigen und gleichzeitig alle Brückentechnologien abzulehnen, sagte Bartol damals mit Blick auf die Nord Stream 2-Debatte. In ihrem vorläufigen Wahlprogramm wollen die Grünen die Gaspipeline stoppen.
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