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„Versuch, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“: Experte zu Ausweisung russischer Diplomaten

© SNA / Eduard Erben / Zur BilddatenbankPrag
Prag - SNA, 1920, 19.04.2021
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Jan Schneider, der tschechische Sicherheitsexperte und frühere Chef des Geheimdienstrates der Regierung, hat sich im Interview mit SNA zu der Ausweisung von 18 russischen Diplomaten aus dem Land geäußert, die im Zusammenhang mit der Explosion in einem Munitionslager in der Ortschaft Vrbětice im Jahr 2014 stehen soll.
Dabei ist Schneider auch darauf eingegangen, dass Tschechiens Vizepremier Jan Hamáček am vergangenen Freitag seine Reise nach Moskau abgesagt hat, wo er über den russischen Corona-Impfstoff „Sputnik V“ verhandeln wollte.
– Hat die Ausweisung von russischen Diplomaten etwas mit der Absage des Besuchs von Hamáček in Moskau zu tun?
Meiner Meinung nach hat er sich bei der Ankündigung seiner Reise nach Moskau als Chef der Sozialdemokraten auf eine große Gruppe von Wählern orientiert, die mit der aktuellen Außenpolitik nicht zufrieden sind. Ich kann nicht ausschließen, dass es Kräfte in der Regierung gibt, die diese rationale Entscheidung von Hamáček als sehr gefährlich betrachteten: Sie hat ja durchaus erfolgreich gewesen sein können. Aus der Reaktion einiger Experten und Politiker geht hervor, dass sie „Sputnik V“ weiterhin im Auge behalten. Wenn all diese künstliche Hysterie nachlassen wird, wird sich herausstellen, dass dieser ganze Skandal nichts weiter als ein heftiger Wettbewerbskampf war, dessen Teilnehmer sich keine Sorgen um das menschliche Leben machen.
– Könnte die Ausweisung von russischen Diplomaten mit der Ausschreibung für den Bau eines neuen Kernkraftwerks Dukovany verbunden sein? Die Opposition und Geheimdienste sind gegen die Teilnahme der russischen Firma Rosatom an der Ausschreibung …
Aus meiner Sicht ist dies ein Versuch, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Den Lieferanten von „Sputnik V“ und zugleich den besten Kandidaten für den Bau eines neuen KKW Dukovany zu diskreditieren. Zu diesem Zweck wird eine antirussische Kampagne wiederbelebt, ähnlich wie bei der Vergiftung der Skripals. Und wer weiß, man wird sich auch an die malaysische Boeing (der Flug MH17 der Malaysia Airline war 2014 über der Ostukraine abgestürzt – Anm. d. Red.) erinnern. Diese beiden Fälle haben eines gemeinsam: Keiner von ihnen wurde untersucht, und die Sanktionen (gegen Russland – Anm. d. Red.) wurden unter Verstoß gegen alle Grundprinzipien der zivilisierten Welt, insbesondere gegen das Prinzip der Unschuldsvermutung, verhängt. Vor dreißig Jahren wollten wir Teil einer angeblich zivilisierteren Welt werden, aber wir sind vom Regen in die Traufe gekommen. Leider sind wir Teil einer buchstäblich barbarischen Welt geworden.
Hauptgebäude des russischen Außenministeriums in Moskau (Archivbild) - SNA, 1920, 19.04.2021
„Verrat an Staat und eigenen Bürgern“ – Außenamt zur Ausweisung russischer Diplomaten aus Tschechien
– Die Explosion im Munitionslager hatte sich im Jahr 2014 ereignet. Warum hat die Tschechische Republik sieben Jahre mit Anschuldigungen gewartet?
Ich weiß nicht, ob unsere Ermittler sieben Jahre gebraucht haben, um die Personen zu identifizieren, die in den Komplex in Vrbětice eingebrochen waren. Um ehrlich zu sein, glaube ich es nicht. Ich nehme das Gerede über die Datenüberprüfung als eine Legende, um den wahren Ursprung der Informationen zu verbergen. Es sollte auch beachtet werden, dass es in Vrbětice zwei Explosionen gab (die erste Explosion fand am 16. Oktober statt, die zweite am 3. Dezember – Anm. d. Red.). Stehen die russischen Geheimdienste auch hinter der zweiten Explosion? Oder bewahrt jemand Informationen für einen geeigneten Moment auf? Eine solche manipulative Untersuchung, zumindest durch die Wahl des Augenblicks, in dem das Thema wieder ins Spiel gebracht wird, diskreditiert sich selbst.

Prag weist russische Diplomaten aus

Am vergangenen Samstag kündigte Prag an, 18 russische Diplomaten auszuweisen. Den betroffenen Diplomaten wird vorgeworfen, sie würden für russische Geheimdienste arbeiten. Sie müssten innerhalb von 48 Stunden das Land verlassen. Konkret geht es um die Explosion in einem Munitionslager in der Ortschaft Vrbětice im Jahr 2014: Laut Premierminister Andrej Babiš werden russische Geheimdienste verdächtigt, dahinter zu stehen. Zudem hat die tschechische Polizei die russischen Bürger Alexander Petrow und Ruslan Boschirow zur Fahndung ausgeschrieben. London wirft ihnen vor, den ehemaligen GRU-Offizier Sergej Skripal und seine Tochter Julia im März 2018 vergiftet zu haben.
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