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Norwegischer Journalist: Putin spielte die „Sizilianische Verteidigung“

Schach - SNA, 1920, 18.04.2021
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Der norwegische Aktivist, Autor und Blogger Pål Steigan ist auf den jüngsten Verzicht der Ukraine auf eine gewaltsame Lösung des Konflikts im Donbass eingegangen. Der Publizist hat die Entscheidung auf ein entsprechendes Signal aus Washington zurückgeführt und die besondere Rolle der politischen Taktik des russischen Präsidenten hervorgehoben.
Der Autor verwies auf die jüngsten Vorbereitungen Kiews auf einen Krieg gegen die selbsterklärten Volksrepubliken Donezk und Lugansk: Artilleriebeschuss sei regelmäßig unternommen worden, der ukrainische Staatschef Wladimir Selenki habe die an die Front entsandten Truppen persönlich inspiziert und zudem das Dekret „Über die Strategie für die Deokkupierung und Wiedereingliederung des vorübergehend besetzten Gebietes der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol“ gebilligt, erinnerte er seine Leser.
„Kein Wunder, dass Russland und die abtrünnigen Republiken dies als eine Kriegserklärung betrachten“, schrieb er.
Allerdings habe inmitten der eskalierten Lage im Osten der Ukraine der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Ruslan Chomtschak, am 9. April überraschend verkünden lassen, eine gewaltsame Lösung des Konflikts sei angesichts der eventuellen massenhaften Verluste unter den Zivilisten für Kiew inakzeptabel. Auch der ukrainische Präsident Selenski habe an demselben Tag auf Facebook über den Waffenstillstand geschrieben.
Nach Ansicht des Verfassers des Artikels war es Washington, das Kiew angewiesen hat, seine militärische Rhetorik abzumildern. Die USA hätten ihrerseits ihre Pläne aufgegeben, neue Schiffe ins Schwarze Meer zu schicken, betonte er.
Russland habe inzwischen die Ukraine vor den Folgen eines Angriffs auf den Donbass gewarnt und ihr auch den militärischen Zugang zum Asowschen Meer verwehrt, indem es die Straße von Kertsch geschlossen habe, so Steigan. Außerdem habe Moskau Washington vor Versuchen gewarnt, sich den russischen Gewässern zu nähern, und das Vorgehen der USA als Provokation bezeichnet.
„Russland hat klargestellt, es ernst zu meinen“, schrieb der Publizist und verwies auf das unlogische Vorgehen des US-Präsidenten, der Putin zunächst einen „Mörder“ genannt und ihn später selbst angerufen habe.
Steigan berief sich auf eine Passage in der russischen Zeitung „Kommersant“, in der Bidens Telefonat mit Putin mit einer Eröffnung einer Schachpartie verglichen wurde:
„Mit seinem Telefonat mit Putin leitete Biden ein traditionelles politisches Schachspiel ein, das für die vorigen US-Administrationen im 21. Jahrhundert typisch gewesen war, indem er den Zug e2 – e4 machte“.
US-Präsident Joe Biden  - SNA, 1920, 17.04.2021
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Der russische Staatschef habe jedoch die Sondierungsversuche seines Amtskollegen von den Vereinigten Staaten verhindert und bewiesen, dass Moskau auf Tricks von Washington und der Nato vorbereitet sei:
„In Russland ist Schach nicht nur ein Brettspiel, sondern auch Politik. E2 – e4 ist eine übliche Eröffnung für Weiß. Der Königsbauer rückt zwei Felder vor. Die übliche Antwort von Schwarz ist die sogenannte Sizilianische Verteidigung: Ein Läuferbauer rückt zwei Felder vor. Das wird als ein dynamischer Zug angesehen, der viele Möglichkeiten für einen Gegenangriff schafft“, erläuterte Steigan.
„Und Putin spielte korrekt die Sizilianische Verteidigung, indem er sich nicht von Bidens trügerischem Sondieren täuschen ließ und zeigte, dass Russland auf alles vorbereitet ist, egal was die Vereinigten Staaten und die Nato erfinden könnten“, resümierte er.
Abschließend warnte Steigan davor, mit einem Rückzug vonseiten der USA zu rechnen: Vorläufig sehe es so aus, als ob die USA es nicht wagen würden, sich auf eine militärische Konfrontation mit einem gut vorbereiteten Russland einzulassen, aber man dürfte dies nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Die militärische Eskalation in der Nato geht weiter, und die Kriegspropaganda läuft rund um die Uhr, Tag für Tag“.

Biden-Putin-Telefonat

Bei einem Telefongespräch mit Putin am Dienstag hatte Biden vorgeschlagen, in den kommenden Wochen ein persönliches Gipfeltreffen in einem Drittland abzuhalten. Der US-Präsident zeigte sich besorgt über die verstärkte Präsenz der russischen Truppen auf der Krim und an der Grenze zur Ukraine und betonte das „unerschütterliche Engagement der Vereinigten Staaten zur Unterstützung der Souveränität und territorialen Integrität“ der Ukraine.
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Kanzler Kurz: Wien würde gerne Biden-Putin-Treffen ausrichten
Zwei Tage später kündigte Washington neue Sanktionen gegen Moskau und die Ausweisung von zehn Mitarbeiter der russischen diplomatischen Vertretung an. Die neuen Strafmaßnahmen verbieten zudem den US-Finanzinstituten, bei der Erstplatzierung russische Staatsanleihen nach dem 14. Juni zu erwerben.
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