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Das deutsche Solarauto „Sion“ will nun auch LKW und Busse erobern

© Foto : Sono MotorsDas deutsche Solarauto „Sion“ will nun auch LKW und Busse erobern
Das deutsche Solarauto „Sion“ will nun auch LKW und Busse erobern - SNA, 1920, 18.04.2021
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Mit dem Solar-Auto vom deutschen Unternehmen „Sono Motors“ können Kurzstrecken-Pendler theoretisch komplett mit Sonnenenergie fahren. Jetzt hat der Hersteller seine Technologie auch für andere Transportmittel geöffnet. SNA-News wollte mehr zum Solar-Auto aus Bayern und zum Potential der neuen Solarbedeckungen von Fahrzeugen wissen.
- Was macht „Sion“ besonders und welche Vor- und Nachteile bietet es im Vergleich zum Verbrennungsmotor und batteriebetriebenen Auto?
Der „Sion“ ist ein Solar-Elektroauto mit den niedrigsten Gesamtbetriebskosten in seiner Klasse zum voraussichtlichen Preis von 25.500 Euro inklusive Steuern in Deutschland. Der „Sion“ kann bis zu 245 Kilometer solare Reichweite zur Fahrzeugbatterie pro Woche hinzufügen, durchschnittlich sind das 112 Kilometer, die kostenlos und ohne CO2-Emissionen gefahren werden können. Dies deckt die durchschnittliche Pendlerstrecke von 16 Kilometer in deutschen Ballungsräumen ab. Dadurch muss der durchschnittliche Pendler seinen „Sion“ vier Mal weniger aufladen im Vergleich zum gleichen Fahrzeug ohne Solar. Das macht den „Sion“ unabhängiger von Ladestationen.
Der „Sion“ ist ein Baustein einer Mobilität der Zukunft, die auf fossile Brennstoffe verzichtet. Dafür müssen die Fahrzeuge nicht nur möglichst ressourcenschonend geladen, sondern auch möglichst effizient genutzt werden. Aus diesem Grund statten wir all unsere Fahrzeuge ab Werk mit der nötigen Software zum Teilen des Fahrzeugs aus. Durch die Verknüpfung des „Sion“ mit der hauseigenen „Sono-App“ können Fahrer ihren „Sion“, eine Fahrt und sogar Strom teilen. Die „Sono-App“ in Kombination mit unserem Ladesystem, das in beide Richtungen laden kann, erlaubt es ganz einfach die gespeicherte Energie des „Sion“ wieder abzugeben. Er wird zu einer mobilen Ladestation für Elektrogeräte und andere Elektrofahrzeuge, die mit einer Leistung von bis zu elf Kilowatt geladen werden können.
Mehr als 12.800 Menschen haben den „Sion“ mittlerweile vorbestellt und teilweise oder ganz bezahlt. Unsere Schätzungen gehen davon aus, dass die erste Generation des „Sion“ fast 20 Millionen Tonnen CO2-Emissionen einsparen könnte, basierend auf 260.000 Fahrzeugen, die über einen Zeitraum von sieben Jahren genutzt werden.
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- Wie funktioniert die Solarbedeckung des Fahrzeugs? Welchen Mehraufwand bedeutet sie in Produktion und Kosten?
Wir wollten ein Fahrzeug entwickeln, das ein Maximum an Energie von der Sonne erntet. Alle auf dem Markt erhältlichen Technologien basieren auf Glas-Photovoltaik, die es erlaubt, Solarzellen nur auf dem Dach zu integrieren. Aber um das ganze Jahr über das Maximum an Sonnenenergie zu ernten, reicht das Dach nicht aus, da die Sonne im Winter tiefer steht.
Um unsere Solartechnologie möglichst vollflächig zu integrieren, haben wir unsere Technologie selbst entwickelt und patentiert. Der Fertigungsprozess basiert auf dem Spritzgussverfahren, das einen sehr schnellen Herstellungsprozess, eine geringe Ausschussrate und komplexe Geometrien ermöglicht. So können wir eine flexible und nahtlose Integration der PV-Labels in die Karosseriebleche des Trägerfahrzeugs erreichen. Sie sind genauso robust wie herkömmliche Polymer-Karosseriebleche.
Dank unseres patentierten Herstellungsprozesses kostet die Solar-Integration nicht viel mehr als die herkömmlichen Polymer-Karosseriebleche, die sie ersetzt. Auch die Montage in der Serie findet, genau wie bei anderen Fahrzeugteilen, am Fließband statt. Am Ende machen sie weniger als zehn Prozent des Fahrzeugpreises aus und können mehr als 5000 Kilometer im Durchschnitt pro Jahr generieren.
- Ist die Beschichtung ressourcenintensiv und energieintensiv, wie umweltverträglich ist sie und von welcher Lebensdauer geht man bei ihr aus?
Unsere Bauteile sind letztlich herkömmliche Polymer-Karosserieverkleidungen mit darin eingebetteten Solarzellen. Die Lebensdauer der Photovoltaik-Module ist die gleiche wie die des Fahrzeugs, das heißt etwa zwölf Jahre. Als Polymer-Karosserieteile aus der Automobilindustrie sind sie vollständig recycelbar. Was Ressourcen betrifft, sind die Auswirkungen also sehr begrenzt. In Bezug auf die energetische Amortisationszeit, ab der mehr Solarenergie getankt wurde als im Herstellungsprozess aufgewendet wird, erwarten wir eine ähnliche Zahl wie bei flexiblen Photovoltaik-Modulen. Je nach Region beträgt diese anderthalb bis zwei Jahre. Das bedeutet, dass das Auto nach dieser Zeit mindestens zehn Jahre lang einen positiven Effekt auf den Planeten hat und keine zusätzliche Energiequelle für mehr als 5000 Kilometer pro Jahr benötigt. Außerdem werden wir unvermeidbare CO₂-Emissionen, die während des Herstellungsprozesses des „Sion“ entstehen, durch geeignete Klimaschutzprojekte kompensieren.
Bei kleinen Stößen sind Polymer-Karosserieteile flexibler als Metall-Karosserieteile und nehmen ihre Form wieder an. Wenn einige Solarzellen nach einem Stoß doch kaputtgehen sollten, funktioniert der Rest der Solarkarosserieelemente weiter. Sollte der Funktionalität beziehungsweise Reichweite durch den Schaden zu sehr eingeschränkt sein, kann das betroffene Modul natürlich auch ausgewechselt werden.
- Warum haben Sie die Technologie auch für andere Anwendungen wie LKW geöffnet? Welche Potentiale lassen sich hier abgreifen? Und gibt es schon aus den entsprechenden Branchen Interessebekundungen?
In nur einer Stunde liefert die Sonne genug Energie, um die gesamte Weltbevölkerung für ein Jahr mit Strom versorgen zu können. Dieses Potenzial müssen wir nutzen. Elektromobilität und Solartechnologie ebnen den Weg in eine klimafreundliche Mobilität. Unser neuartiges Herstellungsverfahren ermöglicht eine Integration von Solarzellen in die gesamte Karosserie eines Fahrzeugs.
Um unsere Vision einer Welt ohne fossile Energien zu verwirklichen, wollen wir unsere Technologie für die Integration auf so vielen Fahrzeugen wie möglich durch Lizenzierung zur Verfügung stellen. Vor kurzem haben wir eine Absichtserklärung mit dem französischen Unternehmen „Easy Mile“ unterzeichnet. Darüber hinaus haben wir mehrere Absichtserklärungen mit geschätzten europäischen Partnern aus den Bereichen Lkw-, Bahn- und Schiffstransport sowie eine Projektpartnerschaft mit dem finnischen Unternehmen „Valoe“ unterzeichnet.
- Ist die Technologie nur etwas für Kraftfahrzeuge? Oder gibt es auch andere Bereiche, in die sie vordringen könnte?
Unsere patentierte Solartechnologie kann zu einer Reihe komplexer Geometrien geformt werden, um eine nahtlose, flexible und leichte Lösung für das Aufladen von Solarstrom zu liefern. Die Bandbreite möglicher Anwendungen ist groß und reicht von Schiffen über Schienenfahrzeuge bis hin zu Straßenfahrzeugen unterschiedlicher Größen.
Mathieu Baudrit - SNA

Mathieu Baudrit ist Director der Photovoltaik Integration bei „Sono Motors“. Mathieu hat knapp zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Photovoltaik-Innovation, sowohl im akademischen Bereich als auch in der Industrie.

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