„Man kann schimpfen, dass das Vollidioten sind…”: Schauspielerin Tschirner über Querdenker

© AP Photo / Gero BreloerDie Schauspielerin Nora Tschirne
Die Schauspielerin Nora Tschirne - SNA, 1920, 16.04.2021
Die deutsche Schauspielerin Nora Tschirner (39) hat sich in einem Interview für die „Süddeutsche Zeitung Magazin“ (SZ-Magazin) zur Lebenssituation und gesellschaftlichen und psychologischen Stimmung während der Corona-Pandemie in Deutschland geäußert.
„Wir befinden uns in einem emotionalen Schnellkochtopf. Siehe Querdenker, die haben einfach eine fehlende Gefühlsverwaltung. Man kann schimpfen, dass das alles Vollidioten sind, die da demonstrieren gehen – aber man muss auch anerkennen: Wir leben jetzt schon sehr lange in einer Gesellschaft, die null Wert darauf legt zu lernen, wie Konflikte zu lösen sind, auch und vor allem innere. Wir alle haben dieses Knäuel entstehen lassen und mitgetragen und müssen es jetzt behutsam und besonnen wieder aufdröseln.“

Lügen, um Depressionen zu verbergen

Darüber hinaus hat die Schauspielerin über ihre eigene Depression gesprochen und erzählt, wie es ihr heute geht. Lange Zeit ahnte niemand, dass sie privat gegen den dunklen Schatten der Depression kämpfte. Jahrelang hielt Nora ihre psychischen Probleme geheim.
„Meine erste depressive Episode hatte ich schon mit 18, aber vor zehn Jahren kam der Tiefpunkt“, sagte die 39-Jährige dem „S-Z Magazin“. Als Symptome nannte sie Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Angst, Lustlosigkeit und Schlaflosigkeit.
Lange Zeit glaubte sie aber, dass sie eigentlich kein „Recht“ auf Depressionen habe: „Als privilegierte Person – Schauspielerin, Dach über dem Kopf, zwei gesunde Arme, zwei gesunde Beine – hatte ich das Gefühl, meine Probleme gar nicht haben zu dürfen.“ Genau darin sieht sie die große Gefahr der Krankheit: „Ich glaube, dass die Scham mehr Leute tötet als die Depression.“
Ein Bild zeigt eine Spritze mit dem Astrazeneca-Impfstoff, der zusammen mit der Universität Oxford entwickelt wurde. Symbolfoto - SNA, 1920, 07.04.2021
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Tschirner sah sich zum Lügen gezwungen, vor allem wollte sie beruflich nichts riskieren. Aus Angst, dass die Engagements ausblieben, füllte sie Fragebogen falsch aus: „Ich habe kategorisch gelogen, weil ich sonst keinen Job mehr bekommen hätte.“ Doch schließlich ging es ihr so schlecht, dass sie sich zurückziehen musste und therapieren ließ.
Ihre erste Therapie habe sie mit 25 Jahren gehabt. Jetzt ist sie symptomfrei. Sie weiß zwar, dass sie die Krankheit nicht hätte verhindern können, doch „wenn ich mich besser um mich gekümmert hätte, wäre ich so tief nicht gefallen.“
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