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„Schäferhund und Leitwolf“: Wie Söder bei „Maischberger“ durch seine Abwesenheit glänzte

© REUTERS / POOLBayerns Ministerpräsident Markus Söder
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder - SNA, 1920, 15.04.2021
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„Markus Söder konnte sein Wort nicht halten“ – so eröffnete Sandra Maischberger ihren TV-Talk am Mittwochabend. Erst am Morgen hatte Bayerns Ministerpräsident in der Annonce ihrer Sendung gestanden, im Laufe des Tages sprang er jedoch ab. Dennoch stand Söder fast während der ganzen Sendung im Mittelpunkt. Ein spannendes Gerücht kam noch hinzu.
CSU-Vizechefin Dorothee Bär, eine 42-jährige Brünette ganz in Rot, sprang am Mittwochabend in der ARD-Sendung „Maischberger“ für ihren Chef kurzfristig ein. Sie sollte aber, im Unterschied zu Söder, nicht von Sandra Maischberger exclusiv interviewt werden, sondern mit der zugeschalteten Serap Güler duellieren – einer 40-jährigen CDU-Vorstandsfunktionärin, die sich logischerweise für den Parteichef Armin Laschet einsetzte. Denn es ging schließlich um die „K-Frage“ und damit um das Thema, das den Dauerbrenner Corona in den letzten Tagen in die hintere Reihe der Medienberichterstattung verdrängt hatte.

Söders Wortbruch

Die Talkmasterin war durch die plötzliche Absage ihres Stargastes offenbar verärgert und blieb als Duell-Sekundantin zunächst bei ihrem Vorwurf: Söder sei ein Wortbrecher. Dazu hatte sie auch einen kurzen Einspieler parat, in dem Bayerns Ministerpräsident devot erklärte: Die Meinung der „großen Schwester“ CDU, wer der Kanzlerkandidat sein soll, sei für ihn und die CSU „ein ganz klares Signal, das werden wir auch akzeptieren“. „Ein Wortbruch“ – konstatierte die Moderatorin.
Frau Bär erwiderte, ihr Chef sei falsch verstanden worden: Er habe nicht den CDU-Vorstand gemeint, der hinter Laschet steht, sondern „die Parteibasis“. In einer Sitzung der Bundestagsfraktion der Union „haben sich zwei Drittel der Abgeordneten für Markus Söder ausgesprochen“, behauptete sie. „Das kann man doch nicht ignorieren!“
Was ist aber diese „Basis“ und wie ließe sich die Meinung der Parteibasis ermitteln? „Es gibt nicht die eine Basis!“, erwiderte Güler. Bärs Argument, all die Umfragen, laut denen eine große Mehrheit Söder als Kanzlerkandidat vorziehen würde, war für die CDU-Politikerin nicht akzeptabel.
„Ich glaube, dass wir einen guten Wahlkampf führen, wenn wir uns schnell einigen, und zwar, ohne dass die kleinere Schwester meint, die größere übertrumpfen zu wollen!“, betonte sie. Dass Bayerns Ministerpräsident bei allen Umfragen in der Tat wesentlich besser abschneidet als der CDU-Chef – darauf ging Güler gar nicht ein. Stattdessen wechselte sie den Blickwinkel auf den CDU-CSU-Streit auf eine ziemlich demagogische Weise:

„Was sagen denn die Menschen, deren Angehörige auf den Intensivstationen liegen? Was sagen denn die Gastronomen, die Pflegerinnen und Pfleger, die Schülerinnen und Schüler, die Eltern, die Familien, die gerade vor großen Herausforderungen stehen, wenn sich die einzige Volkspartei der Nation tagelang mit diesem Thema beschäftigt?“

Bei dem Duell schien Maischberger ziemlich klar durchzublicken, auf wessen Seite sie steht. Daraus ergab sich auch ihre Frage an die CSU-Politikerin:
„Ist es Markus Söder eigentlich egal, dass er mit dem, was gerade passiert, einen Parteivorsitzenden Armin Laschet demontiert?“
„Mich interessiert, dass wir es schaffen, nach 16 Jahren Angela Merkel auch wieder eine Bundestagswahl zu gewinnen!“, erwiderte Dorothee Bär.
Sinngemäß: Der Kollateralschaden sei egal. À la guerre comme à la guerre.
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Ein “schmutziges Spiel” oder “ein erwünschtes Verfahren“?

Interessanterweise spaltete sich die Einschätzung des Geplänkels zwischen den Unionsparteien bei den „Maischberger“-Studiogästen strikt gendermäßig. Während die ARD-Journalistin Anja Kohl und ihre Kollegin von der „Süddeutschen Zeitung“ Cestin Gammelin den Streit um die „K-Frage“ als „schmutziges Spiel“ und „völlig überdrehten Machtkampf“ bewerteten, meinte der Publizist Wolfram Weimer, diese Auseinandersetzung sei „ein erwünschtes Verfahren in der Demokratie“. Nicht viel anders laufe es bei den Vorrunden-Wahlen innerhalb ein und derselben Partei in Amerika, bei denen etwa Joe Biden und Kamala Harris zunächst einen Vernichtungskampf gegeneinander geführt hatten und wenig später ein Führungsgespann bildeten. Sinngemäß: „Von den USA lernen heißt siegen lernen.“
Von den politischen Vergleichen gingen die Studiogäste ziemlich unvermittelt zu Assoziationen aus der Tierwelt über, die in ethischer Hinsicht wohl nicht ganz tadellos klangen. So äußerte sich Frau Gammelin in bezug auf Söders Machtinstinkt wie folgt:

„Sobald ein Hund eine Wurst in Riech- und Sehweite hat, kann er nicht mehr anders als zuzuschnappen. Ich finde, das ist ein sehr schöner Vergleich.“

Weimer meinte, dass die Union „wahrscheinlich die beiden braucht: Sie braucht den Schäferhund und sie braucht den Leitwolf“ – womit eben Laschet beziehungsweise Söder gemeint waren.

Das spannende Gerücht

Der „The European“-Herausgeber Weimer war auch derjenige, der ein spannendes Gerücht in die Diskussionsrunde warf:

„Wir haben uns ein bisschen rumgehört und hören, dass Annalena Baerbock am Montag zur Kanzlerkandidatin der Grünen ausgerufen wird.“

Sollte sich das Gerücht bewahrheiten, muss wohl mit Spannung erwartet werden, mit welchem Tier die Grünen-Kandidatin verglichen wird. Und natürlich würde dann Baerbocks neue Rolle genügend Stoff für Spekulationen und Kommentare liefern, so dass die Pandemie voraussichtlich nicht mehr die Schlagzeilen dominiert.
Hinzuzufügen bleibt, dass in der Schlusssequenz der Sendung der omnipräsente SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach mit Hiobsbotschaften in puncto Pandemie aufwartete und inbrünstig für Ausgangssperren plädierte. Wirklich überraschend und spannend wirkte das eben nicht.
Armin Laschet, seit dem 22. Januar 2021 der neunte Bundesvorsitzende der CDU seit ihrer Gründung. Berlin 12. April 2021 - SNA, 1920, 14.04.2021
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