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Studie: Private Überschuldung in Deutschland durch Corona gestiegen

© CC0 / Lutz Peter / PixabayAltmaier: „Magische 40-Prozent-Grenze“ bei Lohnnebenkosten nicht überschreiten
Altmaier: „Magische 40-Prozent-Grenze“ bei Lohnnebenkosten nicht überschreiten - SNA, 1920, 15.04.2021
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Die Covid-19-Pandemie hat negative finanzielle Auswirkungen auf zahlreiche Menschen in Deutschland, so das Ergebnis einer Studie. Immer mehr private Haushalte sind überschuldet. Welche Empfehlungen ergeben sich daraus für die Politik?
Bereits vor der Corona-Pandemie war die private Überschuldung in Deutschland ein großes sozialpolitisches Problem und längst kein Randphänomen mehr. Trotzdem gibt es jenseits der Zahlen der Auskunftei „Creditreform“, nach deren Angaben 2019 6,9 Millionen Personen in Deutschland überschuldet waren, kaum realen Einblick in das Überschuldungsgeschehen.
Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hat daher ein Team von Wissenschaftlern beauftragt, das Ausmaß privater Überschuldung in Deutschland empirisch belastbar zu untersuchen, die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu ermitteln und aus den Ergebnissen politische Empfehlungen abzuleiten.

Immer mehr Privathaushalte überschuldet

Die Ergebnisse machen deutlich: In Folge der Pandemie nimmt die Zahl überschuldeter Privathaushalte weiter zu und bestehende soziale Ungleichheiten werden verschärft. Bereits verwundbare Personen ohne Rücklagen geraten immer stärker unter Druck, zudem laufen neue Personengruppen Gefahr, in die Überschuldung zu geraten. Hiervon besonders betroffen sind prekär Beschäftigte, Selbstständige und Menschen in Ausbildung. Da für diese Gruppen die staatlichen Unterstützungsleistungen nicht passgenau sind und notwenige Beratungsangebote oft nicht in ausreichendem Maß verfügbar sind, besteht hier der größte Handlungsbedarf.

Corona hat die Krise für die Prekären verschärft

Die Ergebnisse zeigen, dass die Covid-19-Pandemie negative finanzielle Auswirkungen auf zahlreiche Menschen hat. Eine finanzielle Überforderung vieler Menschen ist bereits jetzt nachweisbar und wird in Zukunft voraussichtlich für eine erhebliche Anzahl an Menschen verschärft, heißt es in der Studie, die das Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) und die GP Forschungsgruppe im Auftrag der FES durchgeführt haben.
In einer deutschlandweiten Umfrage im Rahmen der Studie gaben 29,5 Prozent der Befragten an, dass sich ihre finanzielle Situation etwas oder erheblich verschlechtert hat. Dabei hatten gerade Personen mit geringem Monatseinkommen finanzielle Einbußen aufgrund der Covid-19-Pandemie zu verzeichnen.
Ganze 31 Prozent mussten auf ihre Ersparnisse zurückgreifen. Beunruhigend ist hierbei, dass von diesen Personen 40 Prozent angaben, ihre Ersparnisse im Oktober 2020 bereits weitestgehend aufgebraucht zu haben. Etwas mehr als elf Prozent gaben an gar keine Ersparnisse zu haben, auf die sie zurückgreifen könnten. Von den bundesweit Befragten gaben außerdem 28,7 Prozent an, sich starke oder sehr starke Sorgen um zukünftige Zahlungsrückstände zu machen.

Schuldnerberatungsstellen oft nicht zuständig und schlecht ausgestattet

Die Forscher kritisieren außerdem konkret die Zuständigkeiten und die Ausstattung der Schuldnerberatungsstellen:

„(…) dass insbesondere Gruppen, die in hohem Maße auf Unterstützung angewiesen wären, Schwierigkeiten haben, die Leistungen der Schuldnerberatungen in Anspruch zu nehmen. Das gilt besonders für (Klein)Selbstständige. Der Grund hierfür ist, dass (ehemalig) Selbstständige bei den meisten Schuldnerberatungsstellen von der Beratung ausgeschlossen werden. (…)“

Die prekäre Finanzierung vieler Schuldnerberatungs-Stellen führe dazu, dass kaum kurzfristig auf die Krise reagiert werden kann. Maßnahmen wie die Aufstockung von Stellen, Anpassung der oder auch Investitionen in EDV seien mangels finanzieller Ressourcen nicht umsetzbar. Verschärft wird diese Situation vor allem bei Schuldnerberatungen, deren Finanzierung von der individuellen Beratungsleistung abhängt, heißt es in der Studie.

Welche Empfehlungen leiten die Forscher für die Politik ab?

Um den drohenden Anstieg der Überschuldungszahlen von bisher bereits verwundbaren und neuen Personengruppen abzuwenden, werden folgende zentrale Empfehlungen formuliert:
Das Kurzarbeitergeld sollte mit einem Mindestbetrag versehen werden und auch für nicht-sozialversicherungspflichtig Beschäftigte wie Minijobber und prekär Beschäftigte Anwendung finden. Überbrückungsmaßnahmen für Selbstständige müssen flexibler gestaltet werden, um Selbstständige liquide zu halten. Die Maßnahmen sollten passgenau an den Bedürfnissen der individuell Bedürftigen ausgerichtet werden.
Außerdem wird empfohlen, die Angebote und die Ausstattung der Schuldnerberatungsstellen zu erweitern. Die privaten Überschuldungszahlen sollten möglichst jährlich von einer zuständigen Behörde überprüft und eingeschätzt werden, um gegebenenfalls mit Maßnahmen reagieren zu können, heißt es abschließend in den Empfehlungen der Studie.
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