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Moskauer Gespräch: Kann das Gesundheitssystem mehr leisten?

© SNA / Ilja PitaljowÄrzte in der Notaufnahme für Corona-Patienten in einem russischen Krankenhaus (Symbolfoto)
Ärzte in der Notaufnahme für Corona-Patienten in einem russischen Krankenhaus (Symbolfoto) - SNA, 1920, 15.04.2021
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Bereits seit mehr als einem Jahr kämpfen unterschiedliche nationale Gesundheitssysteme gegen die weltweite Coronavirus-Pandemie. Bei einer Online-Diskussion im Rahmen der „Moskauer Gespräche“ haben deutsche und russische Experten thematisiert, wie verschiedenste Gesundheitssysteme schon länger an grundlegenden chronischen Mängeln leiden.
Beim „Moskauer Gespräch“ wurden diesmal russische und deutsche Gesundheitssysteme verglichen. Die Frage lautete, ob das Gesundheitssystem heute etwas mehr leisten kann und ob es auf neue Pandemien vorbereit ist.
„Beide Länder können da viel voneinander lernen und profitieren, ganz unabhängig von den Misstönen, die es ansonsten in diesem Verhältnis geben mag. Man kann in einen wirklichen Austausch kommen“, wie Dr. Susanne Johna, Vorsitzende des Bundesvorstandes Marburger Bund und Oberärztin für Krankenhaushygiene des St. Josefs-Hospital Rheingau, meint.
Während der Pandemie gaben die Ärzt*innen und Krankenpfleger*innen ihr Bestes, um trotz Corona für alle eine gute medizinische Versorgung zu gewährleisten. Die Zahl der Erkrankten wuchs jedoch so schnell, dass das medizinische Personal häufig knapp war. Es gab Missstände, die die Corona-Pandemie in den Fokus gerückt hat.
„Patientinnen und Patienten geben besonders häufig im Krankenhaus die Rückmeldung, dass sie das Gefühl haben, das Personal habe zu wenig Zeit für sie. Insgesamt sind in Deutschland doch die Patienten zufrieden mit dem Gesundheitswesen, diese Zufriedenheit ist während der Pandemie noch angestiegen in Umfragen. Das ist erstmals erfreulich, aber nichtsdestotrotz, wir brauchen die Verbesserung gerade im Bereich der Pflege“, so Dr. Susanne Johna.
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Das Thema der Pflegekräfte sei seit Jahren thematisiert, das habe nichts mit der Corona-Pandemie zu tun, meint Knut Lambertin, Referatsleiter Gesundheitspolitik/ Krankenversicherung beim Deutschen Gewerkschaftsbund, Vorsitzender des Aufsichtsrates des AOK. „Zigtausende Pflegestellen wurden abgebaut, das hat dann seine Auswirkung in der Versorgung. Wir haben ein großes Problem, die entsprechenden Fachkräfte zu finden, und müssen uns Gedanken darüber machen, wie denn tatsächlich eine Aufwertung der Pflegeberufe stattfinden kann.“
In Russland wurde vor der Pandemie im Rahmen der Optimierung die Anzahl des medizinischen Personals auch reduziert. Um mit den zukünftigen Pandemien erfolgreich fertig zu werden, sollte auf Prävention gesetzt werden, ist sich Andrej Konowal, Co-Vorsitzender der Interregionalen Gewerkschaft für Gesundheitspersonal Aktion, Moskau, sicher.
„Was die Profilaxe angeht, so müssen wir hart arbeiten. Es gibt eine Verpflichtung, dass in der Altersgruppe von Erwachsenen die Menschen unbedingt der Fürsorge unterzogen werden mussten. Aber wir haben Personalmangel, und was die Diagnostik angeht, so sind hier die Kapazitäten bei weitem nicht gut. Unsere staatlichen Behörden mögen es, sehr teuere Diagnostikzentren zu bauen. Aber es wäre viel richtiger und preiswerter und auch zugunsten von Gesundheit und Leben von Menschen, die Krankheit im Frühstadium zu entdecken, ohne dass man diese hochtechnische medizinische Ausrüstungen braucht. Die Ärzte haben eine enorme Arbeitsbelastung, insbesondere im Winter und Frühling. Ein Kinderarzt muss beispielsweise für die Behandlung eines Kindes drei bis fünf Minuten einräumen, um mehr Kinder behandeln zu können. Was kann er in dieser Zeit machen? Also, wir müssen tatsächlich ein System der Profilaxe aufstellen, es verstärken und das entsprechende Personal dafür finden.“
Um das Gesundheitswesen für die Zukunft zu rüsten, scheinen richtungsweisende Entscheidungen erforderlich. Digitalisierung kann dabei eine bedeutende Rolle spielen. Doch es gibt diesbezüglich Kritik, beispielsweise in Russland, es gebe sehr wenig Datenschutz. Außerdem ist es nicht immer möglich, schnell auf Digitalisierung umzusteigen.
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„Wir sind in einer Situation, dass sehr schnell eine elektronische Patientenakte eingerichtet werden muss durch die gesetzlichen Krankenkassen. Aber wir müssen feststellen, dass die Krankenhäuser noch gar nicht in der Lage sind, diese elektronischen Patientenakte zu füllen. Ob es fünf oder zehn Prozent der Ärzte und Krankenhäuser sind, die da inzwischen was einstellen können, jedenfalls ist es nicht befriedigend. Beim Thema Digitalisierung geht es vor allem um die bessere Versorgung. Natürlich würde eine elektronische Patientenakte, wo eine Medikation verzeichnet ist, wo vorherige Behandlungen fixiert sind, die Behandlung des Patienten sicherer machen als bisher“, merkte Knut Lambertin an.
Dr. Susanne Johna erkannte die Tatsache, dass der deutsche Gesundheitsdienst ein Defizit in der Digitalisierung hat. Es sei etwas, was man in dem deutschen Gesundheitssystem noch deutlich verbessern könne, damit diese Investition nicht nur Geld künftig einsparen würde, sondern auch insgesamt die Gesundheit der Bevölkerung und die Lebensqualität verbessern würden, betonte die Gesundheitsökonomin. „Wir wollen mit der Digitalisierung vorankommen und stellen bei der jetzigen Pandemie fest, dass wir gerade in dem öffentlichen Gesundheitsdienst jetzt zwar vorankommen, aber eigentlich schon so weit hätten sein sollen zu dem Zeitpunkt, als es losging.“
Die Veranstaltung im Rahmen der „Moskauer Gespräche“ wurde vom Deutsch-Russischen Forum organisiert.
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