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Truppenabzug aus Afghanistan: Wehrbeauftragte fordert „ehrliche Bilanz“ des Bundeswehreinsatzes

© AFP 2022 / MICHAEL KAPPELERBundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archivbild)
Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archivbild) - SNA, 1920, 15.04.2021
Angesichts des bevorstehenden Abzugs der Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan noch in diesem Jahr hat die Wehrbeauftragte des Bundestages Eva Högl (SPD) eine ehrliche Bilanz des Bundeswehreinsatzes gefordert. Für den Grünen-Außenexperte Jürgen Trittin ist die Bilanz des Einsatzes im Hindukusch gemischt ausgefallen.
„Ich erwarte, dass es nach dem Abzug eine kritische, ehrliche und möglichst unabhängige Bilanz zum Einsatz in Afghanistan gibt“, sagte die SPD-Politikern gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag). Die Analyse sei auch wichtig für alle weiteren Auslandseinsätze, damit aus Fehlern gelernt werden könne.
Außerdem lobte sie das abgestimmte Handeln von Washington und dem Nordatlantischen Bündnis bei der Planung des Abzugs: „Es ist gut, dass Präsident Biden den Abzug aus Afghanistan mit der Nato gemeinsam plant“, sagte sie. Bis dahin und beim Abzug müsse die Sicherheit der Soldaten „höchste Priorität“ haben.

Bund Deutscher Einsatzveteranen: Ziel des Einsatzes nicht erfüllt

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Einsatzveteranen, Bernhard Drescher, sah den Sinn des Afghanistan-Einsatzes nicht erfüllt. „Zehntausende Soldatinnen und Soldaten haben mit schmutzigen Stiefeln, Waffe in der Hand sowie sich zwischen Minen, Beschuss und Hinterhalt bewegend ‚die Freiheit Deutschlands am Hindukusch‘ tapfer verteidigt“, sagte er dem RND. „Gleichzeitig haben diese, oftmals jahrelang, auf ihr eigenes soziales Leben in der Heimat verzichtet. Was bleibt ist ein bitterer Nachgeschmack bei den Hinterbliebenen unserer Gefallenen sowie bei den körperlich und seelisch Verwundeten.“ Denn die Antwort auf die Frage des „Wofür“ bleibe bei einem Abzug ohne Erreichen des Ziels „endgültig offen“.

Trittin: Keine tragfähigen staatlichen Strukturen aufgebaut

Auch der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin stimmte ihm zu: Es sei nicht gelungen, „tragfähige staatliche Strukturen“ aufzubauen, sagte er der „Saarbrücker Zeitung“ (Donnerstag). Es sei auch nicht erreicht worden, dass „das Land ohne die Taliban regiert wird“. Allerdings sei die terroristische Bedrohung des Westens abgewendet worden, „denn die Taliban haben mittlerweile begriffen, dass sie ihre eigene Herrschaft gefährden, wenn sie sich mit den USA und Europa anlegen“. Von der Bundesregierung forderte Trittin, den Truppenabzug „so schnell wie möglich“ einzuleiten.
Am Ort eines Terroranschlags in Kabul (Archivbild) - SNA, 1920, 14.04.2021
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Deutlicher Anstieg von zivilen Opfern im Afghanistan-Konflikt – Nato-Abzug verfrüht?

USA und Nato läuten Ende von Afghanistan-Einsatz ein

20 Jahre nach Beginn des Afghanistan-Kriegs läuten die USA und ihre Nato-Partner, darunter Deutschland, das Ende des Militäreinsatzes am Hindukusch ein. Am Mittwoch kündigte US-Präsident Joe Biden in einer Rede in Washington den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan an, der am 1. Mai beginnen und bis spätestens zum 11. September abgeschlossen werden soll.
Die Nato erklärte, es gebe in Afghanistan keine militärische Lösung. Innerhalb von wenigen Monaten sollen alle ausländischen Soldaten abgerückt sein. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte in der ARD, sie stehe für einen geordneten Abzug. „Wir haben immer gesagt, wir gehen gemeinsam rein, wir gehen gemeinsam raus“, äußerte sie.
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