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Ausstellung über die deutsch-baltische Adelsfamilie von Essen, die seit Peter I. Russland diente

© Foto : FamilienarchivAdelswappen von Essen
Adelswappen von Essen - SNA, 1920, 15.04.2021
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Admiral Nikolai von Essen, der Oberbefehlshaber der Baltischen Flotte im Ersten Weltkrieg, rettete die damalige Hauptstadt Petersburg vor der Zerstörung, indem er das deutsche Küstengewässer mit Minen verstopfte und dadurch die starke Kaiserliche Kriegsmarine lahmlegte, die sonst die Stadt unter direkten Beschuss genommen hätte.
„Meine Vorfahren stammten aus einer typischen Ritterfamilie“, so Nikolai von Essen, Deutschlehrer an einer Moskauer Schule, der im Museum der russischen Marine eine Ausstellung über seine berühmte Seefahrerfamilie und das gesamte altadelige Geschlecht organisiert hat. „Aus Westfalen siedelten die von Essen im 16. Jahrhundert ins Baltikum über, wobei sie Güter in Kurland, Livland und auf der Insel Ösel erwarben.“
Erstmals werden die von Essen im Zeitalter der großen geografischen Entdeckungen erwähnt. Der Name Alexander von Essen steht auf einem Grabstein in einer der ältesten Kirchen von Tallinn. Viele junge Adlige von damals dienten als Reitergardisten. Die erste militärische Ausbildung hat Alexander in Holland genossen, das für seine Kriegskunst berühmt war. Dann ging er nach Italien und Spanien und kehrte ins Baltikum zurück, wo er unter dem polnischen König gegen die Türken kämpfte. Anschließend nahm er schwedische Dienste an, wurde zum General befördert und zum estländischen Landrat ernannt.
Mitte des 17. Jahrhunderts kommt Alexander von Essen als Gesandter des schwedischen Königs nach Moskau. Während des Großen Nordischen Krieges schwören die von Essen, wie viele baltische Deutsche, Peter dem Großen die Treue. Und damit begann ihre russische Geschichte. Nach der Angliederung des Baltikums an Russland wurden gerade die Deutschen massenhaft Untertanen des russischen Zarenreiches. Einer von ihnen war Reinhold Wilhelm von Essen, ein unmittelbarer Vorfahre des Admirals Nikolai von Essen.

Anfänge der berühmten Seefahrerfamilie

© Foto : Eesti RahvusarhiivGrabstein von Alexander von Essen in der Nikolaikirche (Niguliste)
Grabstein von Alexander von Essen in der Nikolaikirche (Niguliste) - SNA
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Grabstein von Alexander von Essen in der Nikolaikirche (Niguliste)
© Foto : Nikolai von EssenReinhold Wilhelm von Essen. Zeichnung von Nikolai von Essen
Reinhold Wilhelm von Essen. Zeichnung von Nikolai von Essen - SNA
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Reinhold Wilhelm von Essen. Zeichnung von Nikolai von Essen
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Grabstein von Alexander von Essen in der Nikolaikirche (Niguliste)
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Reinhold Wilhelm von Essen. Zeichnung von Nikolai von Essen
Der ältere Bruder von Reinhold Wilhelm, Gustav Johann, war der erste Seemann, noch unter Peter I. Er diente bei der damals aufstrebenden russischen Marine und bewährte sich gut. Dann trat er in den Zivildienst und wurde zum Vizepräsidenten des Staatskontors (Finanzministeriums). Dort wurden besonders vertrauenswürdige Personen eingesetzt. Der Vater des Admirals von Essen, Otto Wilhelm, war Staatssekretär unter Zar Alexander II. und stellvertretender Justizminister, der vieles zu den Reformen in Russland beitrug. Er genoss das Recht, dem Zaren ohne vorherige Anmeldung Bericht zu erstatten, was nicht einmal dem Minister vergönnt war.

Der fähigste russische Flottenführer Admiral Nikolai von Essen

© Foto : Nikolai von EssenAuszeichnungen von Admiral Nikolai von Essen: links Orden der Heiligen Anna der II. Klasse, rechts Orden des Heiligen Stanislaus der II. Klasse, unten Abzeichen „Gefolge von Kaiser Nikolaus II.“
Auszeichnungen von Admiral Nikolai von Essen: links Orden der Heiligen Anna der II. Klasse, rechts Orden des Heiligen Stanislaus der II. Klasse, unten Abzeichen „Gefolge von Kaiser Nikolaus II.“ - SNA, 1920, 15.04.2021
Auszeichnungen von Admiral Nikolai von Essen: links Orden der Heiligen Anna der II. Klasse, rechts Orden des Heiligen Stanislaus der II. Klasse, unten Abzeichen „Gefolge von Kaiser Nikolaus II.“
Der zweite Zweig des Geschlechts lieferte also Juristen und Rechtswissenschaftler. Sein ältester Sohn, Nikolai, geboren 1860, weigerte sich aber, die juristische Laufbahn einzuschlagen. Während eines der russisch-türkischen Kriege erlebte das russische Nationalbewusstsein einen starken Aufschwung. Besonders gefeiert wurden die Seehelden. Darum gingen viele junge Leute an die Marineschule. Zu ihnen gehörte auch Nikolai von Essen.
Es sind viele Ansichtskarten mit Schiffen erhalten geblieben, die unter seinem Kommando standen, insbesondere mit dem Kreuzer „Nowik“, dessen Kommando er 1903 im Rang eines Fregattenkapitäns übernommen hatte und der während des russisch-japanischen Krieges eingesetzt wurde. Im Februar 1904 wurde ihm der Goldene Ehrensäbel für Tapferkeit verliehen, nachdem er mit seinem leicht gepanzerten Kreuzer gegen das gesamte japanische Geschwader ausgezogen war. Der Statthalter des Zaren Admiral Alexejew rügte zunächst seine selbstmörderische Kühnheit, dann wurde er aber als Held und bester Marineoffizier gefeiert und bekam das große gepanzerte Linienschiff „Sewastopol“.
Am Vorabend des Ersten Weltkrieges wurde er, inzwischen als Admiral, ungeachtet seines deutschen Nachnamens zum Befehlshaber der Baltischen Flotte ernannt, weil er damals als der fähigste russische Flottenführer galt. Während einige Russlanddeutsche angesichts der um sich greifenden Germanophobie ihre Familiennamen durch russische ersetzten, sodass etwa ein Kerber zu Korvin wurde und Peters sich in Kamenew verwandelte, unterschrieb Nikolai von Essen würdevoll seine Befehle mit seinem vollen Namen und betonte dies ausdrücklich. „Zum Vaterland gehört nämlich nicht nur der heimatliche Boden, sondern auch die Vorfahren“, bemerkt sein Urgroßneffe.

Name des Admirals rettete das Leben seines Bruders

© Foto : Nikolai von EssenAuszeichnungen von Admiral Nikolai von Essen: links Orden der Heiligen Anna der II. Klasse, rechts Orden des Heiligen Stanislaus der II. Klasse, unten Abzeichen „Gefolge von Kaiser Nikolaus II.“
Auszeichnungen von Admiral Nikolai von Essen: links Orden der Heiligen Anna der II. Klasse, rechts Orden des Heiligen Stanislaus der II. Klasse, unten Abzeichen „Gefolge von Kaiser Nikolaus II.“ - SNA
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Auszeichnungen von Admiral Nikolai von Essen: links Orden der Heiligen Anna der II. Klasse, rechts Orden des Heiligen Stanislaus der II. Klasse, unten Abzeichen „Gefolge von Kaiser Nikolaus II.“
© Foto : FamilienarchivNikolai von Essen führt die Kadeten durch die Ausstellung
Nikolai von Essen führt die Kadeten durch die Ausstellung - SNA
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Nikolai von Essen führt die Kadeten durch die Ausstellung
© Foto : Nikolai von EssenFregatte „Admiral Essen“
Fregatte „Admiral Essen“ - SNA
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Fregatte „Admiral Essen“
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Auszeichnungen von Admiral Nikolai von Essen: links Orden der Heiligen Anna der II. Klasse, rechts Orden des Heiligen Stanislaus der II. Klasse, unten Abzeichen „Gefolge von Kaiser Nikolaus II.“
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Nikolai von Essen führt die Kadeten durch die Ausstellung
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Fregatte „Admiral Essen“
Es sei erwähnt, dass der Admiral in der Baltischen Flotte hochverehrt wurde. Sein Ansehen rettete einmal das Leben seines Bruders, der nach der Revolution von einem Marinesoldaten verhört wurde. Als dieser erfuhr, dass er einen Bruder des Admirals vor sich hatte, ließ er ihn gehen. Allerdings lebte Nikolai von Essen selbst nicht mehr. Indem er sich ganz seiner Sache hingab, achtete er wenig auf seine Gesundheit. Bei einer Seefahrt hatte er sich eine schwere Erkältung zugezogen und eine kruppöse Lungenentzündung warf ihn nieder. Am 7. (20.) Mai 1915 starb Admiral von Essen.
Nach Meinung seines Großneffen wäre er kaum in den Dienst der Bolschewiki getreten, da er stets dem Zaren treu blieb. In allen Einheiten, die er befehligte, herrschte der Geist der Eidestreue. Als es 1905–06 in der Marine zu Unruhen kam, war die von ihm angeführte Besatzung die Einzige, die sich an ihren Eid hielt und von den Bolschewiki nicht beeinflusst wurde.
2014 lief die mit Raketenkomplexen „Kalibr-NK“ ausgerüstete Fregatte „Admiral Essen“, die zur Schwarzmeerflotte Russlands zählt, vom Stapel. Das Schiff hat eine Wasserverdrängung von etwa 4.000 Tonnen und kann 30 Tage ohne Unterbrechung auf See bleiben. Ende Juni 2017 griff die „Admiral Essen“ vom Mittelmeer aus Stellungen der Terrormiliz IS in Syrien mit Kalibr-Marschflugkörpern an.

Der kühne Marineflieger Raimond von Essen

© Foto : Nikolai von EssenLuftangriff auf die türkische Küste Zonguldak des Flugbootes M-5 von Raimond von Essen. Zeichnung von Mark Schub
Luftangriff auf die türkische Küste Zonguldak des Flugbootes M-5 von Raimond von Essen. Zeichnung von Mark Schub - SNA
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Luftangriff auf die türkische Küste Zonguldak des Flugbootes M-5 von Raimond von Essen. Zeichnung von Mark Schub
© Foto : Eesti RahvusarhiivRaimond von Essen
Raimond von Essen - SNA
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Raimond von Essen
© Foto : Nikolai von EssenAuszeichnungen von Raimond von Essen von links nach rechts: Orden des Heiligen und Apostelgleichen Großfürsten Wladimir 4 Klasse mit Schwerten, Orden des Heiligen Stanislaus der III. Klasse, Medaille "Zum Gedenken an den 200. Jahrestag der Seeschlacht von Gangut"
Auszeichnungen von Raimond von Essen von links nach rechts: Orden des Heiligen und Apostelgleichen Großfürsten Wladimir 4 Klasse mit Schwerten, Orden des Heiligen Stanislaus der III. Klasse, Medaille Zum Gedenken an den 200. Jahrestag der Seeschlacht von Gangut - SNA
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Auszeichnungen von Raimond von Essen von links nach rechts: Orden des Heiligen und Apostelgleichen Großfürsten Wladimir 4 Klasse mit Schwerten, Orden des Heiligen Stanislaus der III. Klasse, Medaille "Zum Gedenken an den 200. Jahrestag der Seeschlacht von Gangut"
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Luftangriff auf die türkische Küste Zonguldak des Flugbootes M-5 von Raimond von Essen. Zeichnung von Mark Schub
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Raimond von Essen
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Auszeichnungen von Raimond von Essen von links nach rechts: Orden des Heiligen und Apostelgleichen Großfürsten Wladimir 4 Klasse mit Schwerten, Orden des Heiligen Stanislaus der III. Klasse, Medaille "Zum Gedenken an den 200. Jahrestag der Seeschlacht von Gangut"
Nikolai von Essen der Jüngere präsentierte in der Ausstellung auch einen anderen Marine-Zweig seines alten Geschlechts. Sein Urgroßvater mütterlicherseits, Leutnant Raimond von Essen, kommandierte die zu den Bordfliegerkräften der Schwarzmeerflotte gehörende Wasserflugzeugabteilung, die erstmals in der russischen Geschichte einen selbständigen Luftangriff auf die türkische Küste Zonguldak erfolgreich durchführte, wo kolossale Vorräte an Kohle für die türkische Flotte lagerten, und legte die ganze Region für einige Zeit lahm.
Allerdings glich das Fliegen mit diesem Stück Sperrholz einem russischen Roulette. Auch diesmal, als das Wasserflugzeug zum Mutterschiff zurückgekehrt war und von ihm aufgenommen werden sollte, sah Raimond von Essen einen Torpedo, der direkt auf das Schiff zulief. „Er lief ziemlich langsam, berührte das Boot, stand still, dann trieb ihn die Strömung seitwärts und nach ein paar Minuten versank der Torpedo“, schrieb der Leutnant im Bericht für das Kommando. Das deutsche U-Boot UB 7 hatte nämlich den Torpedo aus großer Entfernung abschießen müssen, deshalb blieb der Angriff auch ergebnislos.
Nach der Oktoberrevolution 1917 war dem kühnen Marineflieger, der die bolschewistische Macht nicht akzeptiert hatte, ein unerfreuliches Los beschieden. Er verbrachte sein Lebensende gleich vielen weißen Offizieren im Ausland. Nachdem er von der Krim in die Emigration gegangen war, landete er in New York. Mit 41 Jahren starb Raimond in der Fremde. Seine Ehefrau kehrte später in die Sowjetunion zurück, seine Tochter Eugenie überstand während des Großen Vaterländischen Krieges die Blockade von Leningrad.
Zu der Ausstellung erschien mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur die russische Ausgabe des Buches „Sowohl im Krieg als auch im öffentlichen Dienst. Chroniken des Geschlechtes von Essen“.
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