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Drosten-Vorgänger Krüger: Inzidenz als einzige Grundlage für Schutzmaßnahmen ist irreführend

© REUTERS / FABIAN BIMMERCorona-Maßnahmen in Deutschland (Symbolbild)
Corona-Maßnahmen in Deutschland (Symbolbild) - SNA, 1920, 14.04.2021
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In einem Offenen Brief an den Deutschen Bundestag kritisieren die Gesundheitsexperten Detlev Krüger und Klaus Stöhr die vom Bundeskabinett angestrebte Veränderung des Infektionsschutzgesetzes. Sie raten dringend davon ab, Einschränkungen allein von Inzidenzwerten abhängig zu machen.
Detlev Krüger war 27 Jahre Chefvirologe an der Berliner Charité, im Jahr 2017 folgte auf ihn Christian Drosten. Gemeinsam mit dem ehemaligen Leiter des Globalen Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Klaus Stöhr, warnt er nun in einem Offenen Brief an den Deutschen Bundestag vor der vom Bundeskabinett angestrebten Veränderung des Infektionsschutzgesetzes. „Wir raten dringend davon ab, bei der geplanten gesetzlichen Normierung die ‚7-Tage-Inzidenz‘ als alleinige Bemessungsgrundlage für antipandemische Schutzmaßnahmen zu definieren“, schreiben die beiden in ihrem Brief, den „Die Welt“ veröffentlicht hat.

Inzidenz als Basis für Lockdown-Beschlüsse irreführend

In ihrem Schreiben erklären die beiden Wissenschaftler, dass die Inzidenz als Basis für Lockdown-Beschlüsse irreführend sei. Der Inzidenzwert gebe „aufgrund der durchaus erwünschten Ausweitung von Testaktivitäten zunehmend weniger die Krankheitslast in der Gesellschaft wieder“, schreiben die Experten. „Die im Gesetzesvorhaben vorgesehene 7-Tage-Inzidenz differenziert nicht, in welchen Altersgruppen, Lebensräumen und Bevölkerungsgruppen Infektionen auftreten. Eine gleich hohe Inzidenz kann dramatisch unterschiedliche Bedeutung haben.“
So sei es möglich, dass selbst dann, wenn es weniger Patienten in Krankenhäusern als bei Grippewellen gebe, „massive Einschränkungen der Freiheitsrechte mit gravierenden Auswirkungen auf Wirtschaft, Kultur und die körperliche und seelische Gesundheit erfolgen müssten“. Ein solches Szenario sei mit dem Fortschritt der Impfkampagne „realistisch und zeitlich absehbar“.
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Neuaufnahmen auf den Intensivstationen als Richtwert

Stattdessen empfehlen die Gesundheitsexperten der Politik, sich auf die täglichen Neuaufnahmen auf den Intensivstationen zu konzentrieren. Nicht Infektionen, sondern Erkrankungen und ihre Schwere seien für Lockdown-Maßnahmen wichtig. Nur so könne das tatsächliche Infektionsgeschehen und die Auslastung der Krankenhäuser überhaupt angemessen in den Blick kommen. Die geplante bundesweite Vereinheitlichung des Infektionsschutzgesetzes verschärfe „den Mangel an Sachbezug und die Gefahr einer Verletzung der Verhältnismäßigkeit“, heißt es in dem Brief weiter.

Drosten: Weitere Maßnahmen nötig

Währenddessen hat Krügers Nachfolger Drosten in seinem Podcast beim Norddeutschen Rundfunk vor der angespannten Lage in Krankenhäusern gewarnt. Der Virologe hält weitere Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung nötig – zusätzlich zu der geplanten Corona-Notbremse.
Der Beschluss des Bundeskabinetts koppelt Freiheitsbeschränkungen wie Ausgangssperren und Schließungen an die Inzidenz von 100, die erstmals bundesweit einheitlich gesetzlich verankert werden soll. Ab einem Wert von 200 müssten auch die Schulen schließen. Nach dem Kabinettsbeschluss wird sich der Bundestag am Freitag erstmals mit der Vorlage befassen, er soll das Gesetz dann ebenso wie der Bundesrat in der kommenden Woche beschließen. Danach muss es noch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterzeichnen, damit es in Kraft treten kann.
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