Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Offener Brief an Merkel: Kinderärzte protestieren gegen automatische Schulschließungen

© REUTERS / MICHELE TANTUSSISchulunterricht in Berlin
Schulunterricht in Berlin - SNA, 1920, 13.04.2021
Abonnieren
Kinderärzte, Psychologen und Virologen wenden sich ausdrücklich gegen die Pläne der Bundesregierung für automatische Schul- und Kitaschließungen. Infektionsschutz zu Lasten der Kinder müsse ein Ende haben.
In einem offenen Brief haben sich Kinderärzte und Psychologen, Therapeuten und Virologen aus ganz Deutschland an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Ministerpräsidenten und die Bundestagsabgeordneten gewandt, um gegen Pläne für automatische Schul- und Kitaschließungen zu protestieren. Nach dem geplanten neuen Infektionsschutzgesetz, das im Schnellverfahren in der nächsten oder übernächsten Woche verabschiedet werden soll, würden in Zukunft Schulen und Kitas automatisch geschlossen werden, wenn der Inzidenzwert 200 an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten wird.

Zweifelhafte Notwendigkeit und Wirksamkeit von Schließungen

„Wir wenden uns ausdrücklich gegen jede Art von automatischen Einschränkungen des Regelbetriebs in Schulen und Kitas in Abhängigkeit von Melde-Inzidenzen im Infektionsschutzgesetz“, heißt es in dem Brief der „Initiative Familien“, über den die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) als erste berichtet hatte. Die Schließung von Kindertagesstätten beispielsweise in Berlin sowie jüngste Schulschließungen in Nordrhein-Westfalen sieht die Initiative „mehr als kritisch“ und zweifelt die „Notwendigkeit und Wirksamkeit“ der Maßnahmen an.
Studien in Berlin, Frankfurt, Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern sowie aus dem Ausland hätten gezeigt, „dass auch bei hoher Verbreitung von Sars-Cov-2 in der Bevölkerung mit den Hygienemaßnahmen, die in Berlin im Einsatz sind, das Ansteckungsrisiko in Schulen und Kitas gering ist“, heißt es weiter. Auch sei der Verlauf etwaiger Erkrankungen bei Kindern fast immer mild, und sie steckten kaum die Lehrer an. Die Wahrscheinlichkeit, dass Lehrer „Ausgangspunkt von Ansteckungen in Schulen sind“, sei umgekehrt höher.
Ärztin beim Corona-Testen von Mitabeitern der staatlichen Kunstsammlung in Dresden - SNA, 1920, 18.03.2021
Epidemiologe Stöhr: „Sieben-Tage-Inzidenz als Grundlage für den Lockdown ist ein Fehler“

Dringend notwendig: Schulen und Kitas geöffnet zu lassen

Deshalb weisen die Unterzeichner, zu denen auch Mattias Schrappe und Jonas Schmidt-Chanasit vom „Corona Netzwerk“ gehören, auf mögliche Testausweitungen und Impfprogramme für Lehrer hin, um das Infektionsgeschehen in Schulen und Kitas gering zu halten. „Wenn das Impfen aus logistischen Gründen oder aufgrund politischer Entscheidungen nur langsam vorankommt, kann dies nicht bedeuten, dass Kinder noch länger ihr Recht auf Bildung, ihre Entwicklungschancen und ihre Gesundheit zur Disposition stellen müssen.“
Statt abermaliger Schließungen sei es dringend notwendig, Schulen und Kitas geöffnet zu lassen, „denn die Solidarität, die wir Kindern bereits seit Monaten abverlangen, geht auf Kosten ihrer Bildungs- und Entwicklungschancen, ihrer psychischen Gesundheit und ihrer körperlichen Unversehrtheit“.
Es gebe darüber hinaus „klare Hinweise, dass die Gewalt in Familien im Lockdown steigt“. Die Kinder- und Jugendärzte, Psychiater und Psychotherapeuten unter den Unterzeichnern des offenen Briefs beobachteten wegen der sozialen Isolierung außerdem einen starken Anstieg von Angst- und Schlafstörungen, Depressionen und Suizidgedanken unter Kindern und Jugendlichen. Die Autoren fordern darum: „Infektionsschutz zu Lasten der Gesundheit und der Entwicklungschancen von Kindern muss dringend ein Ende haben.“
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала