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Verstrahltes Fukushima-Wasser soll ins Meer: Sind gravierende Folgen zu erwarten?

© REUTERS / KYODOBehälter mit Atomwasser auf dem Gelände des Kraftwerks Fukushima
Behälter mit Atomwasser auf dem Gelände des Kraftwerks Fukushima - SNA, 1920, 13.04.2021
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Die japanische Regierung hat beschlossen, radioaktiv belastetes Wasser des havarierten Kernkraftwerks Fukushima-1 ins Meer zu leiten.
Takeshi Hamada, Professor an der Hokkai-Gakuen-Universität und Mitglied des Regionalrats zum Wiederaufbau der Fischwirtschaft in der Präfektur Fukushima, sprach im SNA-Gespräch darüber, ob die Ableitung des Wassers Gefahren birgt und worin der Hauptgrund für die Kontroversen um dieses Thema besteht.
Professor Takeshi Hamada verfolgt als Mitglied des Regionalrats zum Wiederaufbau der Fischwirtschaft in der Präfektur Fukushima mit Argusaugen das Vorgehen der Tokyo Electric Power Company (TEPCO), der Regierung und der Fischfangunternehmen. Er gibt zu, dass das Problem schwierig sei, doch ihm zufolge stellt die Ableitung des kontaminierten Wassers aus dem zerstörten AKW angeblich keine Gefahr dar.

Problem der Sicherheit oder Kommunikation?

Tritium-Wasser, verdünnt bis zu den notwendigen Parametern, wird von allen Atomkraftwerken abgeleitet. Wie die Erfahrung zeigt, soll dies ziemlich sicher sein, doch von Beginn an wusste die breite Öffentlichkeit nichts davon. Zudem handelt es sich diesmal um stark verschmutztes Wasser. Nach der Havarie gelangten Bruchteile des radioaktiven Kraftstoffs ins Grundwasser, das sich auch mit dem aus dem Kühlkreislauf stammenden Wasser vermischte, das wiederum Tritium enthält. Das Problem an sich sei also nicht neu.

„Das abzuleitende Wasser mit einer hohen Konzentration radioaktiver Substanzen wurde von der Firma ALPS aufgearbeitet. Ich denke, dass das Wasser nach der Aufarbeitung bis zur notwendigen Konzentration verdünnt wurde und den Sicherheitsstandards entspricht, weshalb es keine Probleme aus wissenschaftlicher Sicht geben sollte“

Takeshi Hamada
Professor an der Hokkai-Gakuen-Universität
Auf der anderen Seite betont der Professor, dass die Besorgnisse wegen der Ableitung des verstrahlten Wassers ins Meer wegen mangelnder Informationen entstanden seien.
Die Öffentlichkeit erfuhr erstmals vom Ablassen des Wassers aus den Medien, welche auch Meinungen von Experten anführten, die darin eine Umweltbedrohung sehen. Unter diesen Bedingungen war es schwer, die Menschen von der Sicherheit dieser Maßnahme zu überzeugen. Eine solche Stimmung in der Gesellschaft ist nicht gut. In Japan gibt es eine Vielfalt an Lebensmitteln, die Kunden haben eine große Auswahl. Es besteht also kein Bedarf, ein Risiko einzugehen und Fisch zu kaufen, bei dem es selbst geringste Zweifel geben könnte.“

Schwerer Kampf gegen Gerüchte

Nach Meinung von Professor Hamada führte das Verhalten der Personen, die die Beschlüsse zu Fukushima-1 trafen, zu diesen Gerüchten. Nun sei eine Lösung nicht so schnell in Sicht.
Mit anderen Worten: Selbst wenn es den kleinen Verdacht gibt, dass ein Produkt gefährlich sein könnte, werden die Kunden es nicht kaufen. Deswegen fangen Vertriebsunternehmen den Fisch lieber in sicheren Gebieten, wenn die Kundschaft solche Ängste hat. Auf diese Weise verfestigen sich jedoch die Gerüchte über die Gefahr von lokal gefangenem Fisch, der Fischhandel in Fukushima liegt immer noch brach. Obwohl auch Gerüchte nur Gerüchte bleiben.“
Laut Hamada werden die Gerüchte nach knapp zehn Jahren zwar nachlassen, doch der von der Regierung kürzlich getroffene Beschluss über das Ablassen des Wassers könnte die Gerüchteküche wieder zum Brodeln bringen.
Man kann sich kaum vorstellen, welche Gerüchte um das Ablassen des mit Tritium belasteten Wassers entstehen können, doch es könnte sich das vorige Szenario wiederholen. Als Maßnahme zur Bekämpfung der Gerüchte sollte die Regierung für Entspannung sorgen, bevor das Wasser ins Meer gepumpt wird.“
Takeshi Hamada
Professor an der Hokkai-Gakuen-Universität

Das größte Problem – es fehlt an klaren Erklärungen

Hamada zufolge ist es beim Ablassen des verstrahlten Wassers vor allem wichtig, den Menschen zu erklären, dass diese Maßnahme absolut notwendig sei, um die Arbeiten zur Entsorgung der beschädigten Reaktoren fortsetzen zu können.
Es wird gesagt, dass es bald keinen Platz mehr für die Aufstellung der Tanks, in denen das belastete Wasser gelagert wird, geben wird, und dessen Ablassen nach allen Vorschriften erfolgen wird. Allerdings ist unklar, wer daran schuld ist, dass eine solche Situation überhaupt entstanden ist. TEPCO? Oder die Regierung, die die Atomenergie förderte, sie aber nicht kontrollieren konnte? Unterm Strich leiden die Fischer darunter.“
Aus diesem Teufelskreis herauszukommen, sei sehr schwierig.
Je mehr die Regierung ihre Nähe zu den Fischern demonstriere und von einem Imageschaden bei der Verbreitung der Gerüchte spricht, desto mehr entstehe der Eindruck, dass die Regierenden die Verbraucher, die keinen Fisch kaufen, dafür verantwortlich machen wollen. Mit ihrer Kritik am einfachen Bürger vertiefen sie den Graben zwischen Fischern und dem Volk. Die Fischer müssten jetzt gegen das Ablassen des Wassers auftreten, weil sie auf jeden Fall wieder verantwortlich gemacht werden.
Proteste in Fukushima gegen Einleitung des radioaktives Wasser vom AKW ins Meer, 13. April 2021 - SNA, 1920, 13.04.2021
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