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Studie: Pandemie vorteilhaft für technologiegetriebene Geschäftsmodelle

© CC0 / pixabay/Free-PhotosHomeoffice (Symbolbild)
Homeoffice (Symbolbild) - SNA, 1920, 12.04.2021
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Eine von Startupdetector vorgenommene Analyse der Start-up-Gründungen im Jahr 2020 zeigt die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gründungslandschaft in Deutschland. Die Studie lag dem „Handelsblatt“ (Montag) vor.
Der Analysefirma zufolge wurden 2020 insgesamt 2857 Start-ups ins Handelsregister eingetragen, eine Steigerung von etwa 13 Prozent. Allerdings wären ohne Corona wohl noch mehr Firmen an den Start gegangen: In den ersten drei Monaten – bis zum ersten Lockdown – waren durchschnittlich rund 26 Prozent mehr neue Start-ups registriert worden. Einige Gründungsvorhaben dürfte die Pandemie zunichtegemacht haben.
Investoren sehen Corona trotz kurzfristiger negativer Effekte durchaus als Chance. In der Finanzkrise 2008/09 zum Beispiel wurden sehr erfolgreiche Digitalunternehmen gegründet, wie WhatsApp, Airbnb und Slack. Und auch die Pandemie hat technologiegetriebenen Geschäftsmodellen in einigen Bereichen erst zum Durchbruch verholfen.

Neue Infrastrukturen und Ökosysteme

Aus Sicht von Filip Dames, Frühphaseninvestor bei Cherry Ventures, trifft das unter anderem auf neue Lösungen zur Vereinfachung und Verbesserung des Onlinehandels zu, die jetzt auch von etablierten Unternehmen stärker denn je nachgefragt werden, sowie auf digitale Anwendungen im Gesundheitssektor.
„In Krisen verändern sich Bedingungen und Infrastruktur, darin liegen riesige Chancen“, sagt Romy Schnelle, Partnerin beim halbstaatlichen High-Tech Gründerfonds (HTGF), dem aktivsten Investor in Deutschland.

Auf den Trend zu neuen Onlinehandelsfirmen eingehend, sagt Investor Dames: „Wir sehen erstens neue Geschäftsmodelle wie die schnellen Lieferdienste oder die Konsolidierer wie SellerX…“

Gemeint sind Unternehmen, die kleine, erfolgreiche Markenhändler auf Plattformen wie Amazon aufkaufen, zusammenführen und dabei Kosten sparen. Vorbild ist das US-Unternehmen Thrasio. „Die Amazon-Plattform ist ein Beispiel für ein Ökosystem, das nun zunehmend als Infrastruktur für neue Geschäftsmodelle wahrgenommen wird.“
Neben den unmittelbaren Krisenprofiteuren sind für Investoren vor allem Geschäftsmodelle interessant, die aus ihrer Sicht Markteintrittsbarrieren gekippt oder Vorbehalte ausgeräumt haben. So bietet die Firma E-Commerce Händlern eine Software, um selbst Onlineshops zu erstellen.

Einzelhändler wollen neue Vertriebswege erschließen

U-Pax-Gründer Peter Wenzel will Einzelhändler zu E-Commerce-Profiteuren machen – und dabei das Warenverteilproblem lösen. „Der Einzelhandel leidet, der Onlinehandel boomt, und die Städte verkraften den zusätzlichen Lieferverkehr durch den Onlinehandel kaum“, sagt Wenzel über die beschleunigte Entwicklung in der Corona-Krise. Er und sein Mitgründer betrachten den Einzelhandel in der Stadt auch als Lagerfläche, von der so schnell wie möglich geliefert werden könne.
Selbstfahrendes Taxi von Zoox  - SNA, 1920, 15.12.2020
Start-up „Zoox“ von Amazon präsentiert selbstfahrendes Taxi – Videos
Seine Idee ist, per App bei lokalen Händlern Produkte zu bestellen, die im Idealfall ein Nachbar liefern könnte, der dort ohnehin vorbeikommt. „Lieferung per Sowieso-Verkehr“, nennt Wenzel das. In München, wo die App gestartet ist, wollen nach Aussage der Gründer bereits 70 Händler mitmachen.

Investorenlieblinge: Medizinsektor bekommt meiste Investments

Die meisten Finanzierungsrunden konnte laut Startupdetector 2020 aber nicht der Onlinehandel einsammeln, sondern Start-ups aus dem Medizinsektor. Investor Dames geht davon aus, dass Corona insbesondere in dieser Branche entscheidend zum Umdenken beigetragen hat: „Ärzte sind in der neuen Situation deutlich aufgeschlossener gegenüber Videochats und Lösungen wie digitalen Terminbuchungen geworden.“
In Bezug auf die Produktivitätslösungen für Homeoffice oder für Homeschooling ist Dames weniger optimistisch. „(…) Das sind Unternehmen, die sicherlich nicht mehr so stark wachsen werden, wenn sich die Corona-Situation wieder entspannt“ – viele Konzerne und Firmen hätten die Angebote dieser Start-ups nun ausprobiert, würden auf Dauer aber wieder mit weniger von ihnen auskommen.
Laut Schnelle ist der Bedarf an digitalen Bildungs- und Weiterbildungsangeboten offensichtlich. Allerdings geht auch sie davon aus, dass die Zahlungsbereitschaft von Eltern in diesem Bereich sinken wird, wenn Bildungseinrichtungen wieder öffnen.
Eine kleine Trendwende gab es 2020 auch bei der Präferenz für B2B-Geschäftsmodelle (Business to Business). Zuletzt hatten immer mehr Gründer und auch Investoren auf diese geschäftskundenorientierten Modelle gesetzt. Während der Corona-Krise entschieden sich wieder mehr Gründer als zuvor für ein endkundenfokussiertes Geschäftsmodell – nämlich 40 Prozent statt 36.

Immer mehr Start-ups werden von Frauen geführt

Im Jahr 2020 ist die Zahl der Start-ups mit mindestens einer Frau in der Geschäftsführung gestiegen und hatte einen Anteil von 19 Prozent. (2019: 18 Prozent). Absolut hat sich die Zahl dieser Start-ups aber von 457 auf 547 gesteigert, also um 20 Prozent.
Treiber dieser Entwicklung sind auch die Corona-Trends: Frauen gründen besonders häufig E-Commerce-, Medizin- und Lebensmittel-Start-ups. Der Anteil von jungen Unternehmen mit Geschäftsführerinnen ist außerdem in den Bereichen Umwelttechnologie und Bildung besonders hoch.
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