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60 Jahre nach Gagarins Flug
Vor 60 Jahren flog der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall.

Gagarin könnte noch leben – sein Biograf bringt es auf den Punkt

© SNADer erste Kosmonaut Juri Gagarin (Archivbild)
Der erste Kosmonaut Juri Gagarin (Archivbild) - SNA, 1920, 12.04.2021
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Um Juri Gagarin, der vor 60 Jahren als erster Mensch in den Weltraum flog, gab es viele Legenden, behauptet der Berliner Raumfahrtexperte und Gagarin-Biograf Gerhard Kowalski. Er hat inzwischen Zugang zu den geheimen Archiven Russlands erhalten und konnte dadurch in seinen Büchern manchen Mythos entzaubern und manches Geheimnis lüften.
Zuerst hat er das Buch „Gagarin könnte noch leben“ von Nikolai Sergejew, Oberst außer Dienst, ins Deutsche übersetzt und kommentiert. Dann hat er selbst das Buch „Der unbekannte Gagarin. Die letzten Geheimnisse von Juri Gagarin“ veröffentlicht. „Die These ist richtig“, sagte Kowalski im SNA-Interview. „Gagarin könnte noch leben, wenn nicht damals an diesem schlimmen 27. März 1968 eine Fülle von Dingen passiert wäre, die nicht hätten passieren dürfen.“
„Gagarin war kein besonders guter Flieger“, behauptet der Forscher. „Er hatte zu diesem Zeitpunkt 350 oder 360 Flugstunden. Und bevor er wieder mal allein eine MiG steuern durfte, musste er noch mit Fluglehrer Serjogin einen Kontrollflug machen, und dann hat man bei der Flugvorbereitung jede Menge Fehler gemacht.“
„Fehler Nr. 1: Das Wetterflugzeug war noch nicht zurück, als Gagarin gestartet ist, deshalb wusste man nicht, wie in der Flugstunde das Wetter war“, so Kowalski. „Inzwischen wissen wir, dass der Flug nicht langfristig vorbereitet war, sondern auf Befehl eines Generals schnell in den Plan aufgenommen werden musste. Man hat eine Maschine aus einer Werkstatt geholt, die zwar in Ordnung, aber möglicherweise nicht so tipptopp war, wie sie es hätte sein müssen. Dann war das Bodenradar von diesem Flugplatz nicht in Ordnung usw. Es gab einen Haufen Schlampereien, die dazu geführt haben, dass Gagarin von diesem Flug nicht wiedergekommen ist. Und das ist die große Katastrophe.“
Auch an jenem Tag, dem 12. April 1961, glaubte der Chefkonstrukteur Sergej Koroljow laut Gagarins Tochter Elena, dass die Chancen, aus dem Weltall zurückzukehren, nicht 100, sondern weniger als 50 Prozent waren, da die Anzahl der Situationen während des Fluges, in denen der Kosmonaut sterben konnte, sehr hoch war.
Der erste Kosmonaut der Welt Juri Gagarin - SNA, 1920, 12.04.2021
60 Jahre nach Gagarins Flug
Gagarin-Weltraumflug: Inspirationsquelle für europäische Raumfahrt

Die letzten Geheimnisse von Juri Gagarin

Gerhard Kowalski verzögerte mehrmals die Herausgabe seines Buches „Der unbekannte Gagarin“, weil immer wieder neue geheime Dokumente an die Öffentlichkeit gebracht wurden. Zum 50. Jahrestag dachte er, jetzt sei aber langsam Schluss. „Und da steht dummerweise ,das finale Buch über Gagarin‘ darauf. Das stimmt allerdings nicht. Das Buch war noch gar nicht richtig aus dem Druck, da gab es schon wieder Neuigkeiten.“
In der Archiv-Akte des Ministeriums für Verteidigung der Russischen Föderation hieß es, fährt der Experte fort, „die wahrscheinliche Ursache für den Absturz des Flugzeugs von Gagarin und Serjogin war entweder, dass die Besatzung nicht arbeitsfähig war, irgendwie ausgefallen ist, oder dass sie mit einem Wetterballon zusammengestoßen ist oder dabei ein jähes Manöver vollzogen hat.“
Kowalski ärgert, dass viele Erkenntnisse, die jetzt bekannt sind, offiziell nicht anerkannt werden. „Man redet immer noch von 108 Minuten, wir wissen, das waren 106 Minuten. Man redet immer noch, dass Gagarin dort runtergekommen ist, wo er runterkommen sollte, was nicht stimmt. Man spricht immer noch, dass er im Raumschiff gelandet ist. (…) Gagarin hat einen Rekord der Internationalen Astronautischen Föderation nach einem anderen begangen, und er wäre ein genauso großer Held gewesen, wenn man gleich gesagt hätte, er ist mit dem Fallschirm gelandet und nicht in der Landekapsel.“
Nach der Einschätzung des Kosmosforschers befindet sich die russische Raumfahrt nach Jahren der Stagnation nach dem Zerfall der UdSSR im Umbruch. „Sie ist dabei, sich neu aufzustellen. Sie muss die Fehler der Vergangenheit überwinden und diese Branche, die vormals 350.000 Leute hatte, reduzieren, um Doppelproduktion zu vermeiden. Sie muss mehr Qualität reinbringen und mehr Geld erwirtschaften. Sie muss neue Raketen bauen. Die russische Weltraumorganisation Roskosmos muss mit wenig Geld viel machen. Ich bin da sehr optimistisch, ich schreibe das auch immer.“

Sind Flüge zum Mond und Mars sowie die Eroberung weiterer Planeten nötig?

„Doch, es ist nötig“, meint der Kosmosforscher. „Man muss nur alles machen. Nachdem man aber den Weltraum mit der Raumstation ISS schon lange erforscht, muss man sich den fernen Welten zuwenden. Bloß muss man dafür die entsprechende Technik haben. Und diese entsprechende Technik existiert auf russischer Seite noch nicht. Private amerikanische Unternehmen, Space Enterprises, starten eine Rakete nach der anderen. Sie sind dabei, Mars-Raumschiffe, die hochfliegen und wie ein Flugzeug wieder zurückkommen, zu bauen. Sie explodieren zwar im Moment, aber es geht trotzdem weiter.“
Der Blick sei weiter, resümiert Kowalski. „Auch die russische Wissenschaft ist weiter. Russland hat genug Köpfe, die dieses Programm noch verwirklichen werden und die sich auch zu Wort melden. Hier fehlt noch das Geld. Und wenn die russische Wirtschaft auf die Beine kommt, dann kann man noch an den fernen Kosmos denken.“
Gerhard Kowalski war von 1966 bis 2007 Redakteur und Korrespondent der Nachrichtenagenturen ADN und ddp, unter anderem in Moskau. An jenem Apriltag, als Juri Gagarin die Erde umkreiste, hatte er sein Journalistik-Studium noch nicht angefangen, war aber von dem Ereignis so überrascht, dass er sich schon seit 60 Jahren mit diesem Menschen befasst. Kowalski hat mehrere Bücher über Juri Gagarin verfasst und berichtet auf www.gerhardkowalski.com über Raumfahrtthemen.
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