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„Royal Grumble“ – Prinz Philips langes Leben zwischen Pflichterfüllung und Sprücheklopfen

© AP Photo / Victoria JonesPrinz Philip
Prinz Philip - SNA, 1920, 09.04.2021
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Prinz Philip, Herzog von Edinburgh und Ehemann der britischen Königin, ist tot. Kurz vor seinem 100. Geburtstag sei er friedlich eingeschlafen, ließ der Königshof mitteilen. Prinz Philip gehörte zu den beliebtesten, aber auch umstrittensten Mitgliedern der britischen Königsfamilie. Ein Nachruf.
Die mehr oder weniger derben Sprüche von Prinz Philip sind Legende. Seine Vorliebe für undiplomatische Sprache und absichtliche Verletzung des strengen höfischen Protokolls waren immer wieder Gegenstand leidenschaftlicher Debatten im Vereinigten Königreich und dem mit ihm verbundenen Commonwealth. Für die meisten Bewohner dieser Staaten aber symbolisierte dieses Verhalten eine durchaus sympathische Form der Rebellion, der Verteidigung wenigstens eines Minimums an Persönlichkeit, die nicht den Pflichten und Regeln des Hofes und der Regierung unterworfen war – geradezu etwas Menschliches angesichts eines bis heute gültigen Verständnisses der Monarchie als göttlicher Gnade zu verdankender Sonderstellung über allen demokratischen Organen, gleichsam weltentrückt.
Die Nachsicht mit Prinz Philip wurde auch nur deshalb geübt, weil er als außerordentlich pflichtbewusst, loyal und fleißig galt. Den Terminkalender von Prinz Philip hätte kein Brite freiwillig haben wollen. Und die Briten haderten mit „The Royal Grumble“ (grumble lässt sich mit grummeln, meckern, granteln, motzen usw. übersetzen) vor allem auch deshalb deutlich weniger als mit anderen Mitgliedern ihrer ersten Familie, weil der Lebenslauf von Prinz Philip vielfach auch so etwas wie Mitgefühl und Hochachtung auslöste.

Noble Herkunft – dysfunktionale Familie

Geboren 1921 als Philipos Andreou von Griechenland und Dänemark auf der griechischen Insel Korfu, wurde er aber nur als Prinz Philip bekannt. Er ist das jüngste der fünf Kinder und einzige Sohn von Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark und Prinzessin Alice von Battenberg. Durch diese Herkunft war er sowohl ein Abkömmling griechischer und dänischer Könige, russischer Zaren und nicht zuletzt des britischen Königshauses. Dadurch war er auch mit seiner späteren Frau verwandt, die beide Ur-Ur-Enkel der legendären Königin Victoria sind.
Die noble Herkunft brachte Prinz Philip zunächst aber nicht wirklich Glück. Die Ehe seiner Eltern war zerrüttet, sein Vater brachte ihm keine Liebe entgegen und ließ die Familie zugunsten einer Geliebten allein und mittellos in Paris zurück, nachdem sie wegen eines Militärputsches in Griechenland fliehen mussten. Seine Mutter galt als psychisch instabil und wurde in eine Klinik eingewiesen. Er sah sie nur wenige Male, mit seinem Vater hatte er nur gelegentlichen schriftlichen Kontakt. De facto wurde Philip einmal komplett durch die Haushalte seiner Schwestern und von Verwandten gereicht und musste auf strenge Internatsschulen.
Die Tatsache, dass seine Schwestern in deutsche Fürstenhäuser einheirateten, mit engen Verbindungen zu den Nazis, sollte später den Stand von Prinz Philip entscheidend erschweren und ihm den wenig schmeichelhaften Spitznamen durch seine Schwiegermutter einbringen, die ihn nur „den Hunnen“ nannte.
Sein Onkel Louis Mountbatten, Generalgouverneur und Vizekönig von Indien und Admiral der Flotte, nahm sich seines Neffen als eine Art Ersatzvater an und förderte seine – durchaus vielversprechende – Karriere bei der britischen Marine. Die endete schlagartig, als er Prinzessin Elisabeth, die britische Thronfolgerin, kennenlernte, und sie 1947 heirateten. Aus dem Prinz von Griechenland und Dänemark wurde ein Prinz des Vereinigten Königreiches und britischer Staatsbürger. Aus Philipos Andreou wurde Philip Mountbatten.

Fleißig, loyal, pflichtbewusst – zugleich unkonventionell und provokativ

Als Patron für mehr als 700 Einrichtungen und Organisationen galt Prinz Philip als einer der am härtesten arbeitenden britischen Royals. Eines seiner bekanntesten Ehrenämter war die Präsidentschaft über die Naturschutzorganisation WWF. Später wurde ihm vorgeworfen, mit der Organisation unzulässige Kontakte mit brutalen paramilitärischen Gruppierungen in Afrika unterhalten zu haben und damit mitverantwortlich für schwere Menschenrechtsverletzungen gewesen zu sein.
Doch wirklich ernsthaft gefährlich für das Renommee des Prinzen wurde nur die sogenannte Profumo-Affäre um den gleichnamigen früheren britischen Verteidigungsminister, in dem es um einen Callgirl-Ring und Spionage gegangen sein soll. Weil dabei auch eine Querverbindung eines Verdächtigen zu Prinz Philip hergestellt werden konnte, halten sich bis heute Verdächtigungen, der Herzog von Edinburgh sei irgendwie tiefer in den Skandal involviert gewesen. Zuletzt befeuerte noch einmal die populäre Serie „The Crown“ diese Spekulationen.
Obwohl Prinz Philip diverse Affären nachgesagt wurden, galt er bis zum Schluss als der wichtigste Berater und die wichtigste Stütze seiner Frau, vor allem nachdem die anderen beiden Eckpfeiler im Leben der Königin, ihre Schwester und ihre Mutter, verstorben waren. 74 Jahre lang hat er sich mehr oder weniger klaglos in die zweite Reihe hinter seiner Frau eingereiht. Es wurde aber auch immer wieder berichtet, dass im privaten Umfeld von dieser Demut und Zurückhaltung nicht mehr so viel zu spüren war, die Königin sich mit dieser Rollenverteilung aber arrangiert hatte.
Prinz Philip (Archivbild) - SNA, 1920, 09.04.2021
Zeitzeuge und Weltmann: Das bewegte Leben von Prinz Philip

Symbol einer untergegangenen Epoche – konservativ bis ins Mark und dennoch geachtet und bewundert

Philip war das Symbol einer untergegangenen Epoche, die besonders hart, besonders unnahbar, besonders konservativ geprägt war. Ein Naturell und eine Lebenseinstellung, die er wohl auch an seine Kinder weitergegeben hat. Zusammen mit einer gewissen Härte gegen sich selbst, die aus seiner unruhigen Kindheit und instabilen Familiensituation herrühren könnte, wäre das auch eine mögliche Erklärung für die Tatsache, dass übereinstimmend davon berichtet wird, dass er eine wirklich innige Beziehung zu seinen Kindern nur mit seiner Tochter Anne aufbauen konnte. Sein Humor war eher bärbeißig, denn feinsinnig.
Die Briten würdigten aber vor allem das enorme Pflichtempfinden, das er zusammen mit seiner Frau demonstrierte. 22.000 öffentliche Pflichttermine habe der Herzog von Edinburgh absolviert, verlautete vonseiten des Königshofes. Erst 2017 verabschiedete er sich in den Ruhestand. Es sei genug, ließ er mitteilen. Er hatte sich einmal als erfahrensten Gedenktafel-Enthüller der Welt bezeichnet. Auch diese Fähigkeit zur ironischen Betrachtung seiner selbst bewunderten viele Briten an ihm.
Die letzten Monate seines Lebens musste er immer mal wieder ins Krankenhaus. Vor wenigen Wochen unterzog er sich einer erfolgreichen Herzoperation. Dennoch starb Prinz Philip nun zwei Monate vor seinem 100. Geburtstag.
Königin Elisabeth sagte einmal, dass die meisten Briten wohl keine Ahnung davon haben, was sie, was Großbritannien diesem Mann zu verdanken habe. Die Nachrufe und Trauerbekundungen, die jetzt aus allen Teilen der Welt eintreffen, hätte Prinz Philip vielleicht mit der ihm eigenen uneitlen Schnoddrigkeit beantwortet, so wie er 2005 auf eine Rede zum Klimawandel reagierte: „Ich will trotzdem ein Bier.“
Prinz Philip (Archivbild) - SNA, 1920, 09.04.2021
Ehemann von Queen Elizabeth II.: Prinz Philip ist tot
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