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Frauen nun erlaubt? Moderne Zünfte sollen gendern

Hand (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.04.2021
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Ein Rechtsstreit breitet sich aus um die Geschlechterproblematik der Schweizer Zünfte. Die jahrhundertealten Zünfte haben ihren Ursprung im Mittelalter und waren ausschließlich für Männer vorgesehen. Das ändert sich gerade und schürt Unruhe von Basel bis Zürich.
In Basel stehen die Zünfte vor einem Umbruch: Aufgrund eines Rechtsgutachtens muss die Zunftordnung künftig in geschlechtsneutraler Sprache formuliert sein. Dies ist bahnbrechend! Seit dem Anbeginn des Zunftwesens durften doch nur Männer Mitglieder in Zünften sein. Hintergrund für diesen Umschwung stellt ein Rechtsguthaben der Universität Zürich dar. In diesem Schreiben die beiden Staatsrechtler Felix Uhlmann und Martin Wilhelm heißt es, dass der Ausschluss von Frauen in den Basler Zünften „heikel“ sei.
Dazu sagt Uhlmann im Regionaljournal „Zürich Schaffhausen“: „Es sprechen verschiedene Argumente dafür, dass das Geschlecht – bei den Funktionen, welche die Zünfte heute einnehmen – keine Rollen spielen kann.“
Die Basler Bürgergemeinde übernehme die Verantwortung für die Zunftordnung. Diese habe auf den Appell der Rechtsexperten reagiert und sich entschlossen, die Ordnung ab dem Jahr 2022 in geschlechtsneutraler Sprache umzuformulieren. „Wir sind an die Verfassung gebunden, und darin steht, dass wir die Gleichberechtigung nicht nur einhalten, sondern auch fördern“, begründet Strafrechts-Experte und Bürgerrat Lukas Faesch dieses Vorhaben.
Arzt (Symbolbild) - SNA, 1920, 07.04.2021
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Zürcher Zünfte – anderes System

Anders sieht die Situation im Kanton Zürich aus. Zwar gebe es dort die Gesellschaft zum Frauenmünster, welche als „Frauenzunft“ bekannt ist. Weibliche Mitglieder in Zünften des Zentralkomitees der Zürcher Zünfte seien jedoch nicht gestattet, schreibt das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Auch gehöre die Frauenzunft nicht zu dem Zentralkomitee.
Es gibt zwischen den Zunftwesen in Zürich und Basel grundlegende Unterschiede. Die Zünfte in Zürich sind rechtlich gesehen Vereine und die in Basel öffentlich-rechtliche Körperschaften. Damit gibt es auch Unterschiede bei den Aufnahmepflichten.
Welche Bedeutung haben Zünfte heute?

Seit dem Jahr 1866 bestehen die Zünfte im Kanton Zürich als Vereine weiter, trotz Verlust ihrer „staatstragenden“ Aufgabe, schreibt das Zentralkomitee der Zürcher Zünfte. Seither sind diese Vereine aktiv, um die Tradition und das Brauchtum der Stadt zu bewahren. Besonders beim Zürcher Volksfest „Sechseläuten“ kommen die Zünfte zusammen, um in einer Parade durch die Stadt zu ziehen. Dabei kleiden sich die Mitglieder in traditionelle Kostüme und begleiten den Umzug mit Musik.

Auch in Basel besteht der Schwerpunkt des modernen Zunftwesens auf dem Erhalt von Traditionen. Auf ihrer Seite schreiben die Zünfte und Gesellschaften der Stadt Basel: „Die E. Zünfte und E. Gesellschaften der Stadt Basel pflegen baslerische Tradition zukunftsorientiert. Sie leisten einen Beitrag zum Gedeihen und zur Attraktivität Basels.“

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Uhlmann sieht dennoch großen Bedarf, auch in Zürich für Geschlechtsneutralität zu sorgen. Aus den Vereinen dürften nur Mitglieder ausgeschlossen werden, die gegen den Vereinszweck verstoßen. Auch wenn es noch keine rechtliche Grundlage für die Rechtssituation bei den Zürcher Zünften gibt, sieht Uhlmann die Chancen zu Gunsten der Frauen gut. Das Zentralkomitee habe sich über die rechtliche Situation um die Aufnahme von Frauen noch nicht geeinigt.
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