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Nach umstrittener Äußerung über Nato-Bombenangriffe: Vučić nimmt deutschen Botschafter in Schutz

© AP Photo / Darko VojinovicSerbiens Präsident Aleksandar Vučić
Serbiens Präsident Aleksandar Vučić - SNA, 1920, 09.04.2021
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Der serbische Präsident Aleksandar Vučić ist auf die jüngsten Äußerungen des deutschen Botschafters in Belgrad, Thomas Schieb, über die angebliche Notwendigkeit der Nato-Bombenangriffe auf Serbien während des Kosovokrieges eingegangen.
Schieb habe „nichts Neues“ gesagt, so Vučić. Es komme ihm jedoch nicht in den Sinn, den Botschafter „anzugreifen“, der für sein Land so viel getan habe, betonte Vučić.
„Natürlich haben wir eine andere Meinung darüber, was 1999 passiert ist. Ich weiß, dass niemand vor Gericht bewiesen hat, dass Serbien die Absicht hatte, einen Völkermord oder ähnliches zu begehen“, sagte der serbische Präsident.
„Aber alle 19 Länder, die an der Aggression gegen Serbien beteiligt waren, haben dies auf die gleiche Weise gerechtfertigt. Botschafter Schieb hat also nichts grundlegend Neues gesagt“, so Vučić.
Er kenne Schieb als jemanden, der Serbien beim Zufluss von Investitionen sehr unterstützt habe, betonte Vučić. In dem Moment habe der Botschafter auf so eine Weise reagieren müssen, die von der deutschen Politik unterstützt worden sei, sagte der serbische Präsident.
„Unsere Aufgabe ist zu antworten, dass dies nicht wahr ist, dass wir es anders wahrnehmen. Aber wir müssen mit Deutschland zusammenarbeiten und zwar ziemlich eng“, so Vučić. Man sollte nicht vergessen, dass Deutschland einer der wichtigsten Investoren für Serbien sei.
„Dies ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der Zukunft.“
Vučić betonte, dass es für Serbien wichtig sei, die eigene Integrität zu bewahren und keine Feinde aus denjenigen zu machen, die es nicht seien.

Deutscher Botschafter sorgt für Empörung in Serbien

Zuvor hatte der deutsche Botschafter in Serbien, Thomas Schieb, in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender „Radio Televizija Vojvodine“ gesagt, die Bombenangriffe auf Serbien im Jahr 1999 seien notwendig gewesen, um einen Völkermord im Kosovo zu verhindern. Die Luftschläge halte er für eine „schwierige, aber richtige Entscheidung“, die man getroffen habe, als die diplomatischen Mittel erschöpft worden seien, so Schieb.
Ein bei den Nato-Bombenangriffen zerstörtes  Gebäude in der  serbischen Hauptstadt Belgrad  - SNA, 1920, 08.04.2021
Deutscher Botschafter sorgt mit Äußerung über Nato-Bombenangriffe auf Jugoslawien für Empörung
Zudem forderte der deutsche Botschafter Serbien auf, auch die Unabhängigkeit des Kosovo möglichst schnell anzuerkennen: Dieser Schritt würde seiner Meinung nach „Serbien, dem Kosovo und der gesamten Region zugutekommen“.
Schiebs Aussagen sorgten unter den serbischen Politikern für große Empörung. Der Chef der Regierung der autonomen Provinz Wojwodina, Igor Mirović, bezeichnete seine Äußerungen als „undiplomatisch, unwahr, unvernünftig“. Der serbische Minister für Innovationen und technologische Entwicklung, Nenad Popović, stufte die Worte von Schieb als einen „Ausbund von Zynismus und eine Fortsetzung der Kampagne einiger westlicher Länder, das serbische Volk des Völkermordes zu beschuldigen“ ein. Auch der serbische Innenminister und Ex-Verteidigungsminister, Aleksandar Vulin, kritisierte die Aussagen: „Eine solche Frechheit hätte zu einem deutschen Besatzungskommandanten gepasst, sicher aber nicht zu einem deutschen Botschafter in Serbien“.

Nato-Luftangriffe auf Jugoslawien

Der Nato-Militäreinsatz gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien hatte am 24. März 1999 begonnen und 78 Tage gedauert. Als Hauptgrund für die sogenannte Operation Allied Force galt laut der Führung des nordatlantischen Bündnisses „die Verhinderung des Völkermordes an der albanischen Bevölkerung im Kosovo“.
Nach Angaben der Nato wurden während der Operation 38.000 Flüge absolviert, 10.000 davon, um Luftschläge durchzuführen. Serbischen Medienberichten zufolge verbrauchte die Nato im Durchschnitt 20 Kilo Sprengstoff pro serbischen Bürger.
Nach serbischen Angaben wurden bei den Luftangriffen 3500 bis 4000 Menschen getötet und etwa 10.000 weitere verletzt, zwei Drittel davon Zivilisten. Der materielle Schaden habe sich auf bis zu 100 Milliarden US-Dollar belaufen.
Unter anderem sollen bei den Nato-Bombenangriffen 15 Tonnen abgereichertes Uran in den Geschossen auf serbisches Gebiet abgeworfen worden sein. Danach habe das Land im Verhältnis die meisten Krebsfallzahlen in Europa verzeichnet. In den ersten zehn Jahren nach den Bombardierungen sollen in der Republik etwa 30.000 Menschen an Krebs erkrankt sein, 10.000 bis zu 18.000 davon seien gestorben.
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