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Weltgesundheitstag in Zeiten der Pandemie

© REUTERS / DENIS BALIBOUSEWHO-Flagge vor dem Standort der Behörde in Genf
WHO-Flagge vor dem Standort der Behörde in Genf - SNA, 1920, 06.04.2021
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Anlässlich des Gründungsdatums der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 1948 findet jährlich am 7. April der Weltgesundheitstag statt. „Building a fairer, healthier world“ ist das von der WHO ausgegebene Kampagnenmotto für 2021.
Der Gesundheitszustand der Bevölkerung hänge ganz wesentlich von ihren Lebensbedingungen ab, das habe sich auch in der Corona-Pandemie deutlich gezeigt. Dabei wurden überwiegend diejenigen schwer getroffen, die bereits gefährdet waren, heißt es auf der Internetseite der WHO zum Weltgesundheitstag, dem 7. April. WHO-Regionalbüros haben danach schon 2019 die wesentlichen Faktoren für gesundheitliche Ungleichheit in Europa identifiziert. Darunter sind Einkommenssicherheit und soziale Absicherung, Lebensbedingungen wie Wohnen und Grünflächen, Vertrauen in andere, Bildung und das Ausmaß von Isolation. Ebenso werden Qualität von Gesundheitsleistungen sowie Beschäftigung und Arbeitsbedingungen dazu gezählt.
Auch in Deutschland macht sich zunehmend gesundheitliche Ungleichheit bemerkbar:
„Wer durch Armut oder andere schwierige Lebensumstände benachteiligt ist, hat in Deutschland ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko und eine um bis zu zehn Jahre geringere Lebenserwartung als Menschen aus besser gestellten Bevölkerungsschichten. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sterben 13 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer aus der niedrigsten Einkommensgruppe bereits vor Vollendung des 65. Lebensjahres. In der höchsten Einkommensgruppe trifft das lediglich auf 8 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer zu.“

WHO in der Kritik

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie musste sich die WHO viel Kritik gefallen lassen. Viel zu zögerlich habe sie die Maskenempfehlung ausgesprochen, so Kritiker. Sie sei viel zu lax mit China umgegangen, das anfänglich kaum Informationen weitergegeben und internationale Experten auf Abstand gehalten habe. „Als die WHO am 30. Januar eine Notlage internationaler Tragweite ausgerufen hat, haben westliche Länder das nicht ernst genommen – sie dachten, das gehe sie nichts an“, sagte Professorin Ilona Kickbusch der Deutschen Presse-Agentur. Kickbusch war lange bei der WHO tätig und leitet heute das Gesundheitsprogramm am Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung in Genf.
Eines der Hauptprobleme der Organisation scheint zu sein: Es gibt zwar verpflichtende Vorschriften für den Fall einer Pandemie, auf die sich die Länder 2005 geeinigt haben. Die WHO kann sie aber nicht zwingen, diese einzuhalten. In einem Fünf-Punkte-Reform-Plan fordert deshalb Claire Chaumont, Dozentin für öffentliche Gesundheit an der Harvard-Universität, Instrumente für entsprechende Sanktionen.
„Die Gesundheitsvorschriften müssen Sanktionen enthalten, die gegen Länder, die ihrer Pflicht nicht nachkommen, durchgesetzt werden.“
Seit Beginn der Pandemie hat es weltweit über 130 Millionen gemeldete Corona-Infektionen und fast drei Millionen Tote gegeben.
Krankenhaus in Berlin (Archivbild) - SNA, 1920, 25.03.2021
Wegen Überdosierung und Langzeitschäden – Zahl der Drogentoten 2020 erneut gestiegen

Psychische Gesundheit im Fokus

Anlässlich des diesjährigen Weltgesundheitstages weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf den Zusammenhang von psychischen Belastungen durch die Corona-Pandemie und die Entwicklung von Suchtrisiken hin.
Die veränderten Lebensbedingungen seien für viele Menschen eine enorme Herausforderung, die Ängste hervorrufen könne. Die eingeschränkten sozialen Kontakte führen oftmals zu Einsamkeit und Isolation, Niedergeschlagenheit und Traurigkeit sowie depressiven Phasen. „Wer aus Gefühlen wie Einsamkeit oder Traurigkeit verstärkt zu alkoholischen Getränken greift, läuft Gefahr, der psychischen Gesundheit zu schaden,“ warnt die BZgA. „Relativ schnell kann sich Alkoholmissbrauch zu einer schwer zu überwindenden Abhängigkeit entwickeln.“ Neben praktischen Tipps, wie die psychische Gesundheit auch im Lockdown aufrechterhalten werden kann, bietet die Bundeszentrale auf ihrer Webseite eine Reihe von kostenlosen Unterstützung- und Beratungsangeboten.
Auch das SOS-Kinderdorf in Österreich setzt zum Weltgesundheitstag 2021 einen besonderen Akzent auf die psychische Gesundheit. „Die psychische Verfassung von Jugendlichen ist dramatisch“, so Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf. „Sie brauchen Hilfe – rasch, professionell, leistbar“, hebt er hervor.
Obwohl es nach Ansicht von Fachärzten gerade bei Kindern und Jugendlichen geboten ist, sofort zu reagieren und therapeutische oder psychiatrische Unterstützung anzubieten, fehlt laut Moser in Österreich dafür die nötige Infrastruktur. Die Österreichische Gesundheitskasse wolle in den Ausbau von Psychotherapien investieren, das gehe allerdings schleppend voran. Unklar sei, inwiefern Jugendliche davon profitieren werden.
Bereits vor der Corona-Krise fehlten rund 70.000 kassenfinanzierte Therapieplätze für Kinder und Jugendliche. Die Auswirkungen der Pandemie haben den Versorgungsnotstand weiter verschärft. „Es kann nicht sein, dass Jugendliche bzw. ihre Familien therapeutische Behandlungen, die nicht billig sind, zum überwiegenden Teil selbst finanzieren müssen“, so Moser. „Das schließt große Teile der Bevölkerung schlichtweg aus. Und wir wissen, dass gerade Jugendliche aus wirtschaftlich schlechter gestellten Familien derzeit besonders belastet sind. Sie brauchen Unterstützung und die muss leistbar sein.“
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