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Küken zur Verfütterung? Bundestag debattiert über Ausnahme von Tötungsverbot

© AFP 2021 / JOE KLAMARKüken
Küken - SNA, 1920, 01.04.2021
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Beim geplanten Verbot des Kükentötens in der Legehennenzucht ab 2022 ist nach einem Vorstoß des Bundesrats noch eine begrenzte Ausnahme im Gespräch. Es geht darum, dass das Töten von Küken als Futtertiere für Tierparks oder Wildtierauffangstationen unter strengen Voraussetzungen möglicherweise erlaubt werden könnte.
Die Bundesregierung stimmte diesem Vorschlag der Länderkammer nun inhaltlich zu, wie zuvor die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag) berichtete. Im weiteren Gesetzgebungsverfahren will sie demnach einen entsprechenden Formulierungsvorschlag dafür vorlegen.
Die vom Kabinett bereits beschlossenen Gesetzespläne liegen jetzt aber beim Bundestag. Die SPD-Tierschutzpolitikerin Susanne Mittag sagte der Zeitung: „Wir werden darüber diskutieren müssen, ob es hier Ausnahmen vom Verbot geben muss.“ Die SPD werde aber sicherstellen, dass sie „begrenzt ausfallen und keinesfalls scheunentorgroß“. Die CDU-Agrarpolitikerin Silvia Breher sagte, nötige Änderungen würden im Parlament beraten, ihr liege noch kein konkreter Vorschlag vor.

Küken als mögliches Tierfutter

Konkret geht es um bestimmte Vogelarten und Reptilien, die für eine artgemäße Ernährung auf ganze Tierkörper als Futter angewiesen sind – neben Küken auch Mäuse oder Ratten. Der Bundesrat hatte argumentiert: „Tierschutzethisch wäre es nicht sinnvoll, wenn hierfür andere Tiere aufgezogen und zum Zwecke der Verfütterung getötet werden müssen, obwohl männliche Küken aus Legelinien zur Verfügung stehen könnten.“
Nach den Gesetzesplänen von Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) soll das Kükentöten ab Anfang 2022 verboten werden. Stattdessen sollen Verfahren auf breiter Front einsetzbar sein, das Geschlecht im Ei zu erkennen und männliche Küken gar nicht erst schlüpfen zu lassen.
Ab Anfang 2024 sollen dafür nur noch Methoden erlaubt sein, die zu einem früheren Zeitpunkt beim Brüten funktionieren. Das soll Schmerz für das Embryo vermeiden. In Deutschland werden jährlich mehr als 40 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen routinemäßig getötet, weil sie keine Eier legen und nicht so viel Fleisch ansetzen.

40 Millionen Tiere nach dem Schlüpfen getötet

Nach Angaben der „Saarbrücker Zeitung“ wurden im Jahr 2020 in Deutschland mehr als 40 Millionen Tiere nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die der Zeitung vorliegt.
Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sagte dem Blatt, auch wenn die Zahl im Vergleich zu 2019 um fünf Millionen gesunken sei, „das Schreddern der männlichen Küken ist auch im letzten Jahr auf hohem Niveau weitergegangen“. Statistisch werde zwar nur die Anzahl der ausgebrüteten weiblichen Küken genannt. Aber die Regierung gehe von einem Geschlechterverhältnis 1:1 aus, erklärte der Grüne.
Krischer kritisierte, dass das von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auf den Weg gebrachte Gesetz über ein Verbot des Tötens frisch geschlüpfter, männlicher Küken ab kommendem Jahr immer noch nicht auf der Tagesordnung des Bundestages stehe. „Das muss jetzt aber zeitnah passieren, sonst ist es wieder für 2022 zu spät.“ Die Landwirtschaftsministerin stehe in der Pflicht, ihr Versprechen auch einzuhalten, forderte Krischer.
Ein Nerz - SNA, 1920, 31.03.2021
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