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Häufigere Tests an dritter Corona-Welle in Deutschland schuld? Was sagt die Statistik dazu

© AFP 2021 / INA FASSBENDERDas medizinische Personal zeigt in einem Corona-Autotestzentrum in Hagen, Westdeutschland ein Antigen-Schnelltestkit mit einem QR-Code., März 2021.
Das medizinische Personal zeigt in einem Corona-Autotestzentrum in Hagen, Westdeutschland ein  Antigen-Schnelltestkit mit einem QR-Code., März 2021. - SNA, 1920, 01.04.2021
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Die Schnelltests nehmen in Deutschland verstärkt ihren Lauf als Maßnahme, um die dritte Welle in den Griff zu bekommen. Und es entsteht der Eindruck, dass die höheren Testzahlen die Statistik der Neuinfektionen massiv belasten. Doch was passiert mit den Tests und den Corona-Zahlen wirklich?
Immer öfter gerät das Robert Koch-Institut (RKI) in Erklärungsnot. Nein, die steigende Zahl gemeldeter Corona-Neuinfektionen in Deutschland habe bisher nicht sonderlich mit den Schnelltests zu tun, meldet das Institut am heutigen Donnerstag. Es lasse sich „keine Verzerrung der Anzahl PCR-positiver Testergebnisse durch eine übergroße oder stark ansteigende Anzahl von positiven Antigentests nachweisen“.

Nur positive PCR-Tests gehen in Statistik - nicht die Schnelltests

Zwischen dem 8. und 14. März, als wöchentliche Gratis-Schnelltests eingeführt wurden, waren es RKI zufolge nur 4,4 Prozent der laborbestätigten PCR-Tests, denen ein positiver Schnelltest vorausging. Bis bis 28. März sind es dann sechs Prozent der allgemeinen PCR-Tests geworden.
Zwar soll das RKI über die positiven Schnelltests, in Testzentren, Apotheken oder Arztpraxen von geschultem Personal durchgeführt, informiert werden. Selbsttests für zuhause sind überhaupt nicht meldepflichtig. Dabei weist das RKI darauf hin, dass diese erst mit einem PCR-Test nachgewiesen werden müssen, um in die Statistik der Neuinfektionen zu geraten.
Sinnvoll erscheint in dieser Hinsicht, auf die Statistik der PCR-Tests zu schauen. Diese veröffentlicht das RKI pro Kalenderwoche. So wurden in Deutschland zuletzt zwischen dem 22. und 28. März insgesamt rund 131.000 Neuinfektionen gemeldet bei insgesamt 1,402 Millionen durchgeführten PCR-Tests (Positivenanteil 9,33 Prozent). Zwischen dem 1. und 7. März, also vor den Gratis-Schnelltests, wurden nur rund 72.000 Neuinfektionen bei 1,152 Millionen PCR-Tests bekannt (Positivenanteil 6,22 Prozent). Zum Vergleich: mitten im harten Lockdown, zwischen dem 11. und 17. Januar, wurden nur etwas weniger Neuinfektionen als letzte Woche übermittelt - rund 124.000 - bei 1,188 Millionen Tests. Der Anteil der positiven Tests lag bei 10,44 Prozent. Am häufigsten während der gesamten Corona-Pandemie wurde zwischen dem 14 und 20. Dezember getestet: rund 1,672 Millionen Tests ergaben den Rekordwert von rund 188.000 Neuinfektionen (Positivenrate 11,26 Prozent). Am wenigstens wurde im Winter in der Kalenderwoche vor dem Neujahr getestet, und trotzdem war die Positivenrate mit 15,36 Prozent am höchsten für die gesamte Corona-Zeit: nur 845.729 Tests ergaben 129.930 Neuinfektionen.
Also stimmt es nur teilweise, dass die zugenommenen PCR-Tests entsprechend mehr positive Fälle ergeben. Wichtiger erscheint deswegen der Anteil der positiven Tests, der die erste Winterhälfte konstant zwischen zehn und elf Prozent lag, dann Mitte Februar auf rund sechs Prozent gefallen und nun wieder auf 9,33 Prozent gestiegen ist. Wie groß der Anteil der symptomatisch bzw. asymptomatisch Infizierten an allen positiven Tests dabei ist, wird statistisch nicht erfasst und kann daher nicht interpretiert werden. Auffällig sind ebenfalls die im Vergleich zu der Lage vor der Impfkampagne deutlich abgenommenen Todesfälle.

Inzidenzwert immer noch Grundstein der Corona-Politik

Noch am 6. Mai letzten Jahres hatten Bund und Länder einen Sicherheitsmechanismus vereinbart, die Lockerungen rückgängig zu machen und sofort ein konsequentes Beschränkungskonzept umzusetzen und das RKI einzubeziehen, sollten sich wieder wenigstens 50 pro 100.000 Menschen in sieben Tagen infiziert haben. Seitdem wurde der Sieben-Tage-Inzidenzwert von 50 und 35 als Schwellenwert für die Lockerungen im Infektionsschutzgesetz verankert. Diese Orientierung der Corona-Politik auf die allgemeinen Inzidenzen als alleinigen Maßstab wird weitgehend kritisiert, vom ehemaligen Berater des Bundes in Gesundheitsfragen Prof. Dr. Matthias Schrappe sowie dem Epidemiologen Klaus Stöhr bis auf den Mathematikstudenten Patrick Schönherr. Letztere hatte neulich vorgeschlagen, die Inzidenzen mit Berücksichtigung der Positivenrate der Tests zu berechnen.
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Viel geändert hat sich seitdem gesetzlich kaum - bis auf ein Detail. Das 29. März gebilligte Gesetz zur Fortgeltung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite bringt eine Änderung in das Infektionsschutzgesetz. Nach dieser sind bei der Prüfung der Aufhebung oder Einschränkung der Schutzmaßnahmen insbesondere auch die Anzahl der gegen Covid-19 geimpften Personen und die zeitabhängige Reproduktionszahl zu berücksichtigen. Allerdings gilt das nur für ein paar Bereiche wie die Alkoholabgabe, Veranstaltungen und Ansammlungen und touristische Reisen. Weder die gastronomischen Einrichtungen noch andere Betriebe können von dieser Änderung profitieren.
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