„Schlag für die Demokratie“: Reaktionen auf Bundestagskandidatur-Rückzug von syrischem Flüchtling

Tareq Alaows  - SNA, 1920, 31.03.2021
Im Februar dieses Jahres hat der 31-jährige Tareq Alaows seine Bundestagskandidatur für Oberhausen und Dinslaken bekannt gegeben. Er wollte als „erste aus Syrien geflüchtete Person für den Bundestag kandidieren“. Jedoch musste Alaows seine Kandidatur aufgrund von Morddrohungen zurückziehen. Seine Entscheidung hat heftige Reaktionen hervorgerufen.
„Die hohe Bedrohungslage für mich, und vor allem für mir nahestehende Menschen, ist der wichtigste Grund für die Rücknahme meiner Kandidatur“, zitierte die „Welt“ die Stellungnahme von Alaows. Er habe auch während der Kandidatur „massive Rassismuserfahrungen“ gemacht.
In den sozialen Netzwerken brachten mehrere deutsche Politiker ihr Bedauern wegen Alaows‘ Rückzug zum Ausdruck. Viele zeigten sich empört über die Anfeindungen und den Rassismus, mit denen der 31-Jährige nach eigener Aussage konfrontiert worden war.
Bundesaußenminister Heiko Maas kritisierte die Anfeindungen gegen den Grünen-Politiker mit emotionalen Worten. Es sei erbärmlich für die deutsche Demokratie, dass Alaows‘ Kandidatur für den Bundestag an Bedrohungen und Rassismus scheitere, betonte Maas auf Twitter.
Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt bezeichnete den Vorfall als „hochgradig beschämend“ für die demokratische Gesellschaft und rief dazu auf, sich „solchen rassistischen Anfeindungen noch wirksamer entgegenzustellen“.
„Dass ein Bundestagskandidat sich wegen rassistischer Bedrohungen zurückziehen muss, ist eine Schande. Das muss uns empören – unabhängig von Parteizugehörigkeit und politischen Ideen“, teilte der Generalsekretär der CSU, Markus Blume, auf Twitter mit. Der Rückzug von Alaows sei ein „Schlag für die Demokratie“.
„Tareq Alaows zieht seine Bundestagskandidatur aufgrund rassistischer Anfeindungen und der Bedrohungslage für seine Familie zurück. Das macht nicht nur traurig, sondern wütend. Schaffen wir es auf Twitter ein Signal der Solidarität zu senden?“, twitterte der Grüne Europaparlamentarier und Geflüchtetenhelfer Erik Marquard.
Der AfD-Abgeordnete Bernhard Zimniok vermittelte in seinem Tweet eine andere Einstellung. „Laut Spiegel besitzt Hr. Tareq nach wie vor nicht die deutsche Staatsbürgerschaft, dürfte also sowieso nicht kandidieren“, so Zimniok. Er schreibt von „Rassismus-Vorwürfen, die nicht belegt werden“, um „in der Blase der Grünen eine #SolidaritätmitTareq zu erschwindeln.“ Der AfD-Politiker bezieht sich auf einen Bericht des „Spiegel“, in dem es heißt, dass Alaows die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt habe und seine Anwälte davon überzeugt seien, dass diese bis zur Bundestagswahl im September erteilt werden würde.
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