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Gute Luft in Bus und Bahn – Studie zu Ansteckungsgefahren im Nahverkehr

© CC0 / dmncwndrlch / PixabayBushaltestelle in Berlin (Symbolbild)
Bushaltestelle in Berlin (Symbolbild) - SNA, 1920, 31.03.2021
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Laut einer Studie der TU Berlin und der Charité ist die Ansteckungsgefahr im Berliner Nahverkehr gering. Grund ist danach die permanente Lüftung sowie oft geöffnete Fenster und Türen. Trennscheiben in Bussen verhindern, dass Aerosole vom Fahrgastraum zum Fahrerarbeitsplatz gelangen. Der Effekt von Masken war nicht Teil der Untersuchung.
Die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin ist anscheinend kein Treiber der Corona-Pandemie. Das ist zumindest das Ergebnis einer aktuellen Studie des Fachgebiets Experimentelle Strömungsmechanik der Technischen Universität Berlin sowie des Labors für Biofluidmechanik der Charité­-Universitätsmedizin Berlin. Ein Team von Wissenschaftlern hatte im Auftrag der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) experimentell die Ausbreitung von Aerosolen in verschiedenen Berliner U-Bahnen, Trams und Bussen untersucht. Hierfür nutzten die Forscher künstlichen Theaternebel sowie Aerosolmessungen, bei denen virenbehaftete Atemluft simuliert und von menschenähnlichen Puppen eingeatmet wird.

Regelmäßiges Lüften durch Öffnen der Türen

Sie stellen fest, dass die Fahrzeuglüftung sowie das gezielte Öffnen von Fenstern und Türen dafür sorgen, dass die Aerosolkonzentration um bis zu 80 Prozent reduziert wird. Nicht untersucht wurde der zusätzliche Einfluss von medizinischen und FFP2-Masken, wie sie derzeit von den Fahrgästen getragen werden.
Das Volumen eines Busses zum Beispiel entspricht in etwa dem eines mittelgroßen Konferenzraumes. Das Öffnen der Türen an jeder Haltestelle ist den Forschern zufolge damit vergleichbar, während einer Besprechung etwa alle eineinhalb Minuten die Fenster zu öffnen. Zusätzlich sind die Fahrgäste oft nur wenige Minuten in den Fahrzeugen unterwegs.

Kombination mit den Belüftungsanlagen

Die Forscher zeigten sich erfreut über die Ergebnisse. Christian Oliver Paschereit, Leiter des Fachgebiets Experimentelle Strömungsmechanik an der TU Berlin sagte:

„Es hat uns sehr gefreut, dass unsere neu entwickelte Messtechnik dazu beitragen konnte, die Ausbreitung von Aerosolen im öffentlichen Nahverkehr und damit das Ansteckungsrisiko mit Sars-Cov-2 zu beurteilen. Wir konnten hier zeigen, dass die Belüftungsanlagen als auch das Öffnen der Fenster und Türen die Aerosolkonzentration in den betrachteten Verkehrsmitteln sehr deutlich reduzieren.“

Ulrich Kertzscher, Leiter des Labors für Biofluidmechanik an der Charité, ergänzte:

„Es war eine spannende Herausforderung, unser Messsystem in den verschiedenen Fahrzeugtypen im Fahrbetrieb einzusetzen. Dass die Messergebnisse so positiv ausgefallen sind, hat uns tatsächlich überrascht, aber natürlich auch sehr gefreut. Wie erwartet müssen Maßnahmen ergriffen werden, aber das Öffnen der Fenster und Türen in Kombination mit den Belüftungsanlagen in den Bussen und Zügen reduzieren die Aerosolausbreitung deutlich.“

Mit Maske, Abstand und guter Lüftung

Auch der Auftraggeber zeigte sich zufrieden: Die BVG- Vorstandsvorsitzende Eva Kreienkamp sagte:
„Es freut mich sehr, dass diese Studie nun allen unseren Fahrgästen und Mitarbeitern bestätigt: Die Nutzung von Bussen und Bahnen stellt kein erhöhtes Ansteckungsrisiko dar. Mit Maske, Abstand und guter Lüftung sind wir weiterhin gemeinsam sicher unterwegs.“
Auch der Beweis, dass die Trennscheiben in Bussen den versprochenen Effekt haben, sorgt für Genugtuung. Das kommentierte Manuela Huetten, leitende Betriebsärztin und Pandemiebeauftragte der BVG so:

„Es war uns ein besonderes Anliegen, dass auch die Wirksamkeit der Trennscheiben in unseren Bussen unter Corona-Aspekten wissenschaftlich überprüft wird. Anders als bei U-Bahn und Tram sitzen unsere Fahrpersonale in unseren Bussen nicht in einer Kabine. Die Studie zeigt, dass die neu eingebauten Trennscheiben effektiv die Ausbreitung von Aerosolen aus dem Fahrgastraum zum Fahrpersonal verhindern und dieses gut abschirmen.“

Nachfrage-Einbruch auf 45 Prozent

Trotz einer Nachfrage von aktuell nur rund 45 Prozent der vergleichbaren Vor-Corona-Zeiträume fahren Busse und Bahnen der BVG weiterhin nach dem kompletten Fahrplan, im Schülerverkehr und auf einer Reihe von Buslinien sogar mit zusätzlichen Leistungen. So ist besonders viel Platz in den Fahrzeugen. Wo technisch möglich öffnen die Türen der Züge und Busse an allen Haltestellen automatisch. Die Erkenntnisse aus der Studie werden nun genutzt, um mit Lüftung und Fensteröffnung in den einzelnen Fahrzeugen mögliche Aerosolkonzentrationen gezielter zu reduzieren.
Als erstes Bundesland hatte Berlin im April 2020 das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Nahverkehr verpflichtend gemacht, um das neue Virus Sars-Cov-2 einzudämmen. Seit Januar 2021 sind medizinische oder Masken nach dem FFP2- oder KN95-Standard vorgeschrieben. Ab Mittwoch sind im Berliner Nahverkehr nur noch FFP2-Masken zugelassen.
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