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Tübinger Modellprojekt unter enormem Druck: Palmer überzeugt von Öffnungsstrategie

© REUTERS / KAI PFAFFENBACHStadtzentrum von Tübingen, Deutschland
Stadtzentrum von Tübingen, Deutschland - SNA, 1920, 30.03.2021
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In der Modellstadt Tübingen in Baden-Württemberg hat sich die Inzidenzzahl von Donnerstag bis Sonntag fast verdoppelt. Der Oberbürgermeister Boris Palmer erklärt warum und hält weiter an den Öffnungen fest.
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) sieht sein Corona-Modellprojekt massiv in der Kritik. Er erhalte deswegen auch Morddrohungen. „Das Modellprojekt steht seit heute sehr unter Druck“, sagte Palmer in einer Online-Gesprächsrunde mit Wissenschaftlern am Montagabend in Tübingen, von der die „Zeit“ berichtet hatte. Viele wünschten sich, dass das Projekt scheitere. Wegen Morddrohungen gegen ihn gebe es bereits eine dreistellige Zahl an Verfahren bei der Staatsanwaltschaft.

Inzidenz innerhalb weniger Tage fast verdoppelt

Insbesondere die Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag seien so verstanden worden, dass sie auch das Tübinger Modell in Frage gestellt habe, sagte Palmer laut Deutscher Presse-Agentur (DPA). Die Kanzlerin hat in der ARD-Sendung „Anne Will“ die Öffnungsschritten kritisiert und angedeutet, dass notfalls der Bund tätig werden könnte, wenn die Länder nicht handelten. Mehrere Länder wollen derzeit Modellprojekte mit Lockerungen starten.
Laut Palmer gibt es derzeit in Tübingen einen Anstieg der Fallzahlen. Den „Stuttgarter Nachrichten“ und der „Stuttgarter Zeitung“ sagte Palmer am Dienstag, die Sieben-Tage-Inzidenz in Tübingen sei bis Sonntag auf 66,7 gestiegen. Am vergangenen Donnerstag hatte der Wert nach Angaben der Stadt noch bei 35 gelegen und hat sich damit innerhalb weniger Tage fast verdoppelt.
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Ein Experiment mit offenem Ausgang

Palmer mache das keine Sorgen. Grund dafür sei aber ein Ausbruch in der Landeserstaufnahmestelle für Geflüchtete in Tübingen gewesen. „Das hat meiner Ansicht nach nichts mit unserer Öffnungsstrategie zu tun“, so Palmer gegenüber den Zeitungen. Der Oberbürgermeister verwies zudem darauf, dass ein Teil der höheren Inzidenzzahlen durch die mit der Öffnung verbundene intensive Testung zu erklären sei. An den öffentlichen Teststationen, die jeder Passant für die Innenstadt durchlaufen muss, seien viele unentdeckte Infektionen gefunden worden. Problematisch seien jene, die abends in der Stadt Party machten. Es sei aber jederzeit möglich, die Reißleine zu ziehen. „Das ist ein Experiment mit offenem Ausgang“, so Palmer.
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