Proteste in Myanmar: Todesopferzahl steigt auf 510

Proteste in Myanmar - SNA, 1920, 30.03.2021
Die Zahl der Todesopfer bei den seit Februar andauernden Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Teilnehmern von Massenprotesten in Myanmar ist nach Angaben der Hilfsorganisation Assistance Association of Political Prisoners (AAPP) auf 510 gestiegen.
Demnach sind seit dem 5. Februar, als die Massenproteste gegen die Militärs begannen, bis zum 29. März 510 Menschen bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei sowie dem Militär in Myanmar ums Leben gekommen. Die AAPP habe am Montag die Bestätigung von weiteren 14 Todesopfern vom 29. März bekommen, in den zurückliegenden Tagen seien 37 Menschen getötet worden. Laut der Vereinigung ist die Verifizierung der Todesfälle von Demonstranten und unbeteiligten Zivilisten im Gange, daher könnten, wenn jeder Tod bestätigt wird, die Zahlen eins zu eins steigen.
Die Details zu den angeblichen Straftaten würden ständig aktualisiert, daher könnten die Informationen über die Opferzahl innerhalb eines Tages geändert werden, heißt es in einer Facebook-Mitteilung der Organisation.
Außerdem befanden sich am 29. März insgesamt 2574 Personen landesweit in Gewahrsam. Die Anzahl schließe die offiziell verhafteten und angeklagten Personen ein, die Zahl der bei den Protesten festgenommenen Menschen sei wesentlich höher.
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Eine Reihe der Personen, die in den ersten Tagen nach dem Machtantritt des Militärs verhaftet worden seien, habe man in den letzten Wochen freigelassen.
In vielen Städten Myanmars sind Barrikadenkämpfe im Gange. Die Protestler bewerfen die Polizisten mit Steinen und setzen mit Hilfe von Zwillen Schleuderbälle ein, zudem fliegen Pfeile, die aus Sport- und selbstgebauten Bögen abgeschossen werden. Zur Zerstreuung der Protestierenden greifen das Militär und die Polizei zu Wasserwerfern, Tränengas, Gummigeschossen und Scharfmunition.
Die Sicherheitskräfte Myanmars veranstalten regelmäßig nächtliche Razzien und Durchsuchungen. Sie suchen und nehmen Demonstranten fest, die am Tag anhand von Fotos und Videoaufnahmen identifiziert worden waren. Die Angehörigen der bei solchen Razzien festgenommen Menschen haben oft keinen Kontakt zu den Betroffenen, der Aufenthaltsort vieler Verhafteter ist unbekannt.

Militärputsch und Proteste in Myanmar

Das Militär war in Myanmar an die Macht gekommen, nachdem die frühere Wahlkommission und die regierende Partei NLD jede Möglichkeit abgelehnt hatten, den angeblichen massiven Wahlbetrug bei der Parlamentswahl am 8. November 2020 zu untersuchen, bei der die NLD die absolute Mehrheit der Parlamentssitze gewonnen hatte. Das Militär verhängte den Notstand. Es entmachtete und verhaftete die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi und den Präsidenten Win Myint.
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Suu Kyi war am 1. Februar neben einigen anderen Führenden festgenommen worden. Seit Wochen fordern immer wieder Hunderttausende Demonstranten die Freilassung Suu Kyis und eine Rückkehr zur Demokratie.
In vielen Städten Myanmars finden täglich Massenproteste gegen die Militärregierung statt. Mehr als 70 Prozent der Staatsbediensteten, darunter auch Mediziner, haben sich der Kampagne des zivilen Ungehorsams gegen die Behörden angeschlossen und ihre Arbeitsplätze verlassen.
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