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Neandertaler-Gene können schweren Covid-19-Verlauf verursachen – oder davor schützen

aDNA (Symbolbild) - SNA, 1920, 30.03.2021
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Die DNA von den Neandertalern scheint im Zusammenhang mit Covid-19 ein zweischneidiges Schwert zu sein. Ein genetisches Erbe der Urmenschen beeinflusst die Anfälligkeit für Covid-19, ein anderes schützt davor. Das haben zwei Studien vom Max-Planck-Institut ergeben.
Das genetische Erbe der längst ausgestorbenen Neandertaler kann Menschen heute vor einem schweren Covid-19-Verlauf schützen: Die Neandertaler haben im menschlichen Genom Genvarianten hinterlassen, die das Risiko, bei einer Sars-Cov-2-Infektion schwer zu erkranken, wohl um gut 20 Prozent reduzieren. Das berichten Hugo Zeberg und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).
In einer früheren Arbeit hatten die Wissenschaftler allerdings andere Neandertaler-Genvarianten untersucht und herausgefunden: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen, die diese Genvariante geerbt haben, bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus Sars-Cov-2 künstlich beatmet werden müssen, ist etwa dreimal höher“, so Hugo Zeberg. So sei auch das Risiko zu sterben höher. „Das zeigt, dass unser Neandertaler-Erbe ein zweischneidiges Schwert ist. Es hat uns Varianten beschert, für die wir den Neandertalern gleichermaßen danken und sie verfluchen können“, erläuterte Zeberg.
Szene aus einer isländischen Saga - SNA, 1920, 20.02.2021
Germanistikstudenten bei der Übersetzung von Isländersagas „waren Feuer und Flamme“

Gene möglicherweise bereits in der Vergangenheit nützlich

Homo sapiens, der moderne Mensch, wanderte vor rund 40.000 Jahren aus Afrika in das bereits von Neandertalern besiedelte Europa ein. Dabei begegneten sich beide Menschenformen. Die Neandertaler starben daraufhin aus, allerdings verschwanden sie nicht völlig. Da sie in den letzten Jahrtausenden ihrer Existenz auch Nachwuchs mit modernen Menschen gezeugt hatten, sind Spuren ihres Erbguts bis heute in unserem Genom nachweisbar.
Die nun entdeckte schützende Neandertaler-Genvariante liegt in einem Bereich auf Chromosom Nummer 12 von insgesamt 23 Chromosomen-Paaren des Menschen. Die Gene dort bilden Enzyme, die am Abbau von Virus-Erbgut beteiligt sind ­ und die Neandertaler-Variante scheint dabei besonders effektiv zu sein. Bei den schädlichen Genen handelt es sich um eine Gruppe auf Chromosom Nummer 3.
Die Forscher zeigten weiter, dass die schützende Variante sich seit der letzten Eiszeit immer weiter durchgesetzt hat und sie heute bei etwa der Hälfte aller Menschen außerhalb Afrikas im Genom zu finden ist. „Es ist auffällig, dass diese Neandertaler-Variante sich in vielen Teilen der Welt durchgesetzt hat. Sie war möglicherweise nicht nur in der aktuellen Pandemie nützlich, sondern auch bereits in der Vergangenheit“, ergänzt Pääbo.
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