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Milliardenverlust von Großbanken: Bei Hedgefonds „Archegos“ hätten die Alarmglocken läuten müssen

© SNA / Alexej SuchorukowEuro-Währung (Symbolbild)
Euro-Währung (Symbolbild) - SNA, 1920, 30.03.2021
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Der hohe Verlust bei Großbanken wie der Credit Suisse ist durch den US-Hedgefonds „Archegos Capital“ verursacht worden. Fonds-Gründer Bill Hwang stand bei vielen Investmentbanken auf der schwarzen Liste. Dennoch konnte er zum zweiten Mal ein Multi-Milliardenportfolio aufbauen.
Die Credit Suisse (CS) warnte am Montag vor hohen Verlusten, nachdem der US-Hedgefonds „Archegos Capital Management“ in der vergangenen Woche Nachschussforderungen der schweizerischen Bank nicht nachgekommen sei. Die zweitgrößte Schweizer Bank und eine Reihe anderer Institute zögen sich nun aus den Positionen zurück. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg und andere Medien. Laut dem Zürcher „Tages-Anzeiger“ hat die Schweizer Großbank im Geschäft mit „Archegos Capital“ bis zu vier Milliarden Dollar verloren, die Insolvenz der Bremer Bank Greensill kostete die CS bereits bis zu drei Milliarden.

„Gigantische Risiken“

Wie die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) feststellt, würden Kunden Investmentgesellschaften wie „Archegos Capital“, die riskante Geschäfte tätigen und dabei mit hohen Schulden hantieren, schon fast nachlaufen. Die ultraniedrigen bis negativen Zinsen kämen solchen Anbietern entgegen. Schließlich führe die Dürre an den Kapitalmärkten dazu, dass Investoren immer höhere Risiken eingehen. Das zeigt laut dem „Tages-Anzeiger“ auf mehrere Probleme:
„Die Credit Suisse hat ein erhebliches Kulturproblem. Sind die Gewinnaussichten hoch genug, interessieren die Risiken nicht mehr. Und wie der Fall ‚Archegos Capital‘ zeigt, waren diese Risiken gigantisch. (...) Die Credit Suisse verliert aber mehr als nur viel Geld, schlimmer ist das weiter erodierte Vertrauen in die Spitze der Bank – in Chef Thomas Gottstein und noch mehr in den bald abtretenden Urs Rohner, seit zehn Jahren Präsident des Verwaltungsrates.“
Bloomberg zufolge musste „Archegos“ am Freitag wegen der Forderungen Aktien im Wert von mehr als 20 Milliarden US-Dollar verkaufen. Das „Wall Street Journal“ berichtete gar von 30 Milliarden Dollar. So kam es am Freitag bei den Aktien von „ViacomCBS“ zu einem Kurseinbruch von 27 Prozent. Auch andere Aktien wie „Discovery“ standen stark unter Druck.
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Gründer von „Archegos Capital“ bereits bei Insiderhandel erwischt

Eigentlich hätte man gewarnt sein können, „Archegos Capital“ wurde von Bill Hwang (56) gegründet. Wie das „Manager Magazin“ berichtet, hatte der Schüler des Hedgefonds-Pioniers Julian Robertson schon 2012 einen Hedgefonds schließen und eine Strafe wegen Insiderhandels akzeptieren müssen. In Hongkong habe ihn die Börsenaufsicht sogar lebenslang vom Handel ausgeschlossen.
Hwang gründete seinen ersten Fonds „Tiger Asia Management“ mit Geld seines Lehrers Julian Robertson. Der Fonds wurde bis zu der Finanzkrise mehrere Milliarden Dollar schwer und gewann Zeit seines Bestehens 16 Prozent pro Jahr an Wert. Dann jedoch warf ihm die US-Börsenaufsicht verbotenen Insiderhandel vor. Hwang soll vertrauliche Informationen aus Privatplatzierungen chinesischer Banken für Leerverkäufe genutzt haben. Insgesamt 44 Millionen Dollar musste er als Strafe und Entschädigung privater Kläger zahlen, machte danach aber unter neuem Namen und als Family Office weiter.

Höchster Tagesverlust seit der Finanzkrise

Wie Bloomberg erläutert, liefen viele der Aktiendeals über sogenannte Swap-Derivate, bei denen der Käufer nicht mit seinem Namen in Erscheinung tritt. Formell blieben die Aktien so im Besitz der Banken. Hwang hielt das Kursrisiko von mehr als zehn Prozent einiger der großen Aktiengesellschaften, schreibt das „Wall Street Journal“, unterlag aber keiner Meldepflicht. Zumindest Goldman Sachs soll sich der Identität Hwangs durchaus bewusst gewesen sein und den Investor von seiner schwarzen Liste gestrichen haben, um an dem Geschäft teilhaben zu können. Goldman gehörte auch zu den ersten Banken, die am Freitag Hwang-Aktien paketweise abstießen und so ihre Verluste vergleichsweise eingrenzen konnten – ebenso wie Morgan Stanley und die Deutsche Bank.In Goldmans Fall sollen es Papiere im Wert von 10,5 Milliarden Dollar gewesen sein. CS und die japanische Investmentbank Nomura hingegen müssen sich auf Milliardeneinbußen einstellen. Laut CS ist es zwar noch verfrüht, die Höhe des Verlustes zu beziffern, er könne aber „sehr bedeutend und wesentlich für unsere Ergebnisse des ersten Quartals sein“. Der Aktienkurs brach am Montagvormittag um 14 Prozent ein, der höchste Tagesverlust seit der Finanzkrise.
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