„Eine sehr ähnliche Sprache“: Borrell warnt vor Annäherung zwischen Russland und China

© Foto : Pressedienst des russischen Außenministeriums / Zur BilddatenbankDas Treffen des russischen Außenministers Sergej Lawrow mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi
Das Treffen des russischen Außenministers Sergej Lawrow mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi - SNA, 1920, 30.03.2021
Trotz der Meinungsverschiedenheiten mit China sollte die Europäische Union aus Sicht des Hohen Vertreters der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borell, bei der Annäherung von Moskau und Peking nicht nachsichtig sein.
In einem Beitrag im Blog des Europäischen Auswärtigen Dienstes bezog sich Borrell unter anderem auf das jüngste Treffen des russischen Außenministers, Sergej Lawrow, und seines chinesischen Amtskollegen, Wang Yi. Darin hatten die beiden Politiker betont, ihre technologische Unabhängigkeit vom Westen stärken zu wollen und die Länder aufgefordert, sich nicht mehr in die souveränen inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen.
Moskau und Peking würden eine sehr ähnliche Sprache verwenden, wenn sie über den Westen oder die USA sprechen, so Borrell. Der EU-Außenbeauftragte schlug jedoch vor, nachzuvollziehen, was die beiden Länder antreibe. „Wirtschaftlich zum Beispiel wollen beide Länder ihre Unabhängigkeit vom Westen erhöhen, aber sie spielen nicht in der gleichen Liga, wobei China eindeutig die Oberhand zwischen ihnen hat“, äußerte er.
Ein wichtiger Aspekt in den russisch-chinesischen Gesprächen sei die Energie: China brauche Öl und Gas, die es unter anderem aus Russland importiere. Gleichzeitig versuche Moskau, seine Energieexporte außerhalb der EU zu diversifizieren. Die Umsetzung dieser Absichten werde jedoch weder einfach vonstattengehen noch schnell erfolgen, da die für eine Diversifizierung erforderlichen Investitionen in die Infrastruktur enorm seien.
Produktion von Sputnik V - SNA, 1920, 29.03.2021
Impfstoff für 30 Millionen Menschen: Russland und China vereinbaren Herstellung von „Sputnik V“
Peking entwickelt auch Abkommen mit den Energiemächten Zentralasiens, das traditionell ein russischer Hinterhof ist.
Allerdings wäre es aus Borrells Sicht falsch, diese Beziehung nur vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus zu analysieren. „Die chinesisch-russische Annäherung basiert vor allem auf der Ablehnung demokratischer Werte und der Zurückweisung von alledem, was sie als ‚Einmischung‘ in ihre inneren Angelegenheiten ansehen“, behauptete er.
Die Entwicklungen der vergangenen Woche hätten gezeigt, dass die EU und China zwar in Bezug auf grundlegende Werte auseinandergehen würden, resümierte Borrell. „Das bedeutet jedoch nicht, dass wir in einigen Bereichen nicht zusammenarbeiten können und noch weniger, dass wir ein Interesse daran haben, Russland und China näher zusammenzubringen“, betonte er. Die Europäische Union solle sich bei den Beziehungen zu Peking an den Rahmen „Partner, Konkurrent, Rivale“ halten. Im Bezug auf Russland sollte die EU „zurückdrängen, einschränken und engagieren“.
Flaggen Chinas und der EU (Archivbild) - SNA, 1920, 25.03.2021
China nimmt nach EU-Sanktionen ausländische Firmen ins Visier – auch Adidas
Zuvor hatte der russische Außenminister, Sergej Lawrow, verkündet, Moskau habe keine Beziehungen mehr zur EU als eine Organisation, da „die gesamte Infrastruktur dieser Beziehungen durch einseitige Entscheidungen Brüssels zerstört worden“ sei. Allerdings werde Moskau bereit sein, die Zusammenarbeit auf der Grundlage der Gleichberechtigung sowie der Suche nach einem Interessenausgleich zu entwickeln.
Später bezeichnete Borrell Russland als einen „gefährlichen“ Nachbarn und forderte gleichzeitig die Aufrechterhaltung der Kanäle, die die Lösung von Fragen von gemeinsamem Interesse ermöglichen.
Ein Gebäude in der chinesischen Provinz Xinjiang, das offiziell als ein Berufsausbildungszentrum bekannt ist - SNA, 1920, 26.03.2021
China verhängt Sanktionen gegen Großbritannien wegen „Lügen” über Uiguren-Provinz
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bezeichnete Borrells Äußerung nicht nur als beleidigend und unwahr, sondern auch als „desinformierend“. Die Konfrontationsrhetorik sollte der Vergangenheit angehören, da sie einen verheerenden Schlag gegen das Ansehen des Westens bedeute.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала