Epidemiologen halten neue Corona-Impfstoffe in einem Jahr für notwendig - internationale Umfrage

© REUTERS / DADO RUVICAstraZeneca-Impfstoff
AstraZeneca-Impfstoff - SNA, 1920, 30.03.2021
Führende Epidemiologen und Virologen gehen laut einer Umfrage der „The People's Vaccine Alliance“ davon aus, dass die Welt aufgrund der sich ausbreitenden Coronavirus-Mutationen in einem Jahr oder schon früher neue oder modifizierte Impfstoffe benötigen kann.
Die aktuell eingesetzten Corona-Impfstoffe der ersten Generation werden gegen neue Varianten unbrauchbar und bräuchten Modifizierungen, so der Grundtenor der Mehrheit der Mediziner (88 Prozent). Zwei Drittel der befragten Forscher gehen davon aus, dass es weniger als ein Jahr bis dahin dauere. Grund dafür ist aus ihrer Sicht die geringe Durchimpfung der Bevölkerung, die es den Virusvarianten einfacher mache, überhaupt aufzutreten und sich anschließend weit auszubreiten.
An der Umfrage haben sich laut dem Urheber 77 Fachleute für Infektionskrankheiten aus 28 Ländern beteiligt, darunter an Johns Hopkins- und Yale-Universitäten, dem Imperial College, der Londoner Schule für Hygiene und Tropenmedizin, der Universität Cambridge, der Universität Edinburgh und der Universität Kapstadt. Der Urheber, die „The People's Vaccine Alliance“ (deutsch: Die Volksallianz der Impfstoffe), gilt als Koalition von über 50 Organisationen, darunter die Versicherungsfirma African Alliance, der britische Verband für Entwicklungshilfe Oxfam, die US-Denkfabrik Public Citizen und das Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS). Die Ergebnisse wurden von Oxfam am heutigen Dienstag veröffentlicht.

Aufhebung von Monopolen?

Auch plädierten fast drei Viertel der Befragten für einen offenen Austausch von Technologien und geistigem Eigentum. Dieser könnte aus ihrer Sicht die weltweite Durchimpfung erhöhen. In diesem Zusammenhang fordert die „People's Vaccine Alliance“ eine Aufhebung der pharmazeutischen Monopole und den Transfer von Funktionen, damit die Impfstoffversorgung erhöht wird.
Die Verteidigung der Monopole der Pharmakonzerne durch ein reiches Land bedeute, schreibt Oxfam weiter, dass die weltweiten Lieferungen künstlich rationiert werden und eine Handvoll Unternehmen entscheiden würde, wer lebe und wer sterbe. Anfang dieses Monats blockierten die reichen Länder einen Vorschlag, auf Rechte an geistigem Eigentum für Covid-19-Impfstoffe zu verzichten. Diesbezüglich fordert die „People's Vaccine Alliance“ die Länder nachdrücklich auf, diesen Trotz bei den Gesprächen der Welthandelsorganisation im April zu überdenken.
Der russische Impfstoff Sputnik V (Symbolbild) - SNA, 1920, 16.03.2021
Chef des Gamaleja-Zentrums: „Sputnik V“ schützt vor britischer Corona-Mutation
Bisher hieß es von den Herstellern des Biontech/Pfizer-Impfstoffes, dass die Anzahl der Antikörper bei südafrikanischer Mutation deutlich zurückgehe, der Impfstoff aber trotzdem schwere Krankheitsverläufe verhindere. „Hinweise auf eine substantiell verringerte Wirksamkeit der Impfstoffe gibt es bislang nicht“, schrieb das Robert Koch-Institut Mitte März über die bisher in der EU zugelassenen Impfstoffe mit Blick auf die britische Mutation B117. Auch der Hersteller des russischen Impfstoffes „Sputnik V“ erklärte seinerseits, dass der Vektor-Impfstoff vor der britischen Mutation schütze.
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