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Neues bei „Maybrit Illner“: Ein Polit-Talk als Poetry-Slam

Karl Lauterbach (Archivbild) - SNA, 1920, 26.03.2021
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„Wir müssen reden“ – diesen Satz sagt Maybrit Illner von Jahr zu Jahr jede Woche zu Beginn ihrer TV-Talks. Man fragt sich längst, ob wir das wirklich „müssen“, wenn das Thema immer das gleiche ist und die meisten Studiogäste zu Stammgästen geworden sind? Oder geht es in erster Linie um das „Reden“ – damit sich die Gäste bloß in ihrer Eloquenz üben?
Auf diesen Gedanken kamen sicherlich viele Zuschauer am Donnerstagabend: Meist schon seit langem bekannte Talkshow-Akteure waren auf dem Bildschirm zu sehen, bei denen man im Voraus ahnen konnte, was diese in der nächsten Stunde sagen würden.

Der „tapfere Mahner“ ruft zum „letzten Gefecht“ auf

Den mit Abstand häufigsten Gast der Corona-Talks, den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, stellte die Moderatorin als „den großen und tapferen Mahner und Warner“ vor – dabei wussten die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer seit Monaten, wer dieser dürre Brillenträger ist und was er im nächsten Moment sagen würde. Längst bekannt sind sogar so manche Lieblingswörter des Politikers, wie etwa das Wort „fulminant“. Die dritte Corona-Welle, die gerade über Deutschland rollt, sei „fulminant“ – dieses Wort gebraucht Lauterbach bereits in seinem mindestens dritten TV-Talk.
Natürlich plädierte der „tapfere Mahner“ auch diesmal für einen weiteren Lockdown. Dies werde aber „das letzte und das schwerste Gefecht“ sein gegen das Virus, behauptete der Experte. Warum dies das „schwerste“ sei, begründete Lauterbach damit, dass die neueste britische Virus-Mutante viel ansteckender sei und vor allem Menschen im jungen und mittleren Alter treffe.
„Weil die B.1.1.7-Variante so viel schwerer verläuft, werden wir in den nächsten Monaten viele Leute in der Altersgruppe 40 bis 70 haben, die überhaupt nicht damit rechnen, jetzt chronisch krank zu werden oder sogar zu versterben.“
Das „letzte“ sollte dieses Gefecht sein, weil demnächst der Sommer komme, der dem Virus den Garaus machen würde. „Im Sommer haben wir es dann geschafft“, versicherte er.
Kann man dem wirklich glauben? Immerhin soll nach dem Sommer aller Wahrscheinlichkeit nach wieder der Herbst kommen und mit dem wahrscheinlich auch brandneue Virus-Mutanten. Kommt dann vielleicht ein weiteres „letztes Gefecht“? Merkwürdig jedenfalls, dass der Epidemiologe seine optimistische Sommerprognose nicht mit Impfungen begründet hat, die endlich an Fahrt gewinnen sollten…
Leiterin der politischen Talkshow Anne Will - SNA, 1920, 22.03.2021
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„Bankrotterklärung der Politik“

Das einzige einigermaßen neue Gesicht bei der Illner-Runde am Donnerstagabend war Düzen Tekkal. Die Autorin und Filmemacherin wollte das Wort „Lockdown“ nicht mehr hören, denn „das ewige Lockdown ist eine Bankrotterklärung der Politik“. Das Vertrauen zwischen Bürgern und Politikern sei erschüttert – nach dem blamablen „Osterruhe“-Rückzieher der Kanzlerin erst recht. Sie wäre dafür, dass aus „Wutbürgern Mutbürger“ gemacht werden – ein Slogan, den sich so manche Politiker im Vorfeld der bevorstehenden Wahlschlachten merken sollten. Vielleicht auch ihre Wortschöpfung „Mutrepublik“.
Ihre Meinung teilte Claus Ruhe Madsen, der parteilose Oberbürgermeister von Rostock, der in seiner Stadt die Einwohner tüchtig testet und ihnen auf dieser Basis mehr Freiheiten erlaubt. Die Inzidenzzahlen stiegen zwar auch bei ihm – allerdings nicht stärker als in den Nachbarregionen, in denen viel weniger Freiheiten gestattet seien, behauptete er.

Oberbürgermeister als Poet

Der gebürtige Däne war auch der Eloquenteste am Tisch – besonders beeindruckend bei einem Nicht-Muttersprachler, der erst seit 1992 in Deutschland lebt. Eine poetische Veranlagung verriet der Oberbürgermeister an dem Abend mehrfach. Hier ein paar Kostproben:
„Deutschland ist ein Riesentanker geworden. Den müssten wir möglichst schnell in einen Hafen bringen und daraus ein Schnellboot machen.“ Oder: „Menschen sind wie Wasser, die suchen sich ihren Weg.“ Sein provokantester Spruch lautete aber:
„Wir sind doch ein Land der Denker und Lenker, und jetzt auf einmal der Schließer und Henker!“
Gehenkt wurde in Deutschland zwar Gott sei Dank schon lange niemand, ein besserer Reim fiel dem Dichterling anscheinend nicht ein.
Seinen Satz „Wir brauchen Angebote statt Verbote“ würde aber wiederum eine Partei wie die FDP für die bevorstehende Wahlkampagne bestimmt gerne kaufen.
Da es immerhin um Ostern geht, wurde Margot Käßmann zugeschaltet. Die namhafte Theologin bemühte sich ebenfalls, poetisch zu sprechen, und verglich den Kirchenbesuch mit einem Supermarkt-Shopping, denn für viele Menschen sei ein Dialog mit Gott genauso wichtig „wie Lebensmittel“. Gerne teilte sie auch die vom Rostocker OB gebrauchte Metapher mit der Kerze als einem Symbol von Hoffnung – egal, wie abgedroschen diese Metapher sein mag.
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