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Freiheiten mit Tagesticket und QR-Code: Saarland und NRW wollen im Lockdown wie Tübingen vorgehen

© AFP 2021 / THOMAS KIENZLEMenschen sitzen im Außenbereich eines Cafés in Tübingen, den 20. März 2021
Menschen sitzen im Außenbereich eines Cafés in Tübingen, den 20. März 2021 - SNA, 1920, 26.03.2021
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Seit einiger Zeit präsentiert Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer das Konzept „Öffnen mit Sicherheit“ als Alternative zum „ewigen Lockdown“. Nun wollen auch Nordrhein-Westfalen und Saarland den Menschen mehr Freiheiten durch Schnelltests gewähren. Wie geht das?
Regelmäßig meldet sich Palmer (Grüne) auf Facebook zu Erfolgen der Initiative. Er habe nach dessen Einführung nur glückliche und fröhliche Menschen getroffen und wolle weitermachen.
Seit anderthalb Wochen ist die Gastronomie, Hotellerie und Kultur in Tübingen für die negativ Getesteten geöffnet. Dafür sind neun Schnellteststationen in Betrieb gegangen, wo man sich kostenlos mit einem Schnelltest testen kann und bei einem negativen Ergebnis dann ein „Tagesticket“ für Läden, Restaurants und Friseursalons bekommen. Kürzlich wurde das Tagesticket noch in ein angeblich fälschungssicheres Armband mit einem QR-Code umgewandelt, der nach etwa 20 Minuten mit dem Smartphone gescannt werden kann. Auf einer aufgerufenen Webseite kann man das Testergebnis dann abberufen. Wie ein kleiner Impfpass, bevor dieser da ist.
Der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Maroš Šefčovič, in einer Sitzung des EU-Parlaments, den 25. März - SNA, 1920, 26.03.2021
EU-Parlament leitet Eilverfahren für „grünen“ Impfpass ein
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Modell in einer Regierungserklärung am Dienstag quasi abgesegnet, als sie die Kommunen zu mehr Kreativität bei der Bewältigung der Corona-Pandemie aufforderte. Es sei keinem Bürgermeister und keinem Landrat verwehrt, wie in Tübingen vorzugehen, so Merkel.

Macht NRW bald ähnlich?

Und schon will Köln offenbar folgen. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ unter Berufung auf die Regierungskreise berichtet, will die Stadt in Nordrhein-Westfalen nach Ostern die Möglichkeit schaffen, unter relativ normalen Verhältnissen einkaufen zu gehen sowie Sportstätten oder Museen zu besuchen. Die Stadt soll als eine der Modellstädte ausgewählt worden sein, in der Öffnungsschritte mit dem Tübingen ähnlichen Konzept geprobt werden sollen. Auch Aachen, der Kreis Warendorf sowie Winterberg sollen als Modellregionen ausgewählt worden. Der Kreis Euskirchen bewirbt sich aktuell dafür.
„Tübinger Tagesticket - SNA, 1920, 26.03.2021
Normales Stadtleben wiedergewinnen: So funktioniert „Tübinger Tagesticket“ – Video
Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte zuvor im Düsseldorfer Landtag das Modellprojekt in seinem Land angekündigt. Die Landesregierung werde solche befristeten Projekte „schnell nach Ostern möglich machen“, sagte Laschet. Dann könnte etwa erprobt werden, mit negativem Corona-Test wieder Kinos, Sport- oder Kulturveranstaltungen zu besuchen. „Lockdown ja, Lockdown nein müssen wir überwinden“, sagte der CDU-Chef. Vorbildlich seien die Öffnungskonzepte in Tübingen. Man brauche Tübingen überall, aber allerdings nicht Tübingen kopiert.

Saarland will auch öffnen

Auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) kündigte am Donnerstag an, die Beschränkungen nach Ostern in einem „Modellprojekt“ anzupassen und vieles grundsätzlich lockern. Während andere Länder wie Bremen die Regeln hingegen notgedrungen wieder verschärfen, sollen in Saarland nach Plan gleich nach Ostern Kinos, Theater, Fitnessstudios und die Außengastronomie wieder öffnen. Für den Besuch braucht man allerdings einen negativen Schnelltest, der höchstens 24 Stunden alt ist. „Es muss uns nach einem Jahr Corona-Pandemie mehr einfallen als nur zu schließen und zu beschränken“, sagte Hans. Ob man den Menschen dementsprechend auch mehr kostenlose Schnelltests zur Verfügung stellen will, blieb unklar. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Saarland liegt derzeit ohnehin rund bei 70 und hiermit viel niedriger als bundesweit. Der Wert entscheidet über die Lockerungen mit, die Methodik wird aber öfter kritisiert.
Erstklässler der 39. Dresdner Grundschule sitzen in ihrem Klassenzimmer nach den Lockerungen des Lockdowns  in Dresden, Ostdeutschland, am 15. Februar 2021. Symbolfoto - SNA, 1920, 22.03.2021
„Fieser Angriff“ auf Merkel und RKI? Brisantes Inzidenz-Video von Mathestudent schlägt hohe Wellen
Das Vorgehen Saarlands mit den Lockerungen bleibt inzwischen auch nicht ohne Kritik. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) merkte am Donnerstag in Schwerin an, dass sie dafür kein Verständnis habe. „Solidarität ist keine Einbahnstraße“, meint Schwesig. Das Das Saarland erhalte sowieso 80.000 zusätzliche Dosen Impfstoff, weil es dort die südafrikanische Mutation gebe. „Wie sollen andere Länder ihren Bürgern erklären, dass sie keine zusätzlichen Impfstoff erhalten und diese Öffnungsschritte nicht gehen können?“, will Schwesig wissen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach beklagte seinerseits in der „Rheinischen Post“ ein "Experiment, das zu einer schnellen Verbreitung gefährlicherer Mutationen in Deutschland führen kann“.
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