Adieu, Spritze: Die Impfung zum Schlucken steht in den Startlöchern

© REUTERS / STEPHANE MAHEKrankenschwester verabreicht Impfung gegen Corona.
Krankenschwester verabreicht Impfung gegen Corona. - SNA, 1920, 25.03.2021
Eine US-israelische Firma will mit einem indischen Pharmaunternehmen eine Schluckimpfung an Menschen erproben. Der Ansatz verspricht eine höhere Immunisierung als aktuelle Impfstoffe. Der erste Impfstoff dieser Art ist es aber nicht – drei befinden sich in Phase 1, ein chinesisches Nasenspray gegen Covid und Grippe sogar in Phase 2.
Impfstoffe, die in Muskelgewebe gespritzt werden, bringen eine Reihe von Einschränkungen mit sich. Die offensichtlichste ist, dass medizinisches Personal für die Impfungen benötigt wird, das nur in begrenztem Maße verfügbar ist. Außerdem ist insbesondere bei mRNA-Impfstoffen eine permanente Kühlung wichtig. Wird diese unterbrochen, kann der Impfstoff nicht mehr eingesetzt werden. Das ist vor allem bei Transporten in andere Länder ein Problem. Aber ein nicht minder wichtiger Aspekt ist auch, dass die Injektion in Muskelgewebe das Immunsystem nicht so stark anregt wie ein Kontakt mit der Schleimhaut.

Darm oder Nase: Spray und Kapsel bringen Impfstoffe an die Schleimhaut

Seit längerem arbeiten verschiedene Forschungsteams weltweit deswegen an Impfstoffen, die genau dort wirken. Die Universitäten von Hongkong und Xiamen arbeiten etwa mit dem Pharmaunternehmen „Wantai Biological Pharmacy“ schon seit längerem an einem Nasenspray, das als Doppel-Impfstoff gegen Grippe und Covid-19 immunisieren soll. Sie befinden sich derzeit in der zweiten Phase einer klinischen Studie.
Ein anderer Ansatz ist die Impfung zum Schlucken. Dabei wird der Impfstoff in einer säurebeständigen Kapsel geschluckt und das Immunsystem erst beim Eintritt in den Darm an der Darmschleimhaut auf den Plan gerufen. Hier laufen bereits drei Phase-I-Studien: Beim Schluckimpfstoff aus den USA von „Immunity-Bio“ kommt dasselbe Trägervirus zum Einsatz wie im Astrazeneca-Impfstoff, bei dem Impfstoff von „Vaxart“ handelt es sich um ein verabreichtes Oberflächenprotein des Virus, und beim kanadischen Impfstoff von „Symvivo“ werden sogar Bakterien verabreicht, die einen DNA-Impfstoff in den Darm einbringen.

Virusähnliche Partikel für breiten Impfschutz

Nun stößt ein weiteres Unternehmen namens „Oravax“ hinzu, wie der „Business Insider“ unter Berufung auf die „Jerusalem Post“ berichtet. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsunternehmen der US-israelischen Firma „Oramed“, die eigentlich Insulin zur oralen Einnahme entwickelt, und des indischen Pharmaunternehmens „Premas Biotech“. Hier sollen virusähnliche Partikel (VLP) zum Einsatz kommen, die nicht nur mit dem Spike-Protein, sondern gleich mit drei Oberflächenproteinen des SARS-CoV-2 ausgestattet werden. Im Gegensatz zu wirklichen Viren sind virusähnliche Partikel leere Hüllen, in denen die Proteine verankert sind. Über ein Erbgut verfügen sie nicht und können sich folglich im Körper unter keinen Umständen vermehren.
Dieser Schluckimpfstoff soll sich bereits an Tieren als erfolgreich erwiesen haben und bald in die erste Phase einer klinischen Studie übergehen. Dadurch dass das Immunsystem hier gleich mit mehreren Oberflächenmerkmalen des SARS-Coronavirus-2 Kontakt hat, soll der Impfstoff außerdem einen breiteren Impfschutz, etwa gegen neu aufkommende Mutanten, bieten.
Damit der Impfstoff überhaupt wirkt, enthält die magensaftresistente Kapsel eine Reihe Zusätze. Sie setzt Stoffe frei, die die Enzyme im Darm davon abhalten, die Partikel abzubauen. Außerdem lockern weitere Stoffe Verbindungen zwischen Zellen der Darmoberfläche, damit die Partikel in die Blutbahn durchdringen können.
Auch in Deutschland wird an einer Schluckimpfung gearbeitet. Konkret geht es hierbei um einen Typhus-Covid-Impfstoff, der in Form eines abgeschwächten Typhusbakterium verabreicht wird, das gentechnisch um das Spike-Protein erweitert wird.
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