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Falsch-positiv auf Malle gestrandet? Schnelltests erfüllen nicht Mindestanforderungen der WHO

© Apotheke an der Wien, Wien ÖsterreichCovid-19 Schnelltestkit "Wohnzimmertest" in Österreich
Covid-19 Schnelltestkit Wohnzimmertest in Österreich - SNA, 1920, 24.03.2021
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Corona-Schnelltests zeichnen sich durch hohe Fehlerraten aus. Zwar erfüllen einige wenige von ihnen die Mindestvoraussetzungen der WHO, aber bei symptomfreien Testpersonen sind sie kein sinnvolles Werkzeug. Zu diesem Ergebnis kommt eine Übersichtsstudie, die 64 Studien verglichen hat.
Durch massive Corona-Schnelltests soll trotz Lockdown ein Stück weit Normalität in der Pandemie erreicht werden. Solche Ziele verfolgen die Tübinger mit dem Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit; und auch wenn es um Flüge nach Mallorca geht, sind Tests die Lösung der Stunde. Dabei setzen die Fluggesellschaften bei Rückreisenden aus Mallorca auf Antigen-Schnelltests.
Aber Schnelltests, bei denen die Probe nicht erst in ein Labor verschickt werden muss und das Ergebnis in Minuten bereitliegt, sind nicht immer und auch nicht gleich zuverlässig. Das zeigt eine aktualisierte Cochrane-Überblicksstudie, in die Ergebnisse von insgesamt 64 Studien eingeflossen sind. Untersucht wurde die Genauigkeit der Tests bei Menschen mit Covid-19-Symptomen und solchen ohne Symptome.
Das Ergebnis: Antigentests weisen Erkrankungen deutlich besser bei Menschen mit als bei Menschen ohne Symptome nach, sind aber in beiden Fällen in aller Regel nicht ausreichend genau.

Mehr als ein Viertel fälschlicherweise als erkrankt identifiziert

Mit Symptomen wiesen die Tets im Schnitt bei 72 Prozent der Covid-19-Erkrankten ein korrektes positives Ergebnis nach. Im Umkehrschluss bedeutet das eine Rate von falsch-positiven Ergebnissen – also Menschen, die fälschlicherweise als erkrankt identifiziert werden – von 28 Prozent, also mehr als einem Viertel aller Fälle. Dabei waren die Ergebnisse in der ersten Woche nach Einsetzen der Symptome etwas besser – 78 Prozent der Erkrankten wurden hier korrekt positiv bestimmt. Ohne Symptome wurden Träger von Sars-Cov-2 nur in 58 Prozent der Fälle korrekterweise als positiv identifiziert, 42 Prozent waren falsch-negativ.
Deutsche-polnische Grenze - SNA, 1920, 22.03.2021
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Tests können Infektion fast ausschließen

Immerhin sollen Antigentests eine Infektion bei Covid-19-ähnlichen Symptomen in 99,5 Prozent der Fälle korrekt ausgeschlossen haben und in 98,9 Prozent der Fälle bei symptomlosen Menschen. Damit liegt die Falsch-negativ-Rate – also der Prozentsatz von Menschen, die als nicht infiziert bestimmt werden, obwohl sie Sars-cov-2 in sich tragen – bei zufälligen Testungen bei knapp einem Prozent. Bei Personen, die sich wegen Symptomen testen lassen liegt dieser Wert sogar bei nur einem halben Prozent.

Genauigkeit hängt vom Hersteller ab

Die Genauigkeit der Tests hängt in extremem Maße vom Hersteller ab. Am schlechtesten schneidet der Test „Coris Bioconcept Assay“ mit 34 Prozent richtiger Identifizierung der Erkrankter ab. Zwei Drittel der Erkrankten werden also als solche nicht erkannt. Das beste Resultat dagegen erzielt der Test „SD Biosensor STANDARD Q Assay“ mit 88 Prozent.
Die Autoren des Überblicks verdeutlichen das Ergebnis mit den zwei stärksten Tests: bei dem einen bei Menschen mit Symptomen von einer Covid-19 Erkrankung, bei dem anderen bei symptomfreien Personen.
Bei 1000 Personen mit Symptomen, unter denen 50 wirkliche Covid-19-Fälle sind, dürfte der Test 40 korrekt als Virusträger erkennen, während sechs bis zwölf Fälle übersehen werden. Fünf bis neun der positiven Ergebnisse würden sich bei einer Überprüfung dagegen als falsch herausstellen.
In der Realität werden aber überwiegend symptomfreie Personen getestet und die Zahl der Infizierten ist unter diesen deutlich niedriger. Das Rechenbeispiel hier: In einer Gruppe von 10.000 symptomfreien Personen, von denen 50 infiziert sind, würden nur 24 bis 35 korrekt als infiziert erkannt, 15 bis 26 Fälle übersehen und 90 bis 189 falsch positiv bestimmt werden.
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Nützlich bei Menschen mit Symptomen

Die Erstautorin der Arbeit, Jacqueline Dinnes, betont deshalb: „Unsere Übersichtsarbeit zeigt, dass einige Antigen-Tests nützlich sein können, wenn bei Menschen mit Symptomen ein Verdacht auf Covid-19 besteht. Diese Tests scheinen bei Menschen, die keine Symptome von Covid-19 haben, nicht so gut zu funktionieren. Die Bestätigung eines positiven Ergebnisses aus einem Schnelltest mit einem RT-PCR-Test kann, insbesondere bei einer geringen Häufigkeit von Covid-19-Fällen, helfen, unnötige Quarantäne-Maßnahmen zu vermeiden. Alle Antigentests übersehen einige Personen mit einer Infektion. Daher ist es wichtig, Personen, die ein negatives Testergebnis erhalten, klar zu machen, dass sie trotzdem infiziert sein können.“
Die Forscherin betont aber auch, dass die Genauigkeit des Tests vom Anwender variiere. Das heißt: Je mehr Erfahrung das medizinische Personal in solchen Tests hat, desto besser werden sie durchgeführt und desto vertrauenswürdiger sind in der Folge die Ergebnisse.

Aber: erfüllen nicht die Mindestanforderungen der WHO

So oder so erfüllen etliche der Tests, die Mindestanforderungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht. Diese sehen vor, dass ein Test mindestens 80 Prozent der Menschen mit einer Infektion korrekt ausmacht und dass er 97 Prozent nicht infizierter Personen verlässlich ausschließt.

Wie steht es um die Tests in Deutschland?

Das Bundesministerium für Gesundheit teilt auf SNA-Anfrage mit, dass man mit einer Reihe Antigen-Testhersteller Absichtserklärungen unterzeichnet habe. Dabei habe man sich an den Vorgaben des Paul-Ehrlich-Instituts für Antigentests orientiert, die wiederum dem WHO-Standard entsprechen. Die Tests dürften damit relativ sinnvoll im Einsatz bei Menschen mit Symptomen sein.

Rückkehr von Malle

Bei symptomfreien Reiserückkehrern dürften aber einige falsch-negativ ausfallen und damit zum Infektionsgeschehen im Land weiter beitragen und eine noch größere Menge falsch-positiv.
Ob letztere dann auf Mallorca in Quarantäne verbleiben müssen oder sofort mit einem PCR-Test nachgetestet werden, steht noch in den Sternen oder wie es auf SNA-Anfrage vom Bundsverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft heißt: „Alle Details sind noch offen.“ Fakt ist, dass neben solchen Detailfragen auf der Insel auch die nötige Infrastruktur geschaffen werden müsse: Denn das Flughafenzentrum mit seiner Kapazität von 120 Menschen am Tag könne das nicht stemmen. So müssten kleine Testzentren in die Hotels selbst verlagert werden, um das Passagieraufkommen unter Kontrolle zu kriegen.
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