„Betriebesterben verhindern“ - Zentralverband Deutschen Handwerks

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Geschäft in Tübingen - SNA, 1920, 23.03.2021
Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes Deutschen Handwerks, sieht vor dem Hintergrund der erneuten Lockdown-Verlängerung viele Betriebe vor dem Kollaps.
Zwar nicht überraschend, aber dennoch ein großer Schock für viele Handwerksbetriebe sei die von Bund und Ländern beschlossene Verlängerung des Lockdowns, sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes Deutschen Handwerks (ZDH) in einer aktuellen Pressemitteilung. Die Aussicht auf die erhofften Öffnungen rücke damit erneut in die Ferne. „Damit mag ein Kollaps des Gesundheitssystems vermieden werden. Ein breitflächiger Betriebe-Kollaps wird jedoch immer wahrscheinlicher“, so Wollseifer.
Angesichts eines weiterhin fehlenden Planungshorizonts, dazu auch noch stockender oder unzureichender Überbrückungshilfen, würden viele Betriebe nicht überleben können. Ihnen werde keine Chance gegeben, durch eigenes Zutun über Hygiene- und Abstandskonzepte oder testungsbegleitete Öffnungen ihren Kollaps zu verhindern.
„Dazu darf es aber nicht kommen“, mahnt Wollseifer. „Denn diese Betriebe brauchen wir dringend, um wirtschaftliches Leben in der Nach-Corona-Zeit wieder in Schwung zu bringen und Beschäftigung und Ausbildung zu sichern.“
Insofern sei es richtig, dass die Bundesregierung ein ergänzendes Hilfsinstrument für besonders schwer und über eine sehr lange Zeit von Schließungen betroffene Betriebe entwickeln wolle. Allerdings werde dies nur wirken können, wenn die Betriebe dann anders als bei vorherigen Programmen auch wirklich unbürokratisch und sehr schnell an die Hilfen kämen.

„Jetzt rächen sich mit aller Wucht politische Versäumnisse vor allem beim Impfen und bei der digitalen Nachverfolgung von Infektionsketten. Wir wollen, dass alle gesund bleiben, wir testen, damit alle gesund bleiben. Aber dann muss Politik auch dafür sorgen, dass geimpft wird, was das Zeug hält, damit alle gesund bleiben.“

Nach wie vor hake es bei der nur schleppend angelaufenen Impfkampagne, und das habe fatale Folgen. Versäumnisse bei der Impfstoffbeschaffung, übermäßiger Impfbürokratismus und die zu späte Einbindung der Haus-, Fach- und Betriebsärzte dürften das Impftempo nicht derart drosseln, dass am Ende nur ein Dauerlockdown als Antwort bleibe. Jede Impfung sei ein Schritt hin zu mehr Normalität und damit auch wieder zu einer normaleren Geschäfts- und Betriebstätigkeit.

„Wir können es uns nicht leisten, hier auf der Stelle zu treten und etwa in den Impfzentren nicht verimpfte Dosen zu lagern. Impfstofflagerung kommt in diesen Zeiten einer Normalitäts-Blockade gleich.“

Für Handwerkerinnen und Handwerker sei es unverständlich, dass die Pandemie-Eindämmung im perspektivlosen Lockdown-Modus verharre, obwohl doch mit Impfungen, Testungen und umfassenden Hygienekonzepten weit mehr Instrumente als vor einem Jahr zur Verfügung stünden, kritisiert der ZDH-Präsident. Eine Testverpflichtung braucht es aus seiner Sicht hingegen nicht.

„Schon jetzt testen viele Handwerksbetriebe umfänglich ihre Beschäftigten und andere werden das in den nächsten Tagen umsetzen. Das ist umso bemerkenswerter, als das Handwerk kleinbetrieblich strukturiert ist und viele Gewerke nicht im Home-Office arbeiten können.“

Eine aktuelle Umfrage belege, dass rund die Hälfte der Handwerksbetriebe ihren Beschäftigten bereits Tests anbiete oder dies zeitnah plane. Bei den anderen scheitere es häufig nicht am Willen, sondern an fehlenden Test-Kits. Das zeige, dass der gemeinsame Appell der vier Spitzenverbände der Wirtschaft innerhalb kürzester Zeit auf breite Resonanz stoße, betont Wollseifer.

„Mit schnellem Impfen und mit Testen können wir losgelöst von einer Inzidenzfixierung wieder mehr öffnen. Ein solcher Strategiewechsel ist dringend notwendig, um ein massives Betriebesterben in den betroffenen Gewerken zu verhindern.“

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