Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

„Historisch niedrige Bettenauslastung“ im Corona-Jahr – Experten-Analyse

© AP Photo / Matthias SchraderIntensivpatient in Mühldorf
Intensivpatient in Mühldorf - SNA, 1920, 23.03.2021
Abonnieren
Eine Analyse der Krankenhausdaten für das „Ärzteblatt“ zeigt eine „historisch niedrige Bettenauslastung“ in deutschen Kliniken – und das mitten in der „schwersten Gesundheitskrise“. Auch Behandlungsfälle seien im Pandemie-Jahr 2020 um ganze 13 Prozent gesunken, so die Auswertung.
Stationäre Kliniken wurden seit dem Ausbruch der Coronaepidemie dazu verpflichtet, ihre Daten an das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus („InEK“) zu übermitteln. Zwei Gesundheitsforscher an der Technischen Universität Berlin (TU), Reinhard Busse und Ulrike Nimptsch, haben die Daten für den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2020 ausgewertet und diese mit den Daten des Vorjahres verglichen. Im „Ärzteblatt“ stellten sie die Ergebnisse ihrer Auswertung vor. Dabei sprechen sie von einer „historisch niedrigen Bettenauslastung“.
Demnach sei die Zahl der nach dem Fallpauschalensystem (Diagnosis Related Groups, DRG) abgerechneten Behandlungsfälle um 13 Prozent von 19,2 auf 16,8 Millionen Fälle gesunken. Der Rückgang bei den kleineren (bis 299 Betten) und mittleren (300 bis 599 Betten) Krankenhäusern sei ausgeprägter gewesen als bei den größeren (ab 600 Betten), so die Forscher.
Intensivstation (Symbolbild) - SNA, 1920, 22.03.2021
Dritte Corona-Welle: Erneut über 3000 Intensiv-Patienten in Deutschland

Rückgang bei Verweildauer und Bettenauslastung

Die mittlere Verweildauer habe sich laut den Daten um insgesamt ein Prozent von 5,98 auf 6,02 Tage verlängert. In den kleinen Krankenhäusern sei die Verweildauer um 0,09 Tage gesunken, während sie in den großen um 0,14 Tage zunahm. Die Verweildauertage sei mit zwölf Prozent fast so stark zurückgegangen wie die Fallzahlen: Bei den kleinen Krankenhäusern habe der Rückgang 15 Prozent betragen, bei den mittleren 13 Prozent und bei den großen elf Prozent.
Durch den Rückgang der Verweildauertage sei auch die Bettenauslastung deutlich zurückgegangen: So habe sich im DRG-Bereich die Bettenauslastung insgesamt von 75,1 Prozent im Jahr 2019 auf ein „historisches Allzeittief“ von 67,3 Prozent im vergangenen Jahr verringert. Dabei sei die Bettenauslastung in den kleinen Krankenhäusern um 9,7 Prozentpunkte auf 62,1 Prozent, in den mittleren um 8,3 Prozentpunkte auf 66,3 Prozent und in den größeren um sieben Prozentpunkte auf 71,2 Prozent gesunken.
Deutliche Unterschiede zwischen den Bettengrößenklassen stellten die Experten auch bei den Verweildauertagen auf den Intensivstationen fest. So seien die Zahlen in den kleinen Häusern um fünf Prozent und in den mittleren um zwei Prozent zurückgegangen, während sie in den großen Häusern um ein Prozent angestiegen seien.

Bettenabbau zur besseren Ausstattung der Kliniken?

Gesundheitsökonom Busse gilt vielen Kritikern als Befürworter eines Klinik- und Bettenabbaus im deutschen Gesundheitssystem. Er vertritt die Meinung, dass dadurch eine bessere Ausstattung in den Kliniken gewährleistet werden könnte. Dem Informationsportal „Nachdenkseiten“ teilte der Experte schriftlich mit:

„Wenn in der schwersten Gesundheitskrise seit Jahrzehnten das wesentliche Problem der Krankenhauslandschaft durch den Leerstand von überflüssigen Betten und Häusern verursacht wird (und nicht durch überfüllte Betten und Häusern), dann sollte endlich klar werden, dass eine echte Reform hin zu technisch und personell adäquat ausgestatteten Krankenhäusern überfällig ist.“

Nach seiner Darstellung seien leerstehenden Kapazitäten „nur zum geringsten Teil geschaffen worden. Sie seien überwiegend das Resultat einer anderen Nutzen-Risiko-Wahrnehmung auf Seiten von Patienten“, so Busse gegenüber den „Nachdenkseiten“.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала