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„Fieser Angriff“ auf Merkel und RKI? Brisantes Inzidenz-Video von Mathestudent schlägt hohe Wellen

© AFP 2021 / JENS SCHLUETERErstklässler der 39. Dresdner Grundschule sitzen in ihrem Klassenzimmer nach den Lockerungen des Lockdowns in Dresden, Ostdeutschland, am 15. Februar 2021. Symbolfoto
Erstklässler der 39. Dresdner Grundschule sitzen in ihrem Klassenzimmer nach den Lockerungen des Lockdowns  in Dresden, Ostdeutschland, am 15. Februar 2021. Symbolfoto - SNA, 1920, 22.03.2021
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In einem Video schlägt der Mathestudent Gmain Patrick Schönherr aus Bayerisch vor, die Inzidenzwerte in Relation zu den Gesamttests zu berechnen, um eine bessere Darstellung des Pandemiegeschehens zu haben. Seine Erklärungen schlagen im Netz gerade ein wie eine Bombe. Es gibt aber auch Hinweise auf einen Haken.
Das Video hatte Schönherr ursprünglich auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht, wo es unter seinen Landsleuten sofort viral gegangen war. Nach eigenen Angaben verschickte er es auch an die Abgeordneten des Bayerischen Landtags. In dem Video macht Schönherr auf die aktuell verwendete Formel der Inzidenz aufmerksam, die positive Fälle pro 100.000 EinwohnerInnen in den letzten sieben Tagen abbildet.
„Manchen von euch ist vielleicht schon aufgefallen, dass die Anzahl der negativen Tests in dieser Formel gar nicht vorkommt“, kommentierte der Student mit Blick auf die Daten für Berchtesgadener Land. Dabei mache es doch einen gravierenden Unterschied, ob den z. B. 83 positiven Tests 500 oder 5000 negative Tests gegenüberstehen, so der angehende Mathelehrer, jetzt Student im achten Semester Lehramt Mathematik und Physik. Als Lösungsansatz schlägt Schönherr vor, statt ausschließlich positiver Tests das Verhältnis „Zahl positiver Tests zu Gesamtzahl der Tests“ zu berücksichtigen, also die Testpositivenquote. Dann würde die Inzidenz für seinen Kreis in der 9. Kalenderwoche etwa nicht bei 78,3, sondern nur bei 18 liegen.
Nach einer vorübergehenden Blockierung hat Schönherr den öffentlichen Zugang zu seinem Video nun wieder freigeschaltet. Das Video scheint eben die Politik erreicht zu haben. „Reaktionen habe ich aber leider noch keine erhalten“, bemängelt Schönherr auf Facebook bezüglich der Politiker.

Lafontaine: Die Inzidenzwerte unbrauchbar, wenn...

Dafür sorgt aber ein Kommentar des prominenten Linkspolitikers Oskar Lafontaine zu dem Video für eine große Diskussion auf Facebook.
Unter der Überschrift „Fieser Angriff auf Merkel, Drosten, Söder, Lauterbach und Co. - Mathematikstudent wirft ihnen mit Blick auf Inzidenzwerte vor, sie könnten nicht rechnen“ stimmt Lafontaine dem 23-Jährigen zu. Die Inzidenzwerte seien unbrauchbar, wenn man nicht die Anzahl der durchgeführten Tests angebe, äußerte der Politiker, und man könne die Inzidenzwerte der Länder und Landkreise nur miteinander vergleichen, wenn der gleiche prozentuale Anteil der Bevölkerung getestet worden sei. Lafontaine weiter:
„Eigentlich sollte man meinen, das sei selbstverständlich. Aber seit einem Jahr erkennen Deutschlands lange Zeit gefeierte Steuerfrauen und Steuermänner in Politik und Wissenschaft nicht, dass sie die Pandemie nach unbrauchbaren ‘Inzidenzwerten’ steuern. Und die deutschen Medien veröffentlichen täglich Fake-News, wenn sie über die ‘Inzidenzwerte’ berichten und sie auch noch skandalisieren. Gott sei Dank gibt es Ausnahmen in Politik, Wissenschaft und Medien. Aber das ist die Minderheit.“
Über Tausend Menschen äußern sich gerade zu den möglicherweise unkorrekten Inzidenzwerten, die über Lockdown und Lockerungen entscheiden. „Nichts wird ins Verhältnis gesetzt“, bemängelt die Nutzerin Helga Kallisch zu Lafontaines Post, „Alle sollen lediglich in Panik, in Angst und Schrecken versetzt werden und dort möglichst sehr lange verharren.“ Der Nutzer Muku Main geht noch weiter und wirft der Politik sogar Absicht vor. „Das sagen die kritischen Menschen schon seit einem Jahr und wurden dafür teilweise heftigst beleidigt... jetzt wiederholt sich das Spektakel der vermehrten Testerei und wieder passiert genau dasselbe wie im letzten Herbst/Winter“, beklagt die Nutzerin Astrid Schoepplenberg weiter.

Es folgt aber auch Kritik

Einige Nutzer verweisen aber auf das Problematische an Schönherrs Rechnung. „Das wäre so, wenn die Tester einfach loszögen und zufällig ihre Testobjekte bestimmen würden. Da aber derzeit nicht flächendeckend getestet wird, sondern nur bei Verdacht auf Covid, stimmt die Rechnung einfach nicht“, so der Nutzer Axel Posselt. „Der Mathematiker muss seine Beweisführung also bitte nochmal in die Schublade packen und warten, bis es flächendeckende Tests gibt. Dann kann man seine Rechnung auch verwenden.“ Der Nutzer Thomas Hensel wendete darauf allerdings ein, dass nicht nur bei Verdacht auf Covid getestet werde, sondern sogar ausschließlich gesunde Menschen. Dazu der Nutzer Guido Ciburski: „Sein Verfahren ist zwar nicht so korrekt, wie eine repräsentative Testung (da haben Sie Recht) aber allemal richtiger als der jetzige Schmarrn.“
Auch auf Schönherrs Seite gibt es neben dem unzähligen Lob und Dankeschön für die alternative Inzidenz-Rechnung Hinweise auf den Haken. „Würden beim Testen stets zufällige Stichproben aus der Bevölkerung ausgewählt, wäre ich komplett bei dir“, schreibt etwa der Nutzer Alex Luhm. „Es werden aber in der Realität im Wesentlichen mehr oder weniger konkrete Verdachtsfälle getestet, also Leute mit Symptomen oder Kontakte von Infizierten. Diese haben per se eine erheblich höhere Infektionswahrscheinlichkeit als die restliche Bevölkerung.“ Darauf meldet sich Schönherr selbst: „Das Problem bei der Behebung ist, dass es keine Daten gibt, wie stark die Infektionswahrscheinlichkeit dann schwankt. Wahrscheinlich ist die exponentiell verteilt (also fällt exponentiell ab), aber wie genau ist wohl mit der derzeitigen Datenlage nicht zu beantworten fürchte ich.“ Auf die Frage, wie groß der Anteil der symptomatisch bzw. asymptomatisch Infizierten an allen positiven Tests ist, gibt die Statistik bisher keine Antwort.
Screenshot - Video Patrick Schönherr - SNA, 1920, 17.03.2021
Fehler bei Inzidenzwerten? Mathestudent aus Bayern drängt auf Berechnung in Relation zu Gesamttests
Im Allgemeinen wird aber die im Fokus der Corona-Politik stehende Orientierung an den Inzidenzwerten öfter als Fehler kritisiert, neulich von dem Virologen und Epidemiologen Klaus Stöhr, der viele Jahre für die Weltgesundheitsorganisation WHO als Leiter des Globalen Influenza-Programms und als Sars-Forschungskoordinator arbeitete.
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