Nach Absetzung des Notenbankchefs durch Erdogan: Türkische Lira stürzt ab

Nach dem Wechsel an der Spitze an der Notenbank der Türkei ist die türkische Lira auf Talfahrt gegangen. Nun könnte die Inflation im Land wieder anziehen.
Am Morgen wurde ein US-Dollar für 7,78 Lira gehandelt. Damit ist der Kurs im Vergleich zum Freitag um knapp acht Prozent abgerutscht. In der vergangenen Nacht war der Kurseinbruch zeitweise noch heftiger ausgefallen: Bis zu 8,47 Lira mussten für einen Dollar gezahlt werden.
Damit lag die türkische Währung nur knapp unter dem Rekordtief, das im vergangenen November bei 8,57 Lira für einen Dollar erreicht worden war.
Die Tendenz zeigte sich laut der Deutschen Presse-Agentur auch im Handel mit dem Euro. Am Morgen wurden für einen Euro 9,25 Lira gezahlt, was einem Kurseinbruch von knapp acht Prozent entsprach. Hier wurde das Rekordtief ebenfalls im vergangenen November bei 10,20 Lira für einen Euro erreicht.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (Archivfoto) - SNA, 1920, 12.03.2021
Türkischer Präsident peilt Wirtschaftsreformen an – Inflationsbekämpfung im Fokus
Auslöser für die rasante Talfahrt ist ein Wechsel an der Spitze der türkischen Notenbank. In der Nacht zu Samstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Zentralbankchef Naci Agbal nach fünf Monaten im Amt entlassen.
Agbal hatte nur wenige Tage zuvor den Leitzins von 17 auf 19 Prozent erhöht, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Neuer Notenbankchef wird Sahap Kavcioglu, ehemaliger Abgeordneter von Erdogans Regierungspartei AKP.
Agbal hatte in seiner kurzen Amtszeit versucht, mit den Zinserhöhungen die drastische Inflation in der Türkei unter Kontrolle zu bekommen. Erdogan hatte sich hingegen immer wieder für niedrige Zinsen ausgesprochen.
Sein Nachfolger Kavcioglu ist Ex-Banker, Ex-Abgeordneter der Regierungspartei und erklärter Gegner einer straffen Geldpolitik. Kavcioglu erklärte am Sonntag, er wolle alle geldpolitischen Instrumente nutzen, um die Inflation zu bekämpfen. „Im Rahmen der gesetzlich festgelegten Pflichten und Befugnisse wird die Zentralbank der Republik Türkei die geldpolitischen Instrumente weiterhin effektiv nutzen, um ihrem Hauptziel zu entsprechen, einen dauerhaften Rückgang der Inflation zu erreichen“, hieß es in einer Mitteilung, die den Märkten allerdings wenig glaubwürdig vorkam.
Ökonomen und Analysten reagierten einhellig skeptisch auf die abermalige Umbesetzung an der Spitze der türkischen Notenbank und den damit vermuteten geldpolitischen Schwenk. Das Problem der Türkei bestehe darin, „dass der Präsident (und nur auf ihn kommt's im politischen Regime der Türkei an) eine nicht zielführende geldpolitische Strategie will“, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ Ulrich Leuchtmann, der bei der Commerzbank das Devisenresearch leitet. Der Konflikt entstehe, „weil innerhalb der Zentralbank jedermann wissen dürfte, dass solch eine Geldpolitik nicht funktioniert".
Erst vor rund einer Woche hatte Erdogan erklärt, der Kampf gegen die Inflation gehöre zu seinen wichtigsten Vorhaben. Ziel sei eine einstellige Inflationsrate. 2020 hatte sie zeitweise bei 15 Prozent gelegen - befeuert auch durch die Abwertung der Lira, durch die Importe teurer wurden.
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