„Warum wird Sputnik V nicht bestellt?“ – Journalisten nehmen Spahn-Sprecher ins Kreuzverhör – Video

© SNA / Ilja PitaljowLiefercontainer mit dem russischen Impfstoff Sputnik V
Liefercontainer mit dem russischen Impfstoff Sputnik V - SNA, 1920, 19.03.2021
Journalisten wollten von der Bundesregierung wissen, warum der russische Impfstoff „Sputnik V“ nicht bestellt wird. BMG-Sprecher Kautz erinnert an das Zulassungsverfahren, welches das Vakzin noch durchlaufen müsse. Doch die Pressevertreter lassen nicht locker.
„Es spricht nichts dagegen, einen Impfstoff mit europäischer Zulassung zu beschaffen“, sagte der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), Hanno Kautz, auf die Frage von Pressevertretern nach dem russischen Impfstoff „Sputnik V“ am Mittwoch in Berlin. Aber es bedürfe zunächst einer europäischen Zulassung, zitiert Kautz seinen Chef, den Gesundheitsminister Jens Spahn.
Doch die Journalisten haken nach: „Aber einige Impfstoffe wurden ja in Deutschland bestellt, bevor sie zugelassen wurden?“
„Das ist richtig“, gibt der Sprecher zu. Deswegen hätte die Bundesregierung auch eine Menge Bestellungen „erfolgreich abgeschlossen“.
Auf die erneute Nachfrage des Reporters Tilo Jung, warum „Sputnik V" nicht wie alle anderen Impfstoffe bestellt werden könne, kann Kautz nur ausweichend reagieren:
„Das Zulassungsverfahren ist gerade erst eingeleitet worden. Das befindet sich im Rolling-Review-Verfahren. Es ist mitnichten so gewesen, dass alle anderen Impfstoffe zeitgleich bestellt wurden. Außerdem habe ich gerade schon betont, dass wir insgesamt rund 300 Millionen Impfstoffdosen, glaube ich, von anderen Herstellern bestellt haben. Ob man noch weitere Impfstoffe und ob man Sputnik V bestellen wird, kann ich Ihnen momentan nicht sagen.“
Hanno Kautz
Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums
Auf erneute Nachfragen zum russischen Impfstoff reagiert der Sprecher abweisend: „Ich habe dem, was ich eben gesagt habe, nichts hinzuzufügen.“

Ministerpräsidenten für „Sputnik V“

Der Druck auf die Bundesregierung wächst, neben den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna sowie dem vektorbasierten Vakzin von Astrazeneca, den „Sputnik V“-Impfstoff zu bestellen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, aber auch andere Ministerpräsidenten sprechen sich mittlerweile angesichts der Impfstoffknappheit für eine rasche Zulassung von „Sputnik V“ aus.
Russischer Impfstoff Sputnik V in Montenegro  - SNA, 1920, 18.03.2021
Nach Astrazeneca-Impfstopp: Ost-Ministerpräsidenten plädieren für „Sputnik V”-Zulassung

Astrazeneca-Impfstopp

In Deutschland waren die Impfungen mit Astrazeneca am Montag ausgesetzt worden. Laut Bundesgesundheitsministerium wurden bis Dienstagabend bundesweit acht Fälle mit Thrombosen (Blutgerinnseln) in den Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet. Die Zahl der Fälle ist statistisch höher als in der Bevölkerung ohne Impfung. Derzeit wird untersucht, ob ein kausaler Zusammenhang zwischen Impfung und Thrombose besteht. Von der EMA wird am Donnerstag eine Empfehlung zur Sicherheit des Impfstoffs erwartet.

„Sputnik V”

„Sputnik V“ war im August 2020 in Russland als weltweit erster Coronavirus-Impfstoff für eine breite Anwendung in der Bevölkerung zugelassen worden. Anfang Februar hatte das medizinische Fachjournal „The Lancet“ die Ergebnisse der Phase III der klinischen Studien von „Sputnik V“ veröffentlicht, die seine hohe Wirksamkeit und Sicherheit bestätigen. Der Einsatz des Vakzins ist inzwischen in über 40 Staaten genehmigt worden.
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