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„Wir wurden hier vorgeführt“: EY weist Verantwortung für Wirecard-Bilanzskandal zurück

© AP Photo / Matthias SchraderWirecard-Logo an der Zentrale in München
Wirecard-Logo an der Zentrale in München - SNA, 1920, 19.03.2021
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Der jahrelange Wirecard-Wirtschaftsprüfer EY sieht die Schuld für den milliardenschweren Bilanzbetrug beim Unternehmen, meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf die EY-Vertreter, die am Freitag im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu dem Finanzskandal aussagten.
Der abgesetzte Deutschlandchef von Ernst & Young, Hubert Barth, sprach demzufolge über einen „vorsätzlichen und systematischen Betrug“ von wenigen Personen. So etwas sei nicht immer zu erkennen, auch nicht von Wirtschaftsprüfern.
„Der Fall Wirecard ist ein Kriminalfall, ein einzigartiger Fall.“
Die Bilanzprüfungen seien stets sorgfältig gewesen und hätten eine kritische Grundhaltung gezeigt. Wirtschaftsprüfer seien aber nicht die Kriminalpolizei und auch nicht die Staatsanwaltschaft.
„Wir wurden hier vorgeführt“, sagte Christian Orth, ein zweiter EY-Vertreter, laut Reuters im Bundestag. „Wir versuchen wirklich, den Ursachen auf den Grund zu gehen.“
Bei Wirecard entpuppten sich angebliche Gelder auf Treuhandkonten in Asien am Ende als nicht existent. Laut Orth gab es im Zusammenhang mit dem Abschluss für 2019 in der Presse erstmals Vorwürfe zu fehlenden Treuhandkonten. Die Existenz dieser Konten sei EY aber bestätigt worden, Mitarbeiter seien dafür extra in die philippinische Hauptstadt Manila gereist, um sich vor Ort einen Eindruck zu machen.
Wirecard in München - SNA, 1920, 16.03.2021
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Erst am 20. Juni 2020 – und damit wenige Tage vor der Wirecard-Insolvenz – sei klargeworden, dass die Angaben zu den Treuhandkonten, auf denen die knapp zwei Milliarden Euro liegen sollten, falsch gewesen seien, so der EY-Sprecher. Daraufhin habe der Wirtschaftsprüfer sofort die BaFin und den Wirecard-Aufsichtsrat informiert. Allen sei klar gewesen, dass dem Unternehmen damit der Stecker gezogen werde.

Kritik an die Wirtschaftsprüfer

Finanzpolitiker aller Parteien waren Reuters zufolge der Meinung, EY hätte den Schwindel wesentlich früher erkennen können. Das Unternehmen habe nachlässig geprüft, was den Betrug mitbegünstigt habe, zitiert die Nachrichtenagentur den Grünen-Politiker Danyal Bayaz.
„Bei Wirecard wurden wichtige Grundsätze des Prüfer-Einmaleins nicht beachtet“, kritisierte er. „Wenn Milliarden auf Treuhandkonten nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden können, muss das in einem Testat thematisiert werden.“
Der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar sagte Reuters, es gebe massive Zweifel, ob insbesondere die Testate der Jahre 2016 bis 2018 hätten erteilt werden dürfen. EY habe schon in diesen Jahren zu wenig nachgeforscht.
Auch die SPD-Abgeordnete Cansel Kiziltepe äußerte sich kritisch: „Statt die Verantwortung der Wirtschaftsprüfer anzuerkennen, stilisiert sich Herr Orth zum Opfer.“ Alle hätten aber auf das Testat der Prüfer geschaut und sich darauf verlassen.
Der Vorsitzende des U-Ausschusses, der AfD-Politiker Kay Gottschalk, sagte der Agentur, aus mehreren Dokumenten ergebe sich der Eindruck, dass EY bereits 2016 "alles Erforderliche gewusst" habe.
Kameramann vor dem Logo des öffentlich-rechtlichen Sender ZDF (Archivbild) - SNA, 1920, 19.03.2021
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Wirecard-Skandal

Der Zahlungsabwickler und einstige Dax-Konzern hatte im Juni 2020 ein Bilanzloch von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und danach Insolvenz angemeldet. Es ist einer der größten Finanzskandale in der Nachkriegszeit. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft mehreren Ex-Managern von Wirecard, die teils in Untersuchungshaft sitzen und teils auf der Flucht sind, unter anderem gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Bilanzfälschung und Marktmanipulation vor.
EY hatte jahrelang die Bilanzen des Münchner Zahlungsabwicklers geprüft und grünes Licht gegeben, obwohl es Warnhinweise in einigen Medien und auch von Investoren gab. Neben EY stehen die Aufsichtsbehörde BaFin und das Bundesfinanzministerium massiv in der Kritik. Der U-Ausschuss soll klären, welche Fehler Regierung und Behörden in dem Fall gemacht haben.
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