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„Maischberger“: Siegessicherer Laschet – und erneut Schleichwerbung für Sputnik V

© REUTERS / Pool / Oliver BergWettlauf um Europas E-Auto: Ford investiert eine Milliarde Dollar in Köln
Wettlauf um Europas E-Auto: Ford investiert eine Milliarde Dollar in Köln - SNA, 1920, 18.03.2021
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Ist Armin Laschet ein geeigneter Kanzlerkandidat? Laut einer Umfrage sagten 73 Prozent der Deutschen dazu „Nein“. Der CDU-Chef selbst gab sich jedoch am Mittwoch in der TV-Sendung „Maischberger“ siegessicher und nahm auch den angeschlagenen Gesundheitsminister in Schutz. Zur späten Stunde lieferte die ARD dabei auch Schleichwerbung für Sputnik V.
Ein Interview mit dem CDU-Vorsitzenden Armin Laschet, dem „Stargast“ der Sendung, stellte die „Maischberger“-Redaktion– anders als sonst – gleich am Anfang des TV-Talks am Mittwoch.
Der Beginn des Gesprächs war eher langweilig, obgleich die Moderatorin Sandra Maischberger ihre erste Frage möglichst provokatorisch formulieren wollte: „Wem geht es momentan schlechter: der CDU oder der katholischen Kirche in Köln?“
Der „bekennende katholische Christ“ Laschet antwortete ausweichend: Der jüngste Skandal um einen Kardinal, der einen Bericht über Missbrauchsfälle in der Kirche unter den Teppich zu kehren versucht hatte, sei zwar peinlich. Dies sei aber keine Angelegenheit für Politiker. „Da ist Transparenz wichtig“, äußerte er lediglich und fügte hinzu: „Das Wichtigste ist, dass da auch schnell wieder Vertrauen zurückgewonnen wird.“
Das verlorene Vertrauen ist allerdings auch ein Problem seiner Partei – das zeigen die Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen. „Wir haben verloren“, gab Laschet zu, um die Niederlage gleich kleinzureden: „… nämlich in beiden Ländern zwei bis drei Prozent.“
Als einen „Absturz“ seiner Partei wollte der CDU-Parteichef diese Resultate nicht einstufen. Bei den Konkurrenten sehe es nicht wirklich besser aus: „Es ist kein Wahlsieg für die SPD, denn die haben in Baden-Württemberg elf Prozent“, betonte er. „Es ist auch kein Wahlsieg für die Grünen, denn die haben in Rheinland-Pfalz acht Prozent.“

Spahn „hat den schwersten Job überhaupt“

Den mittlerweile angeschlagenen Gesundheitsminister Jens Spahn, Laschets treuen Gefährten und Partner, als es um die Wahl des CDU-Vorsitzenden ging, versuchte der Parteichef aus der Schusslinie zu nehmen. „Der Gesundheitsminister hat den schwersten Job überhaupt“, behauptete Laschet. „Er muss jeden Tag auf neue Dinge reagieren.“ Auch beim Impfstopp für Astra-Zeneca hätte Spahn nicht anders reagieren können, „wenn ihm der Chef des renommierten Paul-Ehrlich-Instituts sagt: Du musst das stoppen, es kann Tote geben“. Sonst wären diese Toten auf Spahns Konto gegangen.
Natürlich musste Maischberger den Gast auch fragen, wie er seine Wahlchancen als möglicher Kanzlerkandidat einschätzt. Das tat sie auf ihre sonst auch typische arglistige Weise:

„73 Prozent der Deutschen sehen Sie als Kanzlerkandidaten nicht. Werden Sie zurückziehen?“

Für Laschet wäre die Sendung selbstverständlich der falsche Ort und der falsche Zeitpunkt gewesen, einen Rückzug zu verkünden. Maischbergers Frage war für ihn eher eine geeignete Vorlage, um sich mit überlegener Miene und verschmitztem Lächeln siegessicher zu zeigen und sich dabei einen Seitenhieb gegen Friedrich Merz (CDU) zu erlauben:

„Es gab auch viele Umfragen, wie der Parteivorsitz bei der CDU ausgeht, und wer der Hauptfavorit ist, und eigentlich schon unschlagbar ist (...) Wir sehen dann am Ende, wer sich durchsetzt!“

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Sputnik V nicht nur im Hintergrund

Selbstverständlich unterhielt sich die Moderatorin mit ihren Studiogästen ausgiebig über die Impfstoff-Probleme – vor allem über den Impfstopp für Astra-Zeneca. Neues und Überraschendes wurde dabei recht wenig gesagt. Da gab es allerdings sehr wohl etwas Verblüffendes: Im Laufe nahezu der ganzen Sendung sah man an der Hinterwand des Studios das Bild von Impfstoffen: links die in Deutschland zugelassenen Biontec, Astra-Zeneca und Moderna und rechts – ganz groß! – das russische Vakzin Sputnik V, das in der EU noch gar nicht zugelassen ist.
Das Rätsel wurde erst gegen Ende der Sendung aufgelöst, als Maischberger den unerlässlichen TV-Talk-Gast Karl Lauterbach von der SPD fragte. „Ungarn, Tschechien und die Slowakei ordern jetzt Sputnik V in Moskau – kann der die Impflücke füllen und würden Sie dem Impfstoff vertrauen?“, so ihre Frage an den SPD-Gesundheitsexperten.
Lauterbach hatte sich im Herbst 2020 über das russische Serum abfällig und vernichtend geäußert. Am Mittwochabend klang er anders: „Es ist ein guter Impfstoff – von dem, was man bisher gesehen hat“, erklärte er. „Die Daten, die im ‚Lancet‘ publiziert worden sind, haben aber einen Schönheitsfehler: Es sind sehr gute Daten, die die Wirksamkeit betreffen, aber die Nebenwirkungen, die beschrieben worden sind, sind unrealistisch gering.“
Wie dem auch sei: Gleich drei Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer forderten diese Woche, die Zulassung von Sputnik V für die Europäische Union (EU) zu beschleunigen.
„Russland ist ein großes Land der Wissenschaft, und ich habe nicht die geringsten Zweifel, dass die dortige Wissenschaft imstande ist, einen leistungsfähigen Impfstoff herzustellen“, erklärte etwa Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Der Impfstoff sollte zugelassen werden.“
Sachsens Ministerpräsident Reiner Haseloff von der CDU betonte:

„Wenn es um die Gesundheit der Menschen geht, sollte die Herkunft keine Rolle spielen. Schon als Kind bin ich mit einem russischen Impfstoff gegen Kinderlähmung immunisiert worden. Ich habe da keine Probleme.“

Die Meinung teilte auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke): „Es ist wichtig, dass endlich das Thema Sputnik V mit Nachdruck bearbeitet wird (…) Ich will keine politische Zulassung. Aber ich will auch keine politische Ablehnung.“
Allem Anschein nach kam die „Schleichwerbung“ für den russischen Impfstoff in der ARD gar nicht so zufällig.
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