Drei Frauen gewinnen Hamburger Stipendium für Nichtstun

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Müßiggang (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.03.2021
Müßiggang (Symbolbild)
Die Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) hat am Donnerstag drei Gewinnerinnen genannt, die ein mit jeweils 1600 Euro dotiertes Stipendium für Nichtstun beziehen werden.
Die Ausschreibung fand demnach im Rahmen der Ausstellung „Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben“ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) statt, die dort bis zum 18. Juli zu sehen ist.
„Das Stipendium für Nichtstun hinterfragt die gängigen Mechanismen des Leistungsdenkens und lädt dazu ein, über die Verbindung der eigenen Lebenswirklichkeit mit dem Klimawandel und den gesellschaftlichen und politischen Strukturen nachzudenken“, teilte die HFBK mit.
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Die Stipendien sind demnach von der Leinemann Kunststiftung Nikolassee finanziert. Die Jury wählte die Gewinnerinnen aus insgesamt 2864 Bewerbern aus 70 Ländern aus.
„Ich werde mein Kopftuch eine Woche nicht tragen“, so lautete das Vorhaben einer der Gewinnerinnen, Hilistina Banze, die von der Hochschule als „muslimische Feministin“ bezeichnet wird.
Die Sozialpädagogin und Integrationsberaterin aus Hamburg möchte ihr auf drei Millimeter kurzrasiertes Haar zeigen und so gleich mehreren Rollenklischees entgegentreten.
Eine weitere Stipendienempfängerin, die in Köln studierende Mia Hofner, will laut der HFBK für zwei Wochen keine verwertbaren, personenbezogenen Daten über sich generieren. Das bedeute umfangreiche Einschränkungen für die 26-Jährige: Kein Smartphone nutzen, keine E-Mails abrufen, nicht online shoppen.
Und Kimberley Vehoff, Fachkraft für Lebensmitteltechnik aus Bad Fallingbostel, will ihren Beruf nicht mehr ausüben, weil ihre sozialen Beziehungen unter wechselnden Früh-, Spät- und Nachtschichten leiden. Sie wolle das Stipendium nutzen, diese emotionalen Bindungen wieder zu stärken.
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Wie der Initiator Friedrich von Borries am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur DPA sagte, habe das Projekt ein weltweites Echo ausgelöst. Daran hätten Menschen aus aller Welt – darunter Wissenschaftler, Künstler, aber auch Kinder und Rentner – teilgenommen.

Allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt

Bei der „Schule der Folgenlosigkeit“ handelt es sich HFBK zufolge um ein „künstlerisch-diskursives Projekt“. Der Autor, Prof. Dr. Friedrich von Borries, lehre seit 2009 Designtheorie an der Hochschule. Hinter dem Projekt stecke die Frage, ob „Folgenlosigkeit nicht ein neues erstrebenswertes Ideal werden könnte, vergleichbar mit Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit“.
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Im Rahmen der Ausstellung werden nach Angaben der Hochschule Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so verknüpft, dass eine „neue Perspektive auf ‚Nachhaltigkeit‘ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines ‚richtigen Lebens‘ hinterfragt“ würden.
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