Apotheken verdienen sich mit FFP2-Masken „dumm und dämlich“

© REUTERS / WOLFGANG RATTAYFFP2-Masken im Handel
FFP2-Masken im Handel - SNA, 1920, 18.03.2021
Ein Rechercheverbund von WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ hat herausgefunden, dass Apotheken für die kostenlose Verteilaktion von FFP-Masken im Winter stark überbezahlt wurden. Die Aktion kostete den Steuerzahler Milliarden. Die „Tagesschau“ zitiert einen Apotheker mit den Worten: "Wir haben uns dumm und dämlich verdient."
An der vom Bund bezahlten Verteilung von FFP2-Masken für Menschen aus Corona-Risikogruppen im Winter wird erneut Kritik laut. Wie WDR, NDR und „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag berichteten, hat ein Fachreferat vor „gravierenden Finanzwirkungen“ gewarnt und wies darauf hin, viele Berechtigte seien „durchaus in der Lage“, Masken selber zu bezahlen. Interne Unterlagen sollen jedoch zeigen, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Aktion gegen das Votum der Experten persönlich durchsetzte. Den Apotheken hätte die Aktion gigantische Gewinne beschert.

„Wir haben uns dumm und dämlich verdient"

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten hatten im Herbst beschlossen, 15 FFP2-Masken pro Person nur gegen eine kleine Zuzahlung an Menschen mit hohem Risiko für schwere Krankheitsverläufe in Apotheken für Abholung bereitzustellen. Die Apotheken bekamen anfangs sechs Euro pro Maske. Daran gab es angesichts niedrigerer Maskenpreise Kritik, wie auch das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) Ende Januar berichtet hatte. Mitte Februar wurde die Apotheken-Vergütung auf 3,90 Euro gesenkt. Der Bund kalkulierte für die Aktion mit rund 2,5 Milliarden Euro.
Die „Tageschau“ zitiert den Apotheker Detlef Glass, der drei Apotheken in Berlin besitzt: "Wir haben die Masken für ein bis 1,50 Euro eingekauft … Wir haben uns dumm und dämlich verdient."
Leerer Geldbeutel (Symbolbild) - SNA, 1920, 15.03.2021
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Unangenehmer Geldregen

Die Abgabe von 15 Masken pro Person wurde in drei Phasen durchgeführt. Im Dezember standen für Menschen über 60 Jahren je drei Masken in der Apotheke gratis zur Verfügung. Der Bund rechnete aus, dass dies theoretisch auf 27,3 Millionen Menschen in Deutschland zutrifft und überwies pauschal 491,4 Millionen Euro an den Apothekerverband, die diese an die Apotheken verteilte. Der Einfachheit halber erhielt jede Apotheke erst einmal gut 25.000 Euro, egal wie viele Masken sie verteilt hatten.
In Phase Zwei und Drei gab es für Menschen, die Anspruch auf eine Maske hatten, zweimal sechs Gutscheine von ihrer Krankenkassen, die sie dann in den Apotheke einlösen konnten. Wie die „Tagesschau“ berichtet, schlug das Drucken der fälschungssicheren Gutscheine durch die Bundesdruckerei mit zusätzlich rund 9,3 Millionen Euro zu Buche. Für die Apotheker ergab sich so im Januar und Februar der nächste Geldregen, denn für die ersten sechs Masken erhielten die Apotheker weitere 36 Euro pro Person, für die zweiten sechs Masken 23,40 Euro. Das war selbst einigen Apothekern zu viel, so haben die angekündigt, die Einnahmen oder Masken zu spenden.

Sichtung des Marktes?

Das Gesundheitsministerium erklärte am Donnerstag auf Anfrage von DPA, die entsprechende Verordnung sei im Anschluss an Bund-Länder-Beratungen in der Bundesregierung abgestimmt worden. Die Preise für die Abgabe der Masken seien mit ausdrücklicher Zustimmung des Finanzministeriums festgelegt worden. Warum wurden aber die Masken den Apotheken abgegeben? So war es möglich, eine dezentrale Abgabe von mehreren hundert Millionen Masken innerhalb von vier Monaten logistisch zu sichern. Damals hätten die Preise im Schnitt bei 4,29 Euro gelegen, der Markt sei sehr volatil gewesen.
Die Vergütung von sechs Euro je Maske inklusive Umsatzsteuer sei auf eine vom Ministerium in Auftrag gegebene Markterhebung zurückgegangen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY habe hierfür nur eine Sichtung des Marktes übernommen. Berücksichtigt worden seien unter anderem Kosten für Beschaffung, Beratung von Kunden und teils nötige Umverpackung.

Kritik von der FDP

Die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus verwies darauf, dass ihre Fraktion mehrfach einen Postversand der Masken als unbürokratische und günstigere Alternative gefordert habe. Die Bundestagsabgeordnete sprach am Donnerstag von einer „unnötigen Kostenexplosion“ bei der Abgabe über Apotheken. Es sei unerklärlich, warum Minister Spahn nicht auf Warnungen in seinem Ressort gehört habe.
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