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Keine Vorteile für Kinder und Jugendliche? Ethikrat-Chefin erwartet Tests für Nicht-Impfberechtigte

© AFP 2021 / TOBIAS SCHWARZDie Leiterin des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, nimmt am 15. Dezember 2020 an einer Pressekonferenz in Berlin teil.
Die Leiterin des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, nimmt am 15. Dezember 2020 an einer Pressekonferenz in Berlin teil. - SNA, 1920, 17.03.2021
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Laut der Vorsitzenden des deutschen Ethikrates, Prof. Dr. Alena Buyx, wird Deutschland unabhängig von den vorankommenden Impfungen mit Tests arbeiten müssen. Die nicht geimpften dürften dann die Tests wie eine Impfung einsetzen. Kann man aber bei Kindern oder Jugendlichen ganz darauf verzichten?
Buyx ist in einem Gespräch mit ausländischen Journalisten auf viele ethische Fragen im Corona-Zusammenhang eingegangen. So beruft sich die Politik bei den Corona-Impfungen auch auf den Ethikrat. So seien „mehr Rechte für Geimpfte“ denkbar, wenn nachgewiesen wird, dass diese nicht mehr ansteckend sind. Doch wie geht man aber mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen um, die nach Datenlage am wenigsten durch das Virus gefährdet sind, dafür aber solidarisch mit den Risikogruppen emotional und psychisch unter dem Lockdown leiden? Hier und weiter – Antworten von Buyx auf die SNA-Fragen.
SNA: Frau Prof. Buyx, momentan steigt der Anteil der Geimpften aus den vulnerablen Risikogruppen. Wie lange ist es aus Ihrer Sicht ethisch vertretbar, die weniger Gefährdeten weiter massiv einzuschränken? Kämen bei ihnen vielleicht unabhängig von der Impfung individuelle Lockerungen in Frage?
Buyx: Erstens haben wir für Kinder und Jugendliche gar keine Impfung. Es gibt laufende Studien, und ich hoffe sehr, dass wir auch für die jungen Menschen Zulassungen bekommen. Auch wenn wir uns immer stärker und breiter in die Bevölkerung vorimpfen, ist die Impfung eben nur das eine Mittel. Wir müssen weitere Mittel einsetzen, deswegen glaube ich, dass wir zukünftig sehr viel mehr mit Tests werden arbeiten müssen. Je mehr geimpft wir haben, desto wichtiger ist es, den anderen anzubieten, dass sie die Tests so einsetzen können, wie eine Impfung.
Wenn man sicherstellen kann, dass diejenigen, die geimpft sind, nicht die anderen anstecken, oder wenn man hinreichend sagen kann, jemand, der getestet wird, kann in den nächsten Stunden wahrscheinlich nicht anstecken, dann sollte man das gleichstellen. Und dann wäre es wichtig, dass man keine Ungerechtigkeit produziert, so dass die Geimpften ganz viel dürfen, was die anderen nicht dürfen, sondern dass man für die anderen einen Test zur Verfügung stellt, damit es nicht tatsächliche Ungerechtigkeit gibt.
Das ist aber was anderes, als die Lockdowns, die vom Pandemiegeschehen abhängen. Wenn die Impfquoten hochgehen, dann hat sich das pandemische Geschehen verändert, also weniger Menschen würden erkranken und sterben. Es dürfte nach meinem Wissen schon angelegt sein in den Beschlüssen, dass man zukünftig mehr zusätzliche Faktoren miteinbeziehen muss, wenn man über einen Lockdown entscheidet: die Impfquote, das Alter der Infizierten, die Aufnahmen in die Krankenhäuser, die Intensivbelegung und die Todeszahlen. Aber ich würde diese Fragen: die Behandlung der Geimpften – und der Lockdown – insofern trennen.
SNA: Sie sprechen sich dafür aus, dass die Kinder stets auf die Tests angewiesen werden? Sogar im Sommer, wenn die Geimpften bei den Freizeitaktivitäten womöglich schon Vorteile durch die Impfungen genießen?
Buyx: Das ist der Grund, warum ich das auseinanderdividiert habe. Das eine ist die Veränderung der pandemischen Lage. Wenn ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist, dann ist es hoffentlich nicht mehr erheblich, dass Kinder und Jugendliche nicht geimpft sind, weil sich die pandemische Lage verändert hat. Und dann kann man hoffentlich die Beschränkungen ohnehin aufheben.
Wir haben jedenfalls ein sehr hohes Primat an Schulen und Kindertagesstätten: Sie werden als Erstes geöffnet und als Letztes geschlossen, weil man genau weiß, dass Kinder und Jugendliche ganz massiv leiden. Die Situation im Sommer, dass ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist, aber die pandemische Lage immer noch ganz schlecht ist, halte ich für unwahrscheinlich. Ich glaube, dann verändert sich auch die Gefahr durch die Pandemie, so dass man die Beschränkungen aufheben kann. Und dort, wo es nicht geht, wo man sich sicher sein muss, dass es nicht zu weiteren Ansteckungen kommt, z.B. bei einer Veranstaltung, da muss es ein Testangebot geben für diejenigen, die sich nicht impfen lassen können. Es sind nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene, die sich nicht werden impfen lassen können aus gesundheitlichen Gründen.
Buyx: Also Kinder würden sich bei Urlaubsreisen mit Eltern und Veranstaltungen womöglich immer wieder testen müssen, während die geimpften Eltern davon befreit würden? Warum nicht darauf verzichten, wenn die älteren Risikogruppen schon geimpft wären?
Buyx: Das ist eine wichtige Frage. Es geht im Moment um den europäischen Impfpass, und Familienreisen mit Kindern werden ein Thema sein. Und die Eltern werden irgendwie wahrscheinlich geimpft sein, aber dann ist die Frage, wenn die Kinder nicht geimpft sind, wie geht man damit um? Wird es nicht anders gehen – jedenfalls noch eine Zeit – als dass man bei Kindern dann einen Test macht. Auf die Tests zu verzichten wird aus rein pandemischen Gründen noch eine Weile nicht möglich sein. Ich glaube, dass wir noch eine Weile aufpassen werden müssen. Und weil wir Kinder und Jugendliche sowieso nicht impfen können, weil keine Impfung da ist, wird es bei ihnen der Fall sein, dass man als Analog einen Test vorzeigt beim Reisen. Das erwarte ich, dass das passiert beim Impfpass.
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