„Polizei sagte, ich soll Video löschen“- Sanitäter schlägt in Kassel gefesselten Flüchtling

Deutsche Polizei - SNA, 1920, 16.03.2021
Ein Vorfall in einer Kasseler Flüchtlingsunterkunft ist auf große Resonanz gestoßen: Ein Rettungssanitäter hat angeblich in der Einrichtung einen auf einer Trage fixierten Mann geschlagen, der zuvor randaliert haben soll. Die Tat wurde erst durch einen Bericht von der „Bild“-Zeitung bekannt, die auch ein Überwachungsvideo veröffentlichte.
Als das Opfer anschließend Anzeige erstatten wollte, sagte ihm die Polizei, er solle das Video löschen, wie das Portal „Fokus“ mitteilte.
Der 44 Jahre alte Rettungssanitäter soll laut Staatsanwaltschaft Kassel bei dem Einsatz im Beisein der Polizisten einen auf einer Trage festgeschnallten Bewohner der Unterkunft einmal geschlagen haben, nachdem dieser den Sanitäter und seine Kollegin bespuckt habe. Laut dem Portal „Fokus“ stünden Polizisten daneben und schauten zu.
Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wird gegen den Sanitäter wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt und zudem geprüft, ob die Beamten eine Strafvereitelung im Amt begangen hätten.
Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) forderte am Freitag eine rasche Aufklärung des Vorfalls.
„Die Bilder auf dem Video sind schrecklich. Die Umstände und der Tathergang müssen jetzt so schnell wie möglich aufgeklärt werden.“
Vom hessischen Innenministerium hieß es: „Das angesprochene Video macht uns fassungslos.“ Das Landespolizeipräsidium habe eine umfassende Aufklärung in die Wege geleitet. Gegen die eingesetzten Polizeibeamten würden disziplinarische Konsequenzen geprüft.
Die Auseinandersetzung ereignete sich bereits am 8. November vergangenen Jahres, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. Am Tag zuvor sei seine Cousine in der Türkei verstorben, sagte der 32-jährige Syrer Amar gegenüber der „Bild“-Zeitung.
„Als ich es erfuhr, habe ich mir Whisky gekauft, mich betrunken. Danach weiß ich nichts mehr“, so Amar.
Laut dem damaligen Polizeibericht waren Polizei und Rettungsdienst seinerzeit wegen eines randalierenden Bewohners in die Flüchtlingsunterkunft gerufen worden. Der 32-Jährige „sichtlich alkoholisierte“ Syrer sei zunächst „scheinbar hilflos“ gewesen, während des Einsatzes aber „wieder zu Kräften“ gekommen, hatte die Polizei mitgeteilt.
Der Mann soll versucht haben, die Einsatzkräfte mit einer Alu-Leiter zu attackieren. Die Beamten hätten ihn „durch den schnellen Einsatz von Pfefferspray“ abwehren und den Angreifer anschließend überwältigen können. Der Mann habe erhebliche Gegenwehr geleistet, es sei auch „zu mehreren Spuckattacken gegen die Beamten und die Rettungskräfte“ gekommen, hieß es. Der Schlag des Rettungssanitäters wurde in dem Polizeibericht nicht erwähnt.
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