Deutsche Filmbranche hat noch nie gestreikt – Ringen um neuen Tarifvertrag

© AP Photo / ECKEHARD SCHULZVerdi (Symbolbild)
Verdi (Symbolbild) - SNA, 1920, 16.03.2021
Der Tarifvertrag für die Film- und Fernsehschaffenden ist Ende 2020 ausgelaufen. Seither gibt es zähe Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi, dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) und der Produzentenallianz. Falls bis Ende März keine Einigung erzielt wird, droht eine tariffreie Zeit für die Beschäftigten.
Zwei Verhandlungsrunden sind ohne Ergebnis zu Ende gegangen und noch immer ist kein neuer Tarifvertrag für die Fernseh- und Filmschaffenden in Sicht. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und der Bundesverband Schauspiel (BFFS) fordern Verbesserungen bei der wöchentlichen Anzahl der Arbeitstage und der Ruhezeit im Anschluss an den Nachtdreh ins Wochenende sowie eine verlässliche Fünf-Tage-Woche und planbare Freizeit am Wochenende. Auch bei Gesundheitsschutz und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie soll nachgebessert werden. Die Produzentenallianz will hingegen nichts an den bestehenden Tarifverträgen ändern.
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Damit beginne eine Zeit der Rechtsunsicherheit für die Beschäftigten, sagt Marcus Sonnenschein, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Nach Ablauf des Tarifvertrags würden die alten Rechtsnormen weiter gelten, solange nicht eine neue Abmachung getroffen werde. Auch neue Arbeitsverträge könnten sich auf den alten Tarifvertrag beziehen. Diese sogenannte Nachwirkung könne aber nicht zeitlich unbegrenzt sein, denn es mangele an entsprechender Rechtsprechung, so Sonnenschein.
„Wir brauchen einen neuen Tarifvertrag und wir verhandeln auch weiter“, sagt Matthias von Fintel, Tarifsekretär von Verdi. Denn für die neuen Arbeitsverträge, die nach dem 1. April geschlossen werden würden, würden die tarifvertraglichen Rechtsnormen nicht mehr gelten. Andererseits würde die Friedenspflicht wegfallen und es den Beschäftigten ermöglichen, zu streiken. „In der Filmbranche wurde in Deutschland noch nie gestreikt“, so Fintel.
Produzent Bernhard Speck steht dem Arbeitskampf skeptisch gegenüber, räumt aber ein: „Eine tariflose Zeit ist uncool“. Matthias Fintel baut auf eine starke Gewerkschaft und das solidarische Miteinander.
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