Mehr CO2-Ausstoß: VW-Konzern verfehlt Ziel deutlicher als erwartet

© AP Photo / Swen Pfoertner/dpaEin Mitarbeiter von Volkswagen in Wolfsburg (Archivbild)
Ein Mitarbeiter von Volkswagen in Wolfsburg (Archivbild) - SNA, 1920, 16.03.2021
Der Automobilhersteller VW hat im vergangenen Jahr mehr CO2 ausgestoßen als erwartet und somit den von der EU vorgegeben Wert verfehlt. Umweltverbände kritisieren die Berechnung der CO2-Werte grundsätzlich.
Der VW-Konzern hat die Flottenziele zur Senkung des CO2-Ausstoßes im vergangenen Jahr noch etwas deutlicher verfehlt als bisher errechnet – aber weiterhin nur knapp. Insgesamt lagen die Emissionen neu verkaufter Autos 2020 zusammen mit den Werten einiger kleiner Hersteller im maßgeblichen „Pool“ bei der EU um rund 0,8 Gramm je Kilometer über dem zulässigen Durchschnitt. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA). Im Januar hatte VW eine Abweichung von rund 0,5 Gramm vom Zielwert gemeldet. Das Unternehmen nannte laut DPA am Dienstag aktualisierte Berechnungen als Grund. Das offizielle Ergebnis teilt die EU in den kommenden Monaten mit.

Reale Klimabilanz weit schlechter als dargestellt

Unabhängig vom Verfehlen der Zielmarke hätte VW im abgelaufenen Jahr absolut betrachtet deutliche Einsparungen des klimaschädlichen CO2 erzielen können. Der Ausstoß sank um gut ein Fünftel. In diesem Jahr sollte nun die Gesamtzielmarke erreicht werden, zumal der Konzern weitere Elektromodelle auf den Markt bringen will.
Umweltschützer kritisieren allerdings die Berechnung der Werte selbst und monieren verschiedene Schlupflöcher. Greenpeace betonte laut DPA vor allem die doppelte Berücksichtigung besonders sauberer Modelle über „Supercredits“ oder die Möglichkeit des De-facto-Herausrechnens besonders schwerer Modelle führten seit langem dazu, dass die reale Klimabilanz weit schlechter ausfalle als nach außen hin dargestellt.
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„Mogelpackung“ Hybridantrieb

Zudem blieben Hybridmodelle eine Mogelpackung, weil der Verbrenner in den meisten Situationen hinzugeschaltet werde. Der Verkehrsexperte des „Bund“, Jens Hilgenberg, sagte der DPA: „Mit dem Verkauf einer großen Zahl von Plug-in-Hybriden und ihren unrealistisch niedrigen, offiziellen Verbrauchswerten konnte auch der CO2-Flottengrenzwert der EU für 2020 trotz immer größerer, schwerer Autos fast erreicht werden. Ein rein theoretischer Beitrag zum Klimaschutz, der sich auf Lücken in den Regelungen stützt und das Erreichen der Klimaziele konterkariert.“
In der EU gelten seit 2020 verschärfte Vorgaben für den CO2-Ausstoß. Branchenweit sollte dieser – von Übergangsregelungen abgesehen – bei 95 Gramm pro gefahrenem Kilometer liegen. Jeder Autohersteller hat je nach Marktposition und Schwere der Modelle eigene individuelle Ziele.
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