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Petra Gerster und Julia Ruhs – Positionen zum Gendern bei den Öffentlich-Rechtlichen

Deutsch sprechen - SNA, 1920, 15.03.2021
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Die einen finden sie unabdingbar, die anderen empfinden sie als Zumutung und nicht mit den Regeln der deutschen Sprache vereinbar: Genderstern, Binnen-I und Doppelpunkt. Seit beim ZDF in den „Heute“-Nachrichten gegendert wird, hat die Debatte neuen Treibstoff bekommen.
Anfang März sorgte eine Volontärin der ARD-Anstalt Bayerischer Rundfunk (BR) für Aufruhr. In einem gerade einmal 84 Sekunden langen Kommentar im „Mittagsmagazin“ sprach sich Julia Ruhs gegen das Gendern aus.

Julia Ruhs: Gendern ist nicht natürlich, sondern künstlich

Das Gendern sei keine natürliche, sondern eine durchweg künstliche Veränderung der Sprache, argumentiert die junge Frau. Und es mache die Sprache komplizierter, ohne etwas an der fehlenden Gleichberechtigung von Mann und Frau zu verändern. Dass gerade sie als junge Frau sich öffentlich gegen das Gendern ausspricht, verlange das Thema an sich, so Ruhs.

„Jedem älteren, vor allem männlichen Kollegen wäre im aktuellen Diskursklima sofort abgesprochen worden, sich über das Thema äußern zu dürfen – weil er zu alt ist oder als Mann von dieser angeblich diskriminierenden Sprache eh nicht betroffen ist. Aber ich bin mir sicher, ich spreche schon dem ein oder anderen Kollegen aus der Seele.“

Julia Ruhs
Volontärin, Bayerischer Rundfunk
Sie kenne viele junge Frauen, die ihre Ansichten teilten, doch deren Stimmen würden zu selten gehört. „Manchmal scheint es fast, als wären per se alle jungen Frauen fürs Gendern, aber das stimmt einfach nicht – deswegen finde ich es schon wichtig, mal den Mund aufzumachen“, erklärt Ruhs im Interview mit dem Portal „Meedia“.
Gendergerechte Sprache sei ein polarisierendes Thema, das sei ihr klar gewesen. Aber das Ausmaß der positiven, wie negativen Reaktionen, die ihr Beitrag auf Twitter ausgelöst hatte, habe sie schon überrascht. Von den Kollegen beim Öffentlich-rechtlichen Rundfunk habe sie vor allem bestärkende Nachrichten erhalten, freut sich die BR-Volontärin.

ZDF-Moderatorin Petra Gerster war von Wucht der Reaktionen auf ihr Gendern überrascht

Als ZDF-Moderatorin Petra Gerster kürzlich in den „Heute“-Nachrichten begann, konsequent zu gendern, schlug ihr eine Welle der Empörung seitens der Zuschauer entgegen. Zu Gast in der Talkshow „Maischberger“ räumte die erfahrene Nachrichtensprecherin ein: „Die Mehrheit der Zuschauer lehnt das ab“. Sie müsse nun jede Woche viele Briefe beantworten. Ein Zuschauer habe ihr ihre Bücher zurückgeschickt mit der Begründung, er wolle keine Bücher im Regal haben von jemandem, der gendert. „Ein anderer hat geschrieben, er hätte mir immer vertraut, aber jetzt spräche ich plötzlich eine andere Sprache, nicht mehr seine Sprache, und jetzt hätte ich ihm mich selbst weggenommen“, so Gerster.
Logo von Audi (Symbolbild) - SNA, 1920, 02.03.2021
„Audianer_innen“ – Fortschritt durch Gendern bei Audi
Die neue Sprache bei den „Heute“-Nachrichten hatte nicht etwa Petra Gerster oder eine andere Mitarbeiterin der Redaktion angestoßen, sondern Moderator Claus Kleber. Doch schon zuvor hatten die gendergerechten Formulierungen bei ARD und ZDF in verschiedenen Beiträgen Einzug gehalten, Talkmasterin Anne Will gendert schon eine Weile. Und auch das hatte schon Widerstand ausgelöst: Walter Krämer, Professor für Statistik an der TU Dortmund und Vorsitzender des 1997 gegründeten Vereins Deutsche Sprache, hatte nach eigenen Angaben rund 500 Mitgliedern der Rundfunkräte einen Beschwerdebrief zukommen lassen, mit der Bitte, sich mit dem Problem zu befassen. „Erstens verstößt diese Praxis gegen elementare Regeln der deutschen Grammatik, zweitens sollte es dem Sender nicht gleichgültig sein, wenn in einigen seiner Sendungen der männliche Teil ausgeschlossen wird“, heißt es in dem Brief. Das gesprochene Gendersternchen, also die kleine Pause, sei oft unhörbar, wodurch ausschließlich die feminine Form hörbar sei. „Ein Verzicht auf die feminine Endung würde das Problem lösen, denn maskuline Personenbezeichnungen sind grundsätzlich generisch, wie wissenschaftliche Grammatiken des Deutschen dies klar formulieren“, so Krämer.

Beschwerden und Petition des Vereins Deutsche Sprache

Bei dem Beschwerdebrief an die Rundfunkräte hat es der Verein Deutsche Sprache nicht belassen. Derzeit geht er mit einer Petition gegen die Abschaffung des generischen Maskulinums in der Onlineversion des Dudens vor. „Mit seiner Ankündigung, mehr als 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen mit weiblicher und männlicher Form in die Netz-Version des Werkes aufzunehmen, betreibt der Duden eine problematische Zwangs-Sexualisierung, die in der deutschen Sprache so nicht vorgesehen ist“, heißt es in dem Aufruf. Das biologische Geschlecht sei mit dem grammatikalischen Geschlecht nicht gleichzusetzen. So sei „der Engel“ geschlechtslos, „der Scherzkeks“ könne hingegen auch eine Frau sein. Die „Ärztekammer“ vertrete Ärztinnen und Ärzte gleichermaßen, ebenso ziehe das Finanzamt Geld vom „Steuerzahler“ ein, unabhängig vom Geschlecht. Gehe es um konkrete Personen, dann sage man selbstverständlich „Ärztin“ oder „Lehrerin“.

„Indem er diese Grundsätze missachtet, ist der Duden auf dem Weg, seine Rolle als Standard-Referenzwerk für das Deutsche aufzugeben. Indem er Sprache nicht mehr nur widerspiegelt, sondern sie aktiv verändert, widerspricht er seinen eigenen Grundsätzen. Der VDS fordert deshalb den Duden auf, seine Sexualisierungspläne zu überdenken, in Zukunft sensibler und behutsamer mit der deutschen Sprache umzugehen, und sich auf seine ursprünglichen Ziele zu besinnen.“

Verein Deutsche Sprache (VDS)
Aus dem Aufruf "Schluss mit Gender-Unfug!"
Unter den 100 Erstunterzeichnern des Aufrufs finden sich solche Persönlichkeiten, wie Bestseller-Autor Henryk Broder, TV-Moderator und Bestseller-Autor Peter Hahne, Kabarettist Dieter Nuhr, Philosoph Peter Sloterdijk und Bundestagspräsident a.D. Wolfgang Thierse. Insgesamt hat die Petition bereits über 31.850 Unterschriften gesammelt.
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