Corona-Lockdown: Weimar will öffnen, darf aber noch nicht

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Einkaufsstraße in Essen - SNA, 1920, 15.03.2021
Die Stadt Weimar möchte bereits jetzt die coronabedingt geschlossenen Geschäfte und etwas später Gastronomie, Theater und Kinos öffnen. Orientieren will sich das "Weimarer Modell“ dabei nicht an den Infektionszahlen, sondern an der Belegung der Intensivbetten. Vorerst wartet die Goethestadt jedoch auf grünes Licht aus der Landeshauptstadt Erfurt.
Die thüringische Stadt Weimar will in der Corona-Pandemie einen eigenen Weg beschreiten und sich nicht länger nur an der Zahl der Neuinfektionen orientieren. Das "Weimarer Modell“ will laut Stadtverwaltung den Fokus stattdessen auf die Auslastung der Intensivbetten mit Corona-Patienten legen.

Seit Wochen gute Zahlen

Seit mehr als vier Wochen ist Berichten zufolge die Anzahl der belegten Intensivbetten in Weimar rückläufig. Im Weimarer Klinikum werden seit etwa drei Wochen nicht mehr als fünf Personen intnesiv behandelt. Dagegen steht ein Inzidenzwert von durchschnittlich 65 positiv Getesteten je 100.000 Einwohner. Die Kapazität des Klinikums umfasst mindestens 50 Betten für Covid-19-Patienten.
Oberbürgermeister (OB) Peter Kleine (parteilos) geht davon aus, dass die niedrige Bettenbelegung in seiner Stadt auf die Impfungen seit Ende Dezember 2020 zurückzuführen ist. In der Folge sinke auch die Wahrscheinlichkeit einer Überlastung des Weimarer Gesundheitssystems, also dem Hauptziel aller Corona-Maßnahmen.
Die Weimarer 7-Tage-Inzidenz bewegt sich bereits seit circa. drei Wochen um den 50er Wert. Dieser Wert ist nach dem Willen von Bund und Land der Maßstab für Lockerungen.
Konkret heißt das für Weimar: Solange eine Zahl von 20 Patienten im städtischen Klinikum nicht erreicht wird, sieht es Kleine als gerechtfertigt und politisch vertretbar, alle von Bund und Ländern am 3. März beschlossenen Öffnungsschritte bei entsprechenden Inzidenzzahlen umzusetzen.
Das hat der Oberbürgermeister mit seinem Krisenstab sowie Vertretern von Ärzten und Wirtschaft beschlossen.
Corona-Schnelltests - SNA, 1920, 11.03.2021
Wirtschaft will bei Corona-Test in Betrieben Dampf machen

Lockern, Testen, Impfen

Die Weimarer Maßnahmen sollen ein öffentliches Leben ermöglichen, ohne das Gesundheitssystem zu überlasten.
Auf Facebook verkündete der OB letzte Woche:
Lockern, Testen, Impfen: Stadt Weimar justiert Corona-Strategie neu: Das Unverständnis über die Pandemie-Maßnahmen wächst in der Bevölkerung. Als Oberbürgermeister der Stadt Weimar darf und will ich diesem Geschehen, diesen Entwicklungen nicht mehr tatenlos zuschauen.“

Lockern, Testen, Impfen: Stadt Weimar justiert Corona-Strategie neu: Das Unverständnis über die Pandemie-Maßnahmen...

Опубликовано Peter Kleine Среда, 10 марта 2021 г.
Die Öffnungen sollen unter strikter Einhaltung der AHA-Regeln, der jeweiligen Hygienekonzepte, insbesondere mit der Verpflichtung zum Tragen einer medizinischen Mund-Nasen-Bedeckung beziehungsweise der Beschränkung der Anzahl von Personen auf eine Fläche erfolgen. Die Stadt Weimar will die Einhaltung der Regeln überprüfen und die Lockerungen mit regelmäßigen Testungen (Corona-Schnelltest) und der Einführung der neuen Luca-App flankieren. OB Kleine betonte:

Es ist wichtig, dass wir nicht in der Wartestellung verharren, sondern alles versuchen, geordnet und sinnvoll in die Normalität unseres gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens zurückzukommen.“

Konkret sollten in Weimar ab Montag, bisher geschlossene Geschäfte sowie Museen und Galerien geöffnet werden dürfen. Zudem sollte Freizeitsport ohne Körperkontakt zugelassen werden. Ab dem 22. März sollten dann Außengastronomie, Theater und Kino folgen.

Gegenwind aus Erfurt – Läden bleiben vorerst zu

Konkret sollten in Weimar ab Montag die bisher geschlossenen Geschäfte sowie Museen und Galerien geöffnet werden dürfen. Zudem sollte Freizeitsport ohne Körperkontakt zugelassen werden. Ab dem 22. März sollten dann Außengastronomie, Theater und Kino folgen.
Daraus scheint aber vorerst nichts zu werden. Am Montag durften die Läden jedenfalls noch nicht öffnen.
Der Vorstoß von Oberbürgermeister Kleine, ab Montag in Weimar zu lockern, hatte im Stadtrat für Kritik gesorgt. Die Linksfraktion erklärte, der Oberbürgermeister habe seine Pläne im Vorfeld weder mit den Stadtratsfraktionen noch mit dem zuständigen Landesministerium abgesprochen. Es seien falsche Hoffnungen geweckt worden. Die Grünen reagierten verwundert auf die, wie es heißt, "unerwarteten und unabgesprochenen" Lockerungsvorschläge.
Das Gesundheitsministerium in Erfurt hat nach Angaben des „Mitteldeutschen Rundfunks" (MDR) den Vorschlag aus Weimar so nicht akzeptiert und Nachbesserungen gefordert. Der MDR berichtet, das Bundesland lehne das "Weimarer Modell" nicht grundsätzlich ab, wolle aber eine Kontaktnachverfolgung und eine Test-Strategie. Die geplanten Ladenöffnungen sollen nun um eine Woche auf den 22. März verschoben werden – vorausgesetzt, es gibt grünes Licht vom Gesundheitsministerium in Erfurt.
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